Hufrehe ganz im Detail: Fallbeispiel Haflingerstute

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Fallbeispiel Hufrehe dokumentiert durch
Das Barhufteam


"Amanda" eine liebenswerte, 15-jährige Haflingerstute, haben wir im Oktober 2010 liegend in einem Stall angetroffen. Die nachstehenden Bilder sprechen für sich...




Aufgrund der Tatsache dass "Amanda" während sehr langer Zeit nur in einem Stall gelegen und nie ins Freie kam, hat sie in der Folge kein Winterfell gemacht und die Haut zeigte deutliche Spuren vom Durchliegen. Sie musste deshalb zuerst einmal neu "eingekleidet" werden.


"Amanda" litt unter einer hochgradigen Hufrehe. In der Folge wurde eine Tenotomie des Unterstützungsbandes der tiefen Beugesehne ausgeführt um überhaupt eine Aenderung in der Stellung des Hufbeines vorzunehmen zu können. Die Trachtenenden wurden mit Eisen erhöht und die Zehenwand stark eingekürzt. Leider gelangte so auch der ganze Schmutz von vorne unter den Spezialbeschlag und erzeugte dort wiederum erheblichen Druck auf das Hufbein welches sehr steil in der Hufkapsel liegt. Die Eisen wurden sofort entfernt und das Pferd mit Styrophorblöcken, Neoprensohlen sowie mit Krankenschuhen unterstützt.


...und so sehen die Blöcke an einem Hufrehepferd aus. Aus der Anfangshöhe von Anfangs 10cm haben wir nach 2 Tagen lediglich noch 2 cm Höhe - danach werden sie wieder gewechselt. Wir nehmen auf diese Art und Weise den Druck von der Hufbeinspitze weg und das Pferd kann seine ihm angenehmste Stellung selber finden.



Zurück zu "Amanda" - die Röntgenbilder vom November 2010.



Deutlich zu sehen wie steil das Hufbein in der Hornkapsel steht und wie bereits schon die Hufbeinspitze deformiert wurde. Das sagt uns, dass diese Stellung bereits seit längerer Zeit so bestanden hat. Ferner gut ersichtlich die diversen Gaseinschlüsse und die unkorrekte Stellungen des Kron- und Fesselbeines!

...von "Aussen" sieht das Ganze dann so aus:



...und auf den Eisen so:


Als erste Massnahme muss die Last von der vorderen Zehenwand weggenommen werden. Diese würde bei jedem Schritt, die durch die Hufrehe hervorgerufene lose Tragewand weghebeln, und unerwünschten Druck in den Kronsaumbereich geben. Genau dort wollen wir - damit die Huflederhaut von oben her wieder korrekt nachwachsen kann (und auch wird) - sämtliche Last vermeiden! Da das Pferd nun lediglich auf seinen äusseren Tragwänden geht, muss sorgfälltig auf den Abstand des Hufbeines zum Boden geachtet werden. Hierzu sind Röntgenbilder ein absolutes Muss!


Ganz ohne Frage unterstützt man in diesem Stadium das Tier medikamentös und mit den oben beschriebenen Mitteln wie Neoprensohlen, Styrophorblöcken oder Hufschuhen


Wichtig: Hufrehepferde dürfen   N I E   von der Höhe auf den Trachtenenden heruntergenommen werden. Der dadurch entstehende Zug auf die tiefe Beugesehne würde die Hufbeinspitze mit verheerenden Konsequenzen weiter senken!


Wir wollen nochmals festhalten, dass nur eine ganz enge Zusammenarbeit zwischen Tierärzten, Pferdepflegern den Hufpflegern/ Hufschmieden und nicht zuletzt auch den Besitzern zu einem sicheren Erfolg führen kann!


Ein Pferd in diesem Stadium bedarf sehr viel Pflege!


Der zeitliche und auch der finanzielle Aufwand wird sehr gross sein. Aus diesem Grund - probieren sie solches nicht auf eigene Faust - und nicht zu Hause aus!





...und die gleichen Hufe im April 2011. Um zu sehen, ob wir uns auf dem richtigen Weg befinden, wurde ein Zwischenröntgen vorgenommen. Das Ergebnis überrascht! Die Stellung ist noch nicht perfekt - jedoch  steht "Amanda" um Klassen besser und ist auf dem Weg, normale Hufe zu bekommen und beschwerdefrei gehen zu können!



Einen besonderen Augenmerk muss auf die Verspannungen des Pferdes gelegt werden. Deutlich sind die Verkrampfungen ersichtlich, welche vor der Angst vor dem Schmerz herrühren! Dieser "Teufelskreis" muss und kann nur in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt medikamentös durchbrochen werden! Ansonsten kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden ob das Pferd aufgrund von Verspannungen oder wegen seiner Beschwerden, hervorgerufen durch die Hufehe, sich weigert sich zu bewegen! Es stehen hier  ausgezeichnete Arzneimittel zur Verfügung. Immer muss auch der Allgemeinzustand des Pferdes im Auge behalten werden. Hier ist die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Tierarzt unabdingbar!



Voilà - das sieht doch schon viel besser aus...


---wird fortgesetzt---

 

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