Das nachstehende Werk entspricht unter Umständen nicht mehr dem neuesten Stand von Technik und Wissenschaft. Es soll jedoch dem Pferdefreund einen Blick zurück in die Vergangenheit resp. einen Vergleich der Pferdehaltung sowie des „Pferdehandlings" von früher zu heute geben. Wir als Barhufteam können uns auch nicht vollumfänglich mit allen darin gemachten Aussagen und Techniken identifizieren.
Was unsere Grossväter noch wussten...
Die gewöhnlichen inneren und äusseren Krankheiten des Pferdes.
Falls es notwendig ist, dieses Kapitel mit einem Motto zu versehen, würde keines besser passen als das englische Sprichwort: „A little knowledge is a dangerous thing" (Oberflächliche Kenntnisse bringen Gefahr), denn wie nachteilig mangelhafte Fachkenntnisse auch auf allen jenen Gebieten sein mögen, die bisher in diesem Handbuch beleuchtet worden sind, sind sie doch am meisten zu fürchten, wenn sie bei der Behandlung kranker Pferde zu Tage treten. Daraus folgt, dass ich durchaus nicht beabsichtige, im vorliegenden Kapitel die Geschäfte der Herren Quacksalber zu besorgen. Was ich anstrebe ist, den Leser instand zu setzen, zu beurteilen, wann schleunige Hilfe eines erfahrenen Tierarztes notwendig ist, wann dieselbe entbehrt werden kann und was der Pferdewärter und Besitzer sowohl in dem einen als dem anderen Falle zu tun hat. Dieses verhältnismässig unbedeutende Mass von Kenntnissen wäre meiner Meinung nach auch dann unentbehrlich, wenn man überall nur einen Katzensprung zum Tierarzt hätte und dieser immer zu Hause sitzen würde. Da dies aber nicht der Fall, betrachte ich es als die gebieterische Pflicht eines jeden Pferdebesitzers, sich von der Krankheitslehre so viel anzueignen, dass er nicht vollkommen ratlos vor dem erkrankten Tier zu stehen braucht. Bevor ich mehr auf die Lehre von den Krankheiten des Pferdes, deren Erkennung und Heilung eingehe, möchte ich dem Leser empfehlen, seinem Gedächtnisse folgende Aussprüche anerkannt tüchtiger Fachmänner einzuprägen, nämlich: 1. „Je mehr jemand von der Physiologie versteht, desto weniger Vertrauen wird er in Medizinen setzen," und 2. „Die Natur heilt durch stillen, unablässigen Gebrauch ihrer Kraft. Ihre Medizin sind Luft, Wärme, Futter, Wasser und Schlaf, deren Anwendung vom Instinkt vorgeschrieben wird. Der beste Arzt ist daher der Mann, der den Gesetzen der Natur die grösste Beachtung schenkt." Würden diese einfachen Wahrheiten nicht so oft bei der Behandlung kranker Tiere ausser Acht gelassen, bliebe dem Pferdebesitzer mancher schwer zu verschmerzende Verlust erspart. Die Krankheiten werden gewöhnlich in äussere und innere eingeteilt, obgleich die Grenzen zwischen diesen beiden Krankheitsformen nicht immer leicht zu ziehen sind. Zu den äusseren Krankheiten zählt man diejenigen, die auf der Oberfläche des Körpers - z.B. auf der Haut und den Extremitäten - vorkommen, zu den inneren die, die ihren Sitz in den inneren Organen haben. Ausserdem gibt es lokale, allgemeine, schnell verlaufende (akute), langsam verlaufende (chronische), gutartige, bösartige, ansteckende, nicht ansteckende, periodisch wiederkehrende, primäre (solche, die unmittelbar nach Einwirkung einer Ursache entstehen), sekundäre (solche, die Folgen einer anderen Krankheit sind), angeborene, ererbte und andere Krankheiten. Die Bestimmung der Natur eine Krankheit (Diagnose) ist die erste Klippe, an welcher der Quacksalber zu scheitern pflegt. Es ist nämlich leicht zu sehen, dass ein Tier krank ist, ungemein schwierig aber kann es unter Umständen sein, zu erkennen, was demselben eigentlich fehlt. Und dennoch ist Letzteres behufs Anordnung einer zweckmässigen Behandlung vollkommen unerlässlich. Wir werden uns daher vor allem darüber Klarheit zu verschaffen haben, was bei der Untersuchung eines kranken Pferdes zunächst zu beachten ist. Eine solche Untersuchung wird auf die Tätigkeit der einzelnen Organe und auf die Lebensäusserungen, verglichen mit dem gesunden Zustande, gerichtet. Bei jedem kranken Pferde macht sich eine mehr oder weniger deutliche Herabstimmung in der Tätigkeit des Gehirns und der Sinne bemerkbar. Das Tier zeigt sich weniger lebhaft, aufmerksam oder empfindlich als sonst; der Blick und das Ohrenspiel sind verändert, der Gang hat an Elastizität verloren usw. Schmerzen gibt das Pferd dadurch zu erkennen, dass es nach dem leidenden Teil hinsieht, sich mit Schwierigkeiten bewegt, sehr empfindlich gegen Druck ist usw. Sind die Atmungsorgane oder das Gehirn angegriffen, legt sich das Tier nicht mehr nieder und nimmt im Zustande der Ruhe unregelmässige Stellung an. Pferde, die an Kolik oder Entzündung in den Verdauungswerkzeugen leiden, werfen sich dagegen gewaltsam zu Boden, wälzen sich, beissen, scharren, stampfen und schlagen nach dem Bauch. Eine weitere Lebensäusserung, die von der Krankheit verändert wird, ist das Atmen. Im gesunden Zustand atmet das Pferd 8-12 mal in der Minute; beim kranken Pferd aber kann das Atmen entweder beschleunigt oder langsamer sein. Mehr oder weniger beschleunigt ist das Atmen bei allen Fiebern, Entzündungen und Krampfanfällen, sowie wenn die Atmungsorgane angegriffen sind. Ein langsameres Atmen ist die Folge von Schwächezuständen, Blutungen, stillem Koller, Lähmungen und Schlaganfällen. Das Atmen geschieht im gesunden Zustande mit ruhigen, gleichmässigen, nahezu unhörbaren Atemzügen und ohne merkbare Erweiterung der Nasenlöcher. Im kranken Zustande dagegen atmet das Pferd entweder mehr mit den Rippen oder auch mehr mit den Flanken und den Bauchmuskeln, falls nicht sämtliche diese Körperteile hierbei mitwirken. Ausser obigen Abweichungen bemerkt man bei Schleimbildungen und Entzündungen einen schnaubenden, bei Kehlkopfleiden einen pfeifenden, bei Schleimbildungen, die den Durchgang der Luft erschweren, einen schnarchenden, beim Vorhandensein heftiger Schmerzen einen stöhnenden und beim Herannahen des Todes einen röchelnden Laut. Kurzer, trockener, unterdrückter und schmerzhafter Husten deutet auf entzündliche Reizung oder Entzündung in den Luftwegen, wobei die Schleimabsonderung in diesen Organen entweder vermindert ist oder auch gänzlich aufgehört hat. Feuchter, rauher und loser Husten tritt ein, nachdem die Entzündung verschwunden und die Schleimabsonderung wieder in Gang gekommen ist. Dies ist der Fall bei katarrhalischen Leiden. Schwacher und von Atemnot begleiteter Husten kommt bei Krankheiten in den Schleimhäuten der Atmungsorgane - speziell der Lungen - vor. Die ausgeatmete Luft ist wärmer als gewöhnlich bei Lungenentzündungen und übelriechend bei Eiterbildung in den Lungen, sowie bei Vorhandensein von Wunden in der Nase und der Maulhöhle. Der Futterzustand des Pferdes und die Form seines Bauches geben ebenfalls wertvolle Aufschlüsse. Grosse Magerkeit und ein aufgeschürzter Leib deuten z.B. auf fehlerhafte Fütterung oder längere Krankheit. Ein gespannter Bauch ist das Symptom von Gasbildung in den Gedärmen. Das Haar soll, wie bekannt, glatt und glänzend sein. Ist dasselbe rauh und glanzlos, so leidet das Pferd wahrscheinlich an irgendeiner fieberhaften Krankheit oder die Ernährung ist in irgendeiner Richtung vernachlässigt worden. Bei der Untersuchung der Haut ist nachzusehen, ob dieselbe rein oder schmutzig, mit Wunden oder Ausschlag behaftet ist, ob sie überall eine gleichmässige Temperatur hat, oder sich an gewissen Stellen, wie z.B. an den Ohren und den Extremitäten, kälter oder wärmer anfühlt, sowie auch, ob sie lose oder fest auf den Rippen liegt. Die Schweissabsonderung ist entweder vermehrt oder unterdrückt und hat bei kranken Tieren einen üblen Geruch. Die Geschwülste, die möglicherweise an der Oberfläche des Körpers entdeckt werden können, sind entweder warm oder kalt, weich oder hart. In der Entzündung begriffene Geschwülste sind hart, warm und schmerzhaft. Weich und kalt sind dagegen solche, die Luft, Blut, Eiter und Wasser enthalten. In letzterem Falle sind sie teigig (ödematös). Der Puls wird beim Pferde am besten an der Kinnbackenarterie (Fig. 926) gefühlt. Es geschieht dies auf der linken Seite des Pferdes, indem man den ersten und zweiten Finger der rechten Hand an die innere Seite des Kinnbackens andrückt, während der Daumen an der äusseren Seite gehalten wird, um der Hand eine ruhige Lage zu geben. Sollten die Drüsen im Kehlgange angeschwollen sein, so muss der Puls an der Schläfen- oder Ellbogenarterie gefühlt werden. Bei gesunden volljährigen Pferden zählt man im Durchschnitt 36 bis 42 Pulsschläge in der Minute, wobei zu beachten ist, dass die Zahl der Pulsschläge beim nervösen Vollblut grösser als bei dem lymphatischen Arbeitspferde ist. Den Puls richtig zu beurteilen, ist eine Fertigkeit, die nur durch Übung erworben werden kann. Sich dieser Mühe zu unterziehen, ist aber nicht jedermanns Sache, und deshalb könnte auch mancher, der einem kranken Gaule mit wichtiger Miene den Puls fühlt, ebensogut einem Ferkel den Schwanz kneifen. Das wissenschaftliche Resultat wird in beiden Fällen ganz dasselbe bleiben. Der Puls kann schneller oder langsamer als im normalen Zustande sein. Langsamer ist er bei Blutverlust, stillem Koller, Lähmungen, Schlaganfällen usw., beschleunigt bei allen fieberhaften oder Entzündungskrankheiten. 50 Pulsschläge in der Minute sind z.B. ein Anzeichen von Fieber, 75 deuten auf einen sehr bedenklichen Zustand und bei 100 hat die Krisis ihren Höhepunkt erreicht. Ist der Puls hart, so fühlt man einen kräftigen Schlag gegen die Fingerspitzen, ist er dagegen weich, so spürt man nur einen schwachen Schlag. Ein ähnliches Verhältnis findet beim regelmässigen und unregelmässigen Pulsschlag statt, letzterer, der auch intermittierend genannt wird, entsteht dadurch, dass die Zusammenziehungen des Herzens nur langsam aufeinander folgen und einige von ihnen so schwach sind, dass sie nicht imstande sind, jene Blutmenge herauszupressen, die zu Erweiterung der Pulsadern erforderlich ist. Der Herzschlag gibt ebenfalls Aufschloss über die Beschaffenheit des Blutumlaufes. Derselbe wird in der Regel nur an der linken unteren Seite des Brustkorbes, hinter dem Ellbogen gefühlt und ist entweder deutlich und kräftig, oder undeutlich und schwach - bisweilen sogar so schwach, dass er nicht fühlbar ist - stossend oder doppelt. Ein beschleunigter, voller und harter Puls, der im Verein mit einem unmerklichen Herzschlag auftritt, ist als ein bedenkliches Symptom anzusehen. Die sichtbaren Schleimhäute sind bei dem kranken Pferde trocken, rot, gelblich, mit Blasen oder Wunden, behaftet usw. Die Zunge ist belegt, klebrig, aussergewöhnlich feucht oder trocken; das Zahnfleisch zeigt einen rötlichen Streifen an der Zahnreihe. Diese Symptome deuten auf einen fieberhaften oder entzündlichen Zustand. Ist die Tätigkeit der Leber unterdrückt, so erhalten die Schleimhäute immer ein gelbliches Aussehen. Eine ergiebige Absonderung an den Schleimhäuten der Augen und der Nase tritt bei allen katarrhalischen Leiden dieser Organe ein. Die Schleimabsonderung aus den Augen kann gutartig sein, ist aber mitunter auch so scharf, dass sie die Haare an den Kinnbacken des Pferdes wegfrisst. Der Nasenausfluss ist entweder gutartig, schleimig und weiss, oder gelblich, dick, blutgemischt, oft einseitig, d.h. nur aus einem Nasenloch herausfliessen. Eine vermehrte Schleimabsonderung im Maule findet statt bei Entzündungen in den Schleimhäuten des Maules, Krankheiten der Zunge usw. Dieser Schleim ist rein, weiss und zäh - fadenbildend. Der Appetit kann vermehrt oder vermindert sein. Letzteres tritt bei allen Fieber- und Entzündungskrankheiten ein, kann aber auch durch lokale Leiden in der Maulhöhle, wie Zahnweh, Entzündungen an der Zunge und dem Gaumen usw. hervorgerufen werden. Stark vermehrter Appetit kommt bei dem so genannten Wolfshunger vor.
Das Schlucken ist erschwert oder vollkommen aufgehoben bei Zungen-, Maul- und Halsentzündungen. Der Durst nimmt bei allen Fieber- und Entzündungskrankheiten bedeutend zu. Ist das Gehirn angegriffen, wie zum Beispiel beim Koller, so pflegen die Pferde beim Trinken den Kopf bis über die Nasenlöcher ins Wasser zu tauchen, was sie allerdings auch meist tun, wenn sie mit dem Gebiss im Maule saufen müssen. Der Kot zeigt bei kranken Pferden auffallende Veränderungen. Bald wird er mit längeren Zwischenpausen und in grösseren Massen abgesondert, bald findet das Gegenteil statt. Dies hat seinen Grund darin, dass die wurmähnliche Bewegung der Gedärme nicht immer mit derselben Energie vor sich geht. Verstopfungen werden teils durch mechanische Hindernisse, wie Darmsteine, harte Futterballen, eingeklemmte Brüche, Gedärmverschliessungen usw., teils durch Entzündungskrankheiten verursacht. Diarrhöen dagegen werden durch Reizung der Schleimhaut, plötzlichen Futterwechsel, Erkältungen usw. hervorgerufen. Der Kot kann weich oder hart sein. Weicher Kot deutet auf vermehrte Schleimabsonderung in dem Verdauungsapparat. Die Farbe des Kotes wird in der Regel von der Farbe des Futters und der Tätigkeit der Leber beeinflusst. Störungen in der Gallenabsonderung geben sich durch eine lichtere Farbe des Kotes zu erkennen. Der Geruch des Kotes ist in hohem Grade von der Verdauungstätigkeit abhängig. Ist diese geschwächt oder sonst in irgendeiner Weise unnormal, so nimmt der Kot einen sauren widrigen Geruch an. Bei katarrhalischen und gastrischen Leiden pflegt der Kot mehr oder weniger mit Schleim überzogen zu sein. Das Vorkommen von Blut und Eiter im Kot deutet auf das Vorhandensein von Wunden im Darmkanale. Eine sehr gewöhnliche Erscheinung sind Würmer im Kot. Dies ist das einzige sichere Zeichen, dass solche Parasiten ihren Wohnsitz im Körper des Pferdes aufgeschlagen haben. Der Urin ist allerdings mit Bezug auf seine Menge von der trockeneren oder feuchteren Beschaffenheit des Futters, sowie von der Quantität des genossenen Getränkes abhängig, wird aber in dieser Beziehung auch von anderen Umständen berührt. So nimmt die Urinmenge in demselben Masse ab, als die Schweissabsonderung zunimmt. Erkrankungen der Nieren und der Blase, sowie das Vorhandensein mechanische Hindernisse (Steine, Sand, Gries, Anhäufung von Schmutz an der Vorhaut usw.) haben denselben Effekt. Bei Fieber- und Entzündungskrankheiten ist der Urin rot, dünn und wässerig. Bei allen fauligen Krankheiten dagegen getrübt, dick, zäh, braun, stinkend, bei Nierenkrankheiten blutig, schleimig usw. Wie Lahmheit und deren Ursachen beim Pferde entdeckt werden, ist bereits ausführlich beschrieben worden. Dies wären die hauptsächlichen Krankheitszeichen (Symptome), die bei der Untersuchung kranker Pferde, sowohl was die Krankheitsbestimmung (Diagnose), als auch die Voraussagung des wahrscheinlichen Verlaufes der Krankheit (Prognose) betrifft, zu berücksichtigen sein werden. Wir kommen nun zu der Heilung. Dieselbe kann in zweierlei Weise erfolgen, nämlich
1. durch die im Organismus lebenden Kräfte (Naturheilung) oder 2. doch die Wirkung angewendete Heilmittel (Kunstheilung).
Ohne Mitwirkung der Naturkräfte kommt überhaupt keine Heilung zustande und daher wird jede vernünftige Heilmethode darauf gerichtet sein müssen, das Heilbestreben des Organismus möglichst zu fördern. Selbstverständlich gilt es hierbei in erster Reihe, den inneren Grund der Krankheit zu beseitigen. Die Aufgabe der Kunstheilung kann nur sein, da anregend und fördernd einzugreifen, wo die Naturheilung allein nicht ausreicht, zu unsicher wirkt oder zu langsam würde. Ein Gegensatz zwischen diesen beiden Heilmethoden ist also nicht vorhanden, sondern die Kunsthilfe bildet nur eine Vervollständigung der das eigentliche Heilgeschäft besorgenden natürlichen Kräfte im Organismus. Dass sich dieses unanfechtbare Prinzip nicht mit der Verabreichung von Arzneien und Giften oder mit der Anwendung von Aderlässen verträgt, liegt auf der Hand. Die Heilmittel, die uns die Natur selbst zur Verfügung stellt, sind: Abstellung oder Minderung der Krankheitsursachen, Wasser, Kälte, Wärme, frische Luft, Bewegung, Massage und eine zweckentsprechende Diät. Was speziell die Massage betrifft, erlaube ich mir, dem Leser Professor Dr. Edward Bogels interessante Schrift: „Die Massage, ihre Theorie und praktische Bewertung in der Veterinärmedizin" ganz besonders zu empfehlen. Die Massage, bestehend in Streichen, Drücken, Kneten, Reiben und Klopfen kranker Körperteile, bewirkt innere Aufsaugung und ist daher angezeigt bei Zerrungen, Stauungen, Quetschungen, Verrenkungen, Gelenksteifigkeiten, Geschwülsten, Gallen, Sehnen- und Scheideentzündungen, Sehnenverhärtungen, Überbeinen, gewissen Augenentzündungen usw. Bezüglich der Technik dieser Behandlungsmethode verweise ich auf das eben genannte Spezialwerk, dem ich hier nur der Vollständigkeit wegen folgende kurze Andeutungen entnehme. Das Streichen geschieht mit der vollen Handfläche über den kranken Körperteilen hinweg. Die anfangs leichten Streichungen steigern sich allmählich bis zu ziemlich beträchtlichem Kraftaufwande, um dann wieder methodisch abzunehmen. Beim Kneten sucht man mit den Fingerspitzen einer oder beider Hände in das zu bearbeitende Gewebe einzudringen und streicht oder knetet dann mit der Hand und den Ballen walkend nach. Das Klopfen erfolgt in der Art, dass man entweder mit der flachen Hand oder der Faust einige Minuten lang kräftige, klatschende Bewegungen ausführt, oder aber mit den schmalen Kanten der Hände hackend arbeitet. Der Angriff der erkrankten Stelle erfolgt nicht von der Mitte aus, sondern vom Rande her und es wird allmählich gegen die Mitte zu vorgegangen. Zur Anwendung von Klistieren benützt die neuere Schule nur noch selten die von Busch besungene Spritze, sondern meist ein Irritationsapparat (Fig. 929). Derselbe besteht aus einem an der Spitze abgerundeten Holz- oder Hartgummirohre (30 cm lang, 2 cm dick), an dessen Ende ein 3 m langer, 2 cm dünner Gummischlauch und an diesem ein ca. 1 Liter fassender Blechtrichter oder Blechgefäss angefügt ist. Nachdem das Rohr in den Mastdarm eingeführt ist, wird die Flüssigkeit eingefüllt. Durch geringere oder stärkere Hebung des Trichters fliest sie langsamer oder schneller in den Mastdarm ein. Ein solcher Apparat ist schon aus dem Grunde der altmodischen Spritze vorzuziehen, weil man mit demselben jedes erforderliche Quantum Wasser in den Mastdarm eintreiben kann, ohne durch wiederholtes Einführen der Spritze oder durch den scharfen Wasserstrahl Reizungen in der Schleimhaut des Darmes hervorzurufen. Wie kalte Umschläge bereitet werden, lässt sich am zweckmässigsten bei Besprechungen derjenigen Fälle, wo solche angezeigt sind, näher beschreiben.
Die Berieselung kranker Teile geschieht mittelst eines Gummischlauches, durch den man ununterbrochen Wasser über die betreffende Stelle rieseln lässt. Ein leicht herzustellender und billiger Kühlapparat ist in Fig. 930 abgebildet. Das untere Ende des Gummirohres ist verkorkt, und zugebunden und ein entsprechendes Stück desselben, das vorher mit einer glühenden Nadel durchlöchert worden, locker um den kranken der Körperteil gebunden.Das obere Ende wird heberartig über den Rand eines gefüllten Eimers gehenkt, wobei man, um Knickungen zu vermeiden ein geknietes Bleirohrstück einschaltet oder auch bei einem Fass an eine im Spunde befestigte Holzröhre anbringt. Im Übrigen aber sind die von W. Hauptner, Berlin, lieferbaren Kühlapparate (Fig. 927 und 928) vorzuziehen. Wir werden nun zu der Behandlung der einzelnen Krankheiten übergehen und beginnen zu diesem Zweck mit den Leiden, die der Laie ohne Zuziehung eines Tierarztes der Heilung zuführen kann. Zu diesen gehören vor allem: Verwundungen leichterer Art, denn solche sind nahezu alltägliche Vorkommnisse in jedem grösseren Stall. Bei heftigen Blutungen genügt die natürliche Blutstillung meistens nicht, sondern wird beinahe immer eine Kunsthilfe notwendig sein. Entscheidend für die Gestaltung derselben ist, ob die Blutung eine venöse (von einer Blutader kommend) oder eine arterielle (von einer Pulsader kommend) ist. Arterielle Blutungen kennzeichnen sich dadurch, dass das Blut hellrot von Farbe ist und stossweise hervorspritzt, während das Blut einer Vene dunkel ist und gewöhnlich in einem gleichmässigen Strome aus der Wunde fliesst.
Die Pulsaderblutungen sind natürlich die gefährlichsten und auch am schwersten zu stillen. In zweifelhaften Fällen wird man gut tun, wenn möglich einen starken Druck zwischen dem Herzen und der Wunde zu Wege zu bringen; nimmt die Blutung danach ab, so hat man es mit einer Pulsaderblutung zu tun, im entgegengesetzten Falle ist die Blutung eine venöse. Geringere Blutungen sind meistens venös und stillen sich entweder ganz allein oder nach Anwendung von kaltem Essigwasser. Die Stillung arterieller Blutungen kann dagegen mit Schwierigkeiten verknüpft sein. Viele Laien verlieren schon beim Anblick des heftig hervorströmenden Blutes alle Besinnung und wickeln entsetzt eine Kompresse nach der anderen um die Wunde. Dies ist dabei ein sehr gefährliches Beginnen, denn die Tücher saugen das Blut gierig ein, was nicht selten zur Folge hat, dass eine ganz unbedeutende Wunde, die ein Kind mit dem Finger hätte schliessen können, Anlass zu lebensgefährlichen Blutungen gibt. Die sicherste Hilfe bietet das Zuhalten der Öffnung, aus der das Blut herausfliesst. Sollte die Blutung dennoch andauern, so bindet man einen festen oder wasserdichten Gegenstand, zum Beispiel ein Stück rohes Fleisch, eine in gereinigter Watte eingewickelte Mütze oder ein Stück Kork über die Gefässöffnung. Als Druckverband verwendet man Watte. Das äusserste Mittel ist die Anwendung des Glüheisens. Dasselbe hemmt die Blutung durch den Brandschorf, der die Gefässöffnung verschliesst. Die Hauptsache bei der Benützung des Glüheisens ist, dass dasselbe weisswarm ist, andernfalls kann es keinen festen Brandschorf erzeugen. Zur Schonung des umgebenden Gewebes streut man vorher geschnittenes Werg, Hornspäne oder pulverisiertes Kolophonium auf, welche Substanzen durch Verkohlung einen festen Schorf bilden. Ein bedenklicher Umstand bei der Anwendung des Glüheisens bleibt indessen immer die nachfolgende bedeutende Eiterung. Noch sicherer als das Glüheisen wirkt die Unterbindung (Ligatur), jedoch ist dies eine Operation, deren Ausführung dem Tierarzte überlassen werden muss. Gerissene oder gequetschte Wunden heilen nur durch Eiterung. Nachdem gerissene Haut- und Fleischlappen, deren Heilung nicht zu erwarten ist, weggeschnitten wurden, sucht man die Wundreinigung durch Ausspritzen mit temperiertem Wasser, dem ein Desinfektionsmittel zugesetzt ist, und in eben solches getauchte, mässige ausgerungene Kompressen, die mit Wolle umwickelt werden, zu fördern. Von dem kühlenden Verfahren mit brunnenfrischem Wasser darf höchstens während der ersten 24 Stunden vorübergehend Gebrauch gemacht werden. Wunden der Vorderfusswurzel (Kniewunden), die infolge eines Sturzes auf dem Pflaster oder harter, geschotterter Chaussee entstanden sind, pflegen, wenn sie leichterer Art sind und richtig behandelt werden, keine Schandmale zu hinterlassen. Ist die Wunde dagegen so tief, dass sie zu einer Verletzung des Kapselbandes und Ausfliessen von Gelenksschmiere geführt hat, so sind auch im glücklichsten Falle böse Folgeübel nicht ausgeschlossen, weshalb die Behandlung nur von einem Tierarzte mit Aussicht auf Erfolg unternommen werden kann. Oberflächliche Wunden sind vor allem behutsam zu reinigen. Dies geschieht am zweckmässigsten auf die Art, dass man einen in laues Wasser getauchten reinen Schwamm über der Wunde ausdrückt, ohne dieselbe zu berühren. Man vermeidet so nicht nur eine schädliche Reizung der empfindlichen Wunde, sondern auch das Beschmutzen des zum Reinigen benützten Wassers, das über die Wunde herab fliessend, allen etwa anhaftenden Schmutz fortspült. Hiermit wird ungefähr eine Viertelstunde fortgefahren, worauf die soeben geschilderte Behandlung mit mässig kühlen und mässig feuchten Kompressen unter wollener Bedeckung ihren Anfang nimmt. Bei tiefen Verletzungen der Vorfusswurzel (aufgeschlagenes Knie) ist es selbstverständlich nötig, das Pferd während der ersten 24-36 Stunden hochzubinden, damit es sich nicht niederlegen kann. Bei allen Wunden, die durch Stürze hervorgerufen worden sind, sowie bei Eindringen fremder Teile in die Wunden ist ebenfalls die auf Seite 250-252 erwähnte Tetanusimpfung vom Tierarzt vorzunehmen. Überbeine sind oft die Folgen von durch mechanische Verletzungen hervorgerufenen Knochenhautentzündungen. Werden Letztere alsogleich bemerkt und mit kühlenden Umschlägen behandelt, so kommt es selten oder gar nie zur Entstehung von Überbeinen. Auch frische Knochenauftreibungen können allenfalls durch feuchte Wärme und oft wiederholtes Pressen mittelst eines glatten Holzstückes vertrieben werden. Ältere verknöcherte Neubildungen weichen jedoch einer solchen Behandlung nicht, weshalb man, falls dieselben infolge ungünstiger Lage den Gebrauchswert des Pferdes herabzusetzen, genötigt sein wird, ein geeignetes Zuteilungsmittel zu Hilfe zu nehmen. Das Brenneisen, das stets von weitem sichtbare Schandmale hinterlässt, dürfte wohl nur ausnahmsweise hierzu verwendet werden. Beliebter sind die Blistersalben, obgleich sich auch mit diesen Präparaten bei älteren und starken Knochenauftreibungen gar kein oder doch nur ein sehr geringer Erfolg erzielen lässt und ausserdem jede Anwendung solcher metallischen Salben mit ernsten Gefahren für den Patienten verknüpft ist. Nahe verwandt mit den Überbeinen ist die in England unter dem Namen „Sore shins" bekannte, bei jungen Rennpferde häufig vorkommende Knochenhautentzündung, die ihren Sitz auf dem unteren Drittel der vorderen Fläche der Vorderröhre hat. Man findet sie bei zweijährigen Vollblutpferden, deren Beine noch empfindlich sind, so dass jeder Stoss und jede Prellung, besonders auf hartem Boden, die Sehne sehr anstrengt und auch auf Gewebe und Knochenhaut angreifend wirkt. Das erste sichtbare Symptom ist verminderte Sprungkraft im Galopp, besonders auf hartem Boden. Folgen dann ein paar scharfe Galopps, so wird das Pferd wahrscheinlich auch im Schritt klamm gehen. In diesem Stadium können warme Umschläge und absolute Ruhe noch immer baldige Heilung bewirken. Wird aber die anstrengende Arbeit fortgesetzt, so tritt vollständige Lahmheit ein und auf der vorderen Fläche der Vorderröhre entstehen weiche Anschwellungen, die nach einiger Zeit hart wie Knochen werden. In leichteren Fällen besteht die Behandlung in der Verwendung warmer Umschläge und andauernder vollkommener Ruhe. Nachdem die Wärme und die Schmerzen verschwunden, folgen kühlende Umschläge, Berieselungen und vorsichtiges Massieren. Die Hasenhacke ist eine Auftreibung der an der hinteren Fläche des Sprunggelenkes sitzenden Sehnen und Bänder oder - wenngleich selten - der dort befindlichen Sprunggelenksknochen. Bezüglich der Ursachen ist auf das Seite 75 dieses Bandes gesagte zu verweisen. Es genügt hier hervorzuheben, dass sich das Leiden namentlich bei säbelbeinigen und geschnürten Sprunggelenken entwickelt. Die Hasenhacke entsteht gewöhnlich sehr schnell, sogar plötzlich. Sie zeigt sich zuerst in der Gestalt einer harten, warmen und schmerzhaften Anschwellung, die während ihrer Entwicklung von starkem Lahmgehen begleitet zu sein pflegt. Zugleich mit der Entzündung verschwindet aber auch die Lahmheit, wogegen die Geschwulst unverändert bleibt. Solange sich die Hasenhacke noch im Entzündungsstadium befindet, wird sie mit kühlen Umschlägen, auch Lehmanstrich behandelt. Alte Hasenhacken sind als Schönheitsfehler anzusehen. Man verschone daher das Pferd mit einer Behandlung desselben. Spat gehört ebenfalls zu den Beinleiden. Näheres über Wesen und seine Heilung wurde bereits gesagt. Notwendig ist jedoch der Entstehung des Übels nach Kräften vorzubeugen. In dieser Beziehung haben sich die Pferdebesitzer leider noch grosse und zahlreiche Unterlassungssünden vorzuwerfen. Bevor nicht allgemein auf die Verschiedenheit der Leistungsfähigkeit verschiedener Pferde Rücksicht genommen und dafür gesorgt wird, dass immer eine gewisse Übereinstimmung zwischen der individuellen Leistungsfähigkeit und dem auferlegten Masse herrscht, wird der Spat stets zahlreiche Opfer unter den besten Pferden fordern. Die Schale ist in den meisten Fällen eine mit langen Zehen verknüpfte chronische Entzündung des Krongelenkes, die zur Bildung von Knochenauflagerungen in der Umgebung des Gelenkes führt. Haben diese Auflagerungen eine mehr ringförmige Gestalt, so bezeichnet man sie mit dem Namen Ringbein. Die Vorderbeine werden häufiger von diesem Übel ergriffen als die Hinterbeine, jedoch kommt dasselbe mitunter auch auf allen vier Beinen vor. Die Ursachen sind, besonders bei gemeinen und lymphatischen Pferden, erbliche Anlagen, abnorme Stellungen, so mechanische Einwirkungen, die eine entzündliche Reizung am Kronengelenke und den zu demselben gehörenden Bändern hervorrufen. Zu Anfang, d.h. so lange Wärme vorhanden ist, wird das Bein in einen mit Wasser gefüllten Gummistiefel gestellt. Nach 3-4 Stunden hat sich dann das Wasser erwärmt und muss wieder ersetzt werden. Unterdessen wird das Pferd hoch gebunden, damit es sich nicht legen kann. Abends nach dem Abfüttern nimmt man den Stiefel weg und das kranke Bein wird mit wollüberdeckten feuchten Umschlägen versehen. Ist das Übel frisch, liefert diese Behandlung schnelle und sichere Heilresultate. Eine Hauptsache bei der Behandlung ist jedoch andauernde Ruhe (nicht unter 3-5 Wochen), worauf das Tier ganz allmählich wieder in Gebrauch genommen werden darf. Alte Schale lohnt keine Behandlung. Entzündungen des Fesselgelenkes kennzeichnet sich durch plötzliches Lahmgehen, verbunden mit unvollkommenem Durchtreten und Ueberköten. Weitere Symptome sind Wärme und Schmerz. Als die gewöhnlichen Ursachen können Verstauchungen und Verrenkungen bezeichnet werden. Die Behandlung hat anfangs in kühlenden Umschlägen zu bestehen. Wie Vogel sehr richtig hervorhebt, sind Verstauchungen von jeher und lange Zeit fast die einzige Indikation für Massage gewesen und werden selbst sehr schwere Verstauchungen jetzt häufig in wenigen Tagen zur Heilung gebracht und zwar so vollständig, dass keinerlei üble Folgen zurückbleiben. Vogel empfiehlt folgende Massagebehandlung. Man beginnt mit einer Einleitungsmassage, indem täglich zweimal den Schmerzen entsprechende Streichungen oberhalb des Gelenkes vorgenommen und dann Priessnitzumschläge, jedoch nur über Nacht, gemacht werden. Erst mit dem Nachlassen der Schmerzen und der Spannung lassen sich die Streichungen mit den Fingerspitzen oder der hohlen Hand mit mehr Nachdruck auszuführen, dehnen sich allmählich auf 15-20 Minuten aus und werden nach 5-6 Stunden wiederholt. Dabei darf keine Stelle der Geschwulst unberücksichtigt bleiben und sind insbesondere einzelne Vertiefungen an den Streck- oder Beugesehnen zu beachten. Schon am zweiten oder dritten Tage, je nach dem Nachlassen der akuten Entzündung, verbindet man bei aufgehobenem Fusse mit den Streichungen positive Bewegungen mit dem Gelenke, die grosse Vorsicht erheischen und nur 1-2 Minuten andauern dürfen. Dicke Fesselköpfe an den Hinterbeinen erscheinen zuweilen bei jungen Reit- und Wagenpferden, infolge Überanstrengung bei der Dressur durch Setzen auf die Hinterhand, Hakenbiegen und Rückwärtsrichten, sowie übertriebene Sprungübungen. Zunächst fühlt sich die Fessel nach einigen Stunden der Ruhe wenig vermehrt warm an, schwillt aber stark, trotzdem das Pferd kaum lahmt, meist nur etwas gespannt tritt; je länger das Pferd Ruhe hat, um so beträchtlicher wird die Schwellung, die im Gange wieder verschwindet. Trifft man keine Vorbeugemassregeln, so wird der Zustand chronisch und die Schwellung tritt auf einem oder beiden hinteren Fesselköpfen stets im Zustande der Ruhe wieder auf. Hiergegen pflegen von bester Wirksamkeit lauwarme Bandagen zu sein, die man nach 2 Stunden wieder abnimmt, sodann kräftig massiert und mit Kampferspiritus einreibt. Anlegen der feuchten Bandagen muss unmittelbar nach dem Dienst geschehen. Ist der Zustand erst chronisch geworden, dann lässt sich schwer mehr etwas dagegen tun und er bildet zwar einen ziemlich widerwärtigen Schönheitsfehler, setzt aber den Gebrauchswert des Pferdes nicht herab Schulterlahmheit (Brustlahmheit, Buglähme) ist stets ein unangenehmer und schwieriger Fall. Diese Lahmheit kommt Gott Lob selten vor und ist meist die Folge von schweren Stürzen, Ausgleiten oder Festwälzen im Stall, kann auch durch plötzliches schreckhaftes Aufspringen aus dem Liegen und anderweitige Sprünge verursacht werden. Die Schulterlahmheit kann in verschiedenen Teilen der Schulter ihren Sitz haben, entweder in den Bändern, Sehnen und Muskeln der Schulter oder im Schultergelenk selbst (Auskugelung). Die Schulterlahmheit festzustellen, ist nicht immer leicht und zieht man tunlichst sobald das möglich einen Tierarzt zu Rate. Erst wenn genau der Huf, Gelenke und Sehnen des übrigen Beines untersucht und dort Krankhaftes nicht gefunden werden kann, ist auf den Sitz der Lahmheit in der Schulter zu schliessen. Im Zustande der Ruhe pflegt das Pferd das kranke Bein vor- oder seitwärts zu setzen, im Schritt wird das Bein nur wenig angehoben, nachgeschleift oder sozusagen geschlenkert, Übertreten über erhöhte Gegenstände, Schwellen und dergleichen wird entweder verweigert oder doch Hüpfen mit dem gesunden Bein ausgeführt, beim Rückwärtstreten wird das kranke Bein über den Boden geschleift. Zuweilen erscheint auch die Schulterpartie geschwollen, erhitzt und druckempfindlich. Hüftlahmheit an den Hinterbeinen hat dieselben Ursachen und Anzeichen. Die Heilung beider Lahmheiten ist meist sehr langwierig und schwierig, da Verbände und Umschläge an diesen Stellen kaum anzubringen sind. Vollständige Ruhe und weicher Streu in geräumiger Boxe ist erstes Erfordernis; auch zum Putzen darf das Pferd nicht aus seiner Boxe entfernt werden. Sobald sich einigermassen Besserung zu zeigen scheint, ist es das ratsamste, das Pferd auf die Weide zu bringen und es dort 8-12 Wochen zu belassen. In minder schweren Fällen helfen Einreibungen mit Kampferspiritus bzw. mit vom Tierarzte verordneten scharfen Salben, deren Anwendung aber immerhin skeptisch zu beurteilen ist, da sie fast stets haarlose Stellen zurücklassen und solche Pferde dann schwer abzusetzen sind. Bei älteren Pferden ist auch die Möglichkeit vorhanden, dass plötzlich auftretende Schulter- oder Hüftlahmheit durch Rheumatismus hervorgerufen wird. Warmes Baden des Fusses unterstützt die Massage. Gallen sind runde, weiche und in der Regel schmerzhafte Geschwülste an den Gelenken oder Sehnenscheiden. Sie entstehen infolge vorherrschender Anlagen, übermässigen Anstrengungen, die Gelenke oder Sehnenscheiden treffenden schädlichen Einwirkungen. Diese Ursachen rufen eine krankhafte Anhäufung von Gelenksschmiere hervor, die zu Erweiterung der Gelenkkapsel führt. Gallen sind in den meisten Fällen nur Schönheitsfehler. Beeinträchtigend für die Gebrauchsfähigkeit werden sie nur dann, wenn sie von Entzündungssymptomen begleitet sind. Dies ist jedoch zum Glück ein sehr seltener Fall. Mir ist wenigstens während meiner langen Praxis noch nie ein Pferd vorgekommen, dass durch Gallen zum Invaliden gemacht worden wäre. Dagegen habe ich unzählige äusserst leistungsfähige Pferde geritten und gefahren, die mit Riesengallen behaftet gewesen. Frisch entstandene Gallen habe ich mit Erfolg auf folgende Weise behandelt: Ich nahm eine Leinwandbinde, die ich vorher in lauwarmes Wasser getaucht und kräftig ausgerungen hatte und wickelte dieselbe um das Sprunggelenk. Über diese Leinwandbinde wickelte ich sodann noch eine Flanellbinde, wobei ich mein Hauptaugenmerk darauf richtete, mittelst des Verbandes einen gleichmässigen, aber nicht übertriebenen Druck auf die Gallen hervorzurufen. Anregungen zu dieser Behandlung gab mir das im Jahre 1881 erschienene englische Werk: „Veterinaty Notes for Horse Owners" by Horace Hayes. Drei Jahre später erschien die bekannte, verdienstvolle Arbeit des Herrn Oberst Spohr „Die Bein- und Hufleiden der Pferde", mit deren Anleitung es mir leicht wurde, die englische Methode bedeutend zu verbessern. So liess sich nun das Bein nach der 4-bis 5mal täglich erfolgenden Abnahme des Verbandes jedes Mal mit lauwarmem Wasser abwaschen und darauf erst mit Stroh, dann aber auch mit der Hand kräftig reiben, bis Wärme eintrat. Während der Nacht blieb der Verband ruhig liegen; damit derselbe aber nicht zu lange trocken bliebe, wurde die nasse Leinwand für die Nacht weniger ausgedrückt. Es empfiehlt sich auch derartige Verbände so anzulegen, dass man zwischen Leinen- und Wollbinde Guttapercha oder Ölpapier legt. Näheres über diese, auch bei Piephacken und Sehnenscheidenentzündungen mit bestem Erfolg angewendete Behandlungsmethode, findet der Leser in dem oben angeführten Werke des Herrn Oberst a.D. Spohr. Wie genannter Verfasser hervorhebt, ist der Zweck des hier geschilderten Verbandes, durch Vermittlung und Anregung des Organismus feuchte Wärme zu erzeugen. Die anliegende, zuerst kühle und nasse Leinwand drängt zunächst das Blut aus den äussersten Spitzen der in der Haut liegenden Kapillargefässe zurück, worauf dieses später aus den grossen Blutgefässen mit vermehrtem Andrange in dieselben zurückströmt. Diese Blutbewegung wird noch vermehrt durch die erhöhte Innervation, welche durch die dem Kontakte des kalten Wassers mit der Haut und ihrem weit verzweigten Nervensystem entspringenden elektrischen Strömungen bewirkt wird. Endlich aber dringt das Wasser in die durch die bald entstehende erhöhte Wärme weiter geöffneten Poren der Haut selbst ein und wirkt zur Lösung und Zersetzung von Ausscheidungsstoffen in Dunstform mit.
So wird ein Lösungs- und Ausscheidungsprozess eingeleitet, der vom Momente der wieder eingetretenen erhöhten Hautwärme bis zum vollständigen Trocknen der Leinwandbandage anhält. Dieser Dünstungsprozess, so kann man ihn füglich nennen, erhöht den Stoffwechsel, auf dem alle wirkliche Heilung beruht. Nachdem die Leinwand des Verbandes nahezu oder ganz trocken geworden, muss der Verband erneuert werden. Es ist jedoch dann eine Erfrischung der Haut durch Waschung mittelmässig kaltem Wasser zweckmässig, wodurch in Verbindung mit nachfolgender starker Frottierung, zuerst mittelst trockenen Strohs, dann mittelst der blossen Hand, die Spannkraft der Haut erhöht und sie für den neuen Verband durch Anregung ihrer Tätigkeit besser vorbereitet wird. An alten Gallen herum zu kurieren ist indessen ein ebenso hoffnungsloses als überflüssiges Unternehmen. Durch Ruhe und ein Reibung mit Blister können die Gallen allerdings für einige Zeit vertrieben oder wenigstens in ihrem Umfang reduziert werden. Sobald aber das Pferd wieder in Arbeit genommen wird, pflegen dieselben sich wieder einzustellen. Piephacke ist eine am äusseren und hinteren Rand des Sprunggelenkes - dem so genannten Sprungbeinhöcker - hervortretende Geschwulst, die ursprünglich in einem Lympherguss in dem Schleimbeutel oder in eine entzündliche Anschwellungen des Zellgewebes bestehend, bei unrichtiger Behandlung in eine chronische Verhärtung übergeht. Die Piephacke entsteht infolge von namentlich bei Bahn- und Schifftransporten leicht vorkommenden Quetschungen der Spitze des Sprunggelenkes, fehlerhafte Reiterdressur mit forciertem auf die Hinterhand Setzen und Zurücktreten, Überanstrengung beim Ziehen schwerer Lasten und unregelmässiger (säbelbeiniger oder steiler) Stellung der Hintergliedmassen. Die gewöhnliche Behandlung besteht in der Anwendung von kühlenden Mitteln, zum Beispiel Lehmanstrich und darauf folgender Einreibung von Blister. Wer die heilkräftige Wirkung der feuchten Wärme erprobt hat, wird sich jedoch sicher auch bei der Piephacke nur dieses Mittels bedienen.
Bei der Behandlung von Piephacke hat mir auch Dr. Moores Sprunggelenks-Kompresse (Fig. 933) sehr gute Dienste geleistet. Ich kann daher diesen Verband umso wärmer anempfehlen, als bekanntlich die Anbringung und sichere Befestigung von Kompressen am Sprunggelenk bisher mit grossen Schwierigkeiten verknüpft war. Beste Dienste leisten in dieser Beziehung auch Hauptners Sprunggelenksstrümpfe (Fig. 931 und 932). Der Hahnentritt ist eine Erkrankung eines oder beider Hinterbeine, bei der das Pferd den oder die Hinterschenkel ungewöhnlich hoch anhebt mit einer zuckenden Bewegung, die höchst widerwärtig aussieht; der Schenkel wird dabei mit ungewöhnlicher Kraft auch wieder nieder gesetzt. Zu bemerken ist der Hahnentritt meist nur im Schritt, selten im Trabe, kaum jemals im starken Trabe. Die Wissenschaft ist der Ursache dieser das Pferd vom Schönheitsstandpunkte stark entwertenden Erkrankung noch nicht auf die Spur gekommen, da die Untersuchung solcher Schenkel bei getöteten Pferden ganz verschiedene Veränderungen ergeben hat. Irgendwelche Mittel, wie Umschläge, Wasserbehandlung, Einreibungen usw. ergeben in keinem Falle Besserung; auf operativem Wege, über den der Tierarzt entscheidet, ist Heilung möglich, auch hie und da gelungen, der Ausgang aber stets recht zweifelhaft. Für seinen Dienst wird das mit Hahnentritt behaftete Pferd nicht entwertet und kann ihn in allen Gangarten tun, abgesehen davon, dass das übermässige Hochheben und ruckartige Niedersetzen eines oder beider Schenkel kein sehr befriedigendes Gefühl beim Reiter erweckt. Stollbeulen sind Geschwülste, die ihren Sitz auf dem Vorderellbogenhöcker haben und durch Druck beim Liegen verursacht werden. Charakteristisch für die Stollbeule ist, dass dieselbe plötzlich entsteht und anfangs von Wärme und Schmerz begleitet ist. Erfolgt keine Zerteilung, so nimmt die Geschwulst eine herbe oder schwammige Form an. Die Behandlung ist ganz dieselbe wie bei der Piephacke. Von tierärztlicher Seite wird gegen Stollbeulen und Piephacken die tägliche Anwendung folgender Mischung empfohlen: Teer und Kaliseife, je 4,5, Tannin 1 Teil. Selbstverständlich muss gleichzeitig weiteren Quetschungen vorgebeugt werden. Als Schutzmittel gegen Eisendruck empfiehlt sich das Anlegen eines starken hohlen Gummiringes, der über das Ellbogengelenk geschoben, den Höcker desselben gegen die Berührung des Eisens schützt; ausserdem ist für bequemen Stand und reichliche Einstreu zu sorgen. Kleinere, nicht zu flache Stollbeulen lassen sich auch mit starkem Bindfaden abbinden, der vorher mit Jod getränkt wurde. Warzen sind an allen Teilen des Körpers vorkommende, mit einem mehr oder weniger verdickten Oberhautüberzuge versehene krankhafte Wucherungen der Hautpapillen. Bisweilen vergehen die Warzen von selbst, weit öfter aber weichen dieselben nur einer zweckmässigen Behandlung. Bei reichlich gehaltenen Pferden kommen Warzen selten vor. Sind die Warzen nicht zu platt, so empfiehlt sich das Abbinden. Diese Operation ist am leichtesten auszuführen, wenn die Warze die Form eines Pilzes hat. Man legt dann eine Schlinge von Bindfaden, der vorher mit Jodtinktur getränkt wird, um den Stiel und zieht sie so fest als möglich zu. Hierdurch wird die Ernährung der Warze unterbrochen, sie wird kalt, welk und fällt zuletzt ab, wenn man nicht vorzieht, sie früher abzuschneiden. Warzen, die so flach sind, dass sie sich nicht abbinden lassen, müssen mit dem Messer ausgeschält werden, was selbstverständlich nur von einem Tierarzte ausgeführt werden darf.
Sehnenentzündung zeigt sich, wenn akut, durch Anschwellung und Wärme. Das Pferd geht lahm, schont den leidenden Fuss in der Ruhe und gibt Schmerzen zu erkennen, wenn man mit den Fingern längs der betreffenden Sehne streicht. Die gewöhnlichen Ursachen dieses bedenklichen Leiden sind: Überanstrengung, Zerrungen der Sehne durch Fehltritte, Ausgleiten usw. Bei der Behandlung akuter Entzündungen der Sehnen und ihrer Scheiden ist vor allem für absolute Ruhe zu sorgen. Gleichzeitig wird feuchte Wärme auf die weiter vorn geschilderte Weise nebst Massage in streichender Form in Anwendung gebracht. Letzteres lässt sich anfangs am leichtesten bei aufgehobenem Fusse mittelst der unteren Fläche der Finger gegen die Haare ausführen. Nach einigen Tagen kann sie jedoch auch am stehenden Fusse vorgenommen werden. Eine zwei- bis dreimal täglich in der Dauer von 10-20 Minuten durchgeführte Massage genügt in den meisten Fällen. Man halte sich jedoch vor Augen, dass dieselbe jedes Mal solange fortgesetzt werden muss, bis der Schmerz zum Weichen gebracht worden ist. Dass ein Pferd, das an akuter Sehnenentzündung gelitten, nur mit äusserster Vorsicht weiter in Dienst genommen werden darf, versteht sich von selbst. In schweren Fällen hat folgende Behandlung bewährt: Das betreffende Bein wird zuerst in einen Eimer mit warmem Wasser gestellt und in demselben einige Minuten lang sanft auf und ab massiert. Damit vorsichtig so viel heisses Wasser zugegossen, als das Pferd zu ertragen im Stande ist. Man kann in dieser Weise das Bad auf 40 - 41 °C steigern und badet das Bein etwa 10 Minuten unter fortwährender Massage darin. Dann wird das Bein eine halbe Minute in Wasser von 27 °C gestellt und kräftig massiert, hierauf herausgenommen, trocken oder fast trocken massiert, resp. mit Stroh gerieben - doch wohlgemerkt, ohne die Haut hierbei zu verletzen - und schliesslich mit feuchten, in Wasser von 27 °C getauchten Binden und drei- bis vierfacher dicker Wollbinde in der bekannten Weise gewickelt. Alle kühleren Temperaturen, Duschen usw. müssen so lange unterbleiben, bis die Geschwulst völlig vergangen ist, sich Ausschlag oder Eiter eingestellt hat oder auch bei äusserlich normaler Form nur noch Schwäche vorhanden ist. Dann gehe man mit Bandagen und Bädern auf lauwarmes Wasser zurück. Die chronische Form der Sehnenentzündung, die sich durch Verdickung, Anschwellung und Knoten in der Sehnenscheide gekennzeichnet, wird ebenfalls mit feuchter Wärme und Massage behandelt, nur muss das Wasser, das zum Anfeuchten der Leinwandbinden und dem Abwaschen des Beines verwendet wird, kälter als bei der Behandlung akuter Sehnenentzündungen sein (15° bis 18°. Der Verband wird nur dreimal in 24 Stunden erneuert, nämlich morgens und nachmittags nach dem Putzen und abends ungefähr 1 Stunde nach dem Abfüttern. Die Abwaschungen des Beines können nach und nach bis zu 10 Minuten ausgedehnt werden. Die nach jeder Abwaschung folgende Massage ist so lange fortzusetzen, bis wiederum Wärme in der Gliedmasse wahrzunehmen ist. Noch kräftiger als das blosse Abwaschen wirkt eine mit einer Gartenspritze gegebene Dusche. Während der Kur gebe man dem Patienten keinen Hafer, sondern sorge für eine kühlende Diät. Festzustellen, welche Sehne angegriffen ist - der Fesselbeinbeuger, die Kronbein- oder die Hufbeinbeugesehne -, kann für den Laien eine ziemlich schwierige Aufgabe sein. Die sichersten Aufschlüsse über den Sitz des Übels gibt uns die Art und Weise, wie das Pferd auftritt. Sind z.B. die Kronbein- oder Hufbeinbeugesehnen angegriffen, so biegt und hebt das Pferd dem betreffenden Fuss nur mit grosser Mühe, weshalb es auch in diesem Fall die Zehe auf den Boden schleppen und im Zustand der Ruhe das Vorderfusswurzelgelenk ein wenig vorbeugen wird, um die leidende Sehne zu schonen. Sitzt das Übel dagegen in dem Unterstützungsband der Hufbeinbeugesehne oder dem Fesselbeinbeuger, so wird das Bein ohne Schwierigkeiten gehoben und Schmerz nur beim Niedersetzen des Fusses geäussert. Weitere charakteristische Symptome sind, dass eine Entzündung der Kronbeinbeugesehne eine Anschwellung an der hinteren Fläche der Vorderröhre hervorruft, wohingegen die Anschwellung mehr seitwärts bemerkbar ist, wenn die Hufbeinbeugesehne angegriffen. Hat das Unterstützungsband einen Knacks bekommen, so entsteht nur selten eine sichtbare Anschwellung, dagegen pflegt die Schmerzempfindungen dann desto grösser zu sein, was deutlich zu bemerken ist, wenn man das Bein stark biegt und einen Druck auf das Band ausübt. Auch der Fesselbeinbeuger lässt sich am besten auf diese Weise untersuchen, dass man das Bein aufhebt und mit dem Finger die näher an der Vorderröhre gelegenen, sich in zwei Äste verzweigenden Teile der Sehne befühlt. Dieser Punkt ist in den meisten Fällen der Sitz der Entzündung. Einschuss ist eine Entzündung der Venen und der Lymphgefässe und kann bei Unachtsamkeit und Vernachlässigung leicht zur Unbrauchbarkeit des Pferdes für den Luxusdienste führen. Das Übel kommt fast ausschliesslich an einem oder beiden Hinterbeinen vor, ist aber nicht zu verwechseln mit dem Anlaufen des Fesselkopfes. Gewöhnlich schwillt das ganze Hinterbein von der Fessel bis weit hinaus über das Sprunggelenk stark an und zeigt mehr oder weniger Wärme; die Haut ist straff gespannt. Drückt man mit dem Finger auf die geschwollenen Teile, so hinterlässt der Fingereindruck eine Vertiefung, die sich nur allmählich wieder ausgleicht. Das Pferd hat viel Schmerzen und der Gang ist steif und unbeholfen. Bei Bewegung nimmt die Schwellung ab, in der Ruhe tritt sie dann umso stärker hervor. Ursache kann schon eine ganz geringe, kaum sichtbare Wunde am Bein sein, in der sich die Krankheitserreger einnisten. Häufig ist der Einschuss auch Folge der Mauke. Auch starke Abnutzung unbeschlagener Hinterhufe oder widernatürliche Stellung des Hufes infolge unzweckmässiger Herrichtung können als Ursachen gelten. Zur Heilung dienen feucht warme Umwickelungen, dann pflegen die Schwellungen meist in ein paar Tagen vorüber zugehen. Scharfe Einreibungen zu machen, ist ein zweischneidiges Schwert, denn dann schwillt das Bein gewöhnlich zu riesiger Dicke an. Besser sind in hartnäckigen Fällen vom Tierarzt zu machende Einspritzungen. Nach erfolgter Heilung ist grösste Vorsicht am Platze, vor allem peinliche Sauberkeit bei der Pflege der Beine, denn der Einschuss kehrt leicht wieder. Sattel- und Geschirrdruck entsteht dadurch, dass sich die Poren der Oberhaut infolge anhaltenden Druckes des Sattels, des Kummets oder anderer Geschirrteile verschliessen und somit eine Unterdrückung der Hautausdünstungen bewirken. Dies führt dabei naturgemäss zu einer Überfüllung der Kapillargefässe mit Kohlensäure und nachfolgender Entzündung, welche letztere sich durch Anschwellung und Hitze in dem betreffenden Körperteil kundgibt. Unter der Einwirkung stärkeren und anhaltenden Druckes können sogar Druckwunden entstehen. Satteldruck wird sehr häufig dadurch hervorgerufen, dass der Sattel zu kurz für den Reiter ist. Wenn dies der Fall, wird nämlich das Reitergewicht auf den hintersten Teil der Sitzfläche und des Sattels geworfen und hierdurch die Haut des Pferdes unmittelbar hinter dem Sattel einem empfindlichen Druck ausgesetzt, der sich besonders in schnellen Gangarten und wenn das Tier einen Satz macht, auf das Unangenehmste fühlbar machen muss. Dieselbe Wirkung tritt ein, wenn der Reiter anstatt mitten im Sattel, zu weit rückwärts sitzt, mit ungleich langen Bügeln reitet, schlafend im Sattel hängt usw. Dass auch schlechte oder schadhafte Polsterung des Sattels Satteldruck hervorrufen kann, ist selbstverständlich. Falls das Pferd gleich nach der Heimkehr sorgfältig in der Sattellage frottiert werden kann, ist es mit gar keiner Gefahr verbunden, sofort abzusatteln und wenn das Tier auch noch so erhitzt sein sollte. Lässt sich dagegen eine solche Abreibung aus irgendeinem Grunde nicht bewerkstelligen, so gebietet die Vorsicht, den Sattel mit nachgelassenen Gurten eine halbe Stunde liegen zu lassen. Was die Behandlung der Satteldrücke betrifft, kann ich, auf langjährige persönliche Erfahrung gestützt, nicht eindringlich genug empfehlen, der feuchten Wärme den Vorzug vor der Anwendung kühlender Umschläge zu geben. Durch kalte Umschläge wird die Hautausdünstung gehindert, das Blut aus den Kapillargefässen zurückzutreiben und so das Bestreben der Natur, den Schaden durch gesteigerten Stoffwechsel zu heilen, direkt bekämpft. Die naturgemäss entstandene Hitze darf daher nicht unterdrückt werden, sondern ist dieselbe nur innerhalb ihrer normalen Grenzen zu halten. Dadurch erklärt sich auch der geradezu überraschende Erfolg nachstehender, soweit mir bekannt, zuerst von Herrn Oberst Spohr befürworteten Heilmethode: Man nimmt zunächst eine in verschlagenes, am besten sonnenwarmes Wasser (20-22 °C) getauchte und etwa vierfach zusammengefaltete Kompresse von solcher Grösse, dass die zu behandelnde Stelle noch handbreit nach jeder Richtung überragt wird. Nachdem diese Kompresse derart ausgerungen worden, dass sie sich noch pappig anfühlt, wird sie auf den Druckschaden gelegt und mit einer, mittelst einer Gurte zu befestigenden, alten wollenen Sattelunterlage überdeckt. Ein zu festes Anziehen dieser Gurte muss, als den Stoffwechsel behindernd, ausdrücklich untersagt werden. Die so aufgebundene, je nach der Jahreszeit und Aussentemperatur mehr oder weniger dicht überdeckte Kompresse bleibt fast bis zum Trockenwerden, also 2-3 Stunden, liegen und wird dann wieder erneuert. Nach zwei- bis dreimaligem Erneuern der Kompresse, die eventuell für die Nacht - etwa abends um 9 oder 10 Uhr - zum letztenmal erneuert, aber dann etwas nasser gehalten, spätestens bis zum anderen Morgen liegen bleibt, führt diese Behandlung in 8 Fällen unter 10 zur völligen Beseitigung der Schwellung, mag diese von Sattel, von Kummet oder von Sattel- resp. Deckengurt herrühren. Die Behandlung offener, eiternder Druckwunden besteht ebenfalls in Anwendung feuchter Wärme; jedoch wird in solchen Fällen etwas wärmeres Wasser zu den Kompressen genommen, deren Erneuerung sich nach der Ergiebigkeit und sonstigen Beschaffenheit der Eiterbildung richten muss. Der Eiter soll reichlich aber weisslich, etwa wie wässrige, geronnene Milch aussehen. Ist er konsistenter, gelblich, oder zeigen sich auf der Wundfläche gar Wucherungen, so haben die Umschläge zu lange gelegen und müssen schneller erneuert werden. Hat sich schon wirklich wildes Fleisch gebildet, so ist es zweckmässig, die Kompressen kühler (15 °C) zu nehmen, rascher zu wechseln und die Wundfläche, namentlich die wuchernden Stellen, flüchtig mit brunnenfrischem Wasser und der Klistier- oder Staubwundspritze abzuspritzen. Je mehr die Wucherungen sich schon ausgebildet, umso kräftiger muss gespritzt und diese Manipulation häufiger wiederholt werden. Bei starken Wucherungen (wildes Fleisch) muss der Höllensteinstift in Anwendung kommen. Mit dieser Behandlung wird fortgefahren, bis die Wunde sich zu schliessen beginnt, worauf etwas kühleres Wasser zu den Kompressen genommen wird und diese feuchter zu halten sind. Hierbei gilt die Regel, dass die Kompressen umso stärker ausgerungen werden sollen, je weniger Hitze in dem zu behandelnden Körperteile vorhanden ist. Muss das an Sattel- oder Geschirrdruck leidende Pferd durchaus zur Arbeit verwendet werden, so ist die Wunde, so weit möglich, vor Druck zu schützen. Zu diesem Zwecke werden die beiden Seiten des Druckschadens ein oder zwei Stückchen dicken Filzes an die Polsterung des Sattels oder des Kummets angenäht, so dass nicht nur die Wunde, sondern auch ihre nächste Umgebung vollkommen freiliegt. Über die Wunde selbst legt man schliesslich noch eine mit frischem ungesalzenem Schmalz oder süssem Rahm bestrichenen Lappen. Gegen Gurtendruck schützt ein Stückchen Schafpelz, dass mit der Wollseite gegen den wunden Fleck gelegt wird. Lässt sich das vom Kummet gedrückte Wagenpferd mit Sielengeschirr fahren, so wird dies natürlich die Heilung sehr beschleunigen. Wenngleich ich auch Gegner aller chemischen Präparate in der Pferdebehandlung im allgemeinen bin, so möchte ich doch auf ein Präparat hinweisen, dass eine gewisse Beachtung verdient, jedenfalls aber noch keinen Schaden angerichtet hat. Dasselbe ist die so genannte „Ausschwitz-Essenz", hergestellt von der Fabrik Chemischer Präparate Ernst Köhler, Dresden-Altstadt 16, Tatzberg 11. Dasselbe ist tierärztlich geprüft und erprobt und soll von gleich guter Wirkung sein bei allen Druckstellen, Sehnenentzündungen, Verstauchungen (Ueberköten), frischen und alten Gallen, Stollbeulen, Piephacke, Hasenhacke, Schale, Spat, Mauke, Raspe, ja sogar bei Anschwellungen im Kehlgange infolge Druse und bei Hornkluft und Hornspalte. Ausserordentlich beachtenswert aber scheint mir die in neuester Zeit mit Radium gemachte Erfahrung hinsichtlich gewisser Heilungsmassnahmen zu sein. Die Behandlung mit Radium ist vollkommen unter die Anwendung naturheilkräftiger Mittel zu zählen und hat meines Erachtens eine gewaltige Zukunft. Versuche, die in neuester Zeit auch bereits in Privatställen mit der Anwendung von Radium bei gewissen Leiden gemacht worden sind, haben verblüffende Resultate ergeben. Trotzdem bereits seit längeren Jahren die Anwendung von Radium in der Tierheilkunde bekannt und erfolgreich angewandt worden ist, auch von zahlreichen Veterinären empfohlen wird, ist eine Radiumbehandlung noch nicht in weitere Kreise gedrungen. Hauptfundort von Radium ist Joachimstal und das Radium wird dort in Form von radiumhaltigen Erzen ans Tageslicht gebracht. Die heilkräftige und schmerzstillende Wirkung des Radiums ist in Joachimstal bereits seit Jahrhunderten der Bevölkerung bekannt und gebraucht man es dort, indem das feingepulverte Erz in Beuteln oder Umschlägen auf die erkrankten Teile aufgelegt wird. Allerdings bedarf die Anwendung von Radium einer fachmännischen Prüfung, und Vorsicht ist in allen Fällen geboten, denn man kann als Laie auch Schaden damit anrichten, d.h. eine zu intensive oder durch zu grosse Mengen von Radium hervorgerufene Bestrahlung erkrankter Teile bewirkt schwere Zerstörungen des Zellgewebes und kann zum Tode führen. Dagegen wirkt Bestrahlung mit genau abgewogenen, sehr geringen Mengen, die fein und gleichmässig auf die erkrankten Teile zur Wirkung kommen, anregend auf die Blutzirkulation, saugt krankhafte Ausschwitzungen auf, wirkt schmerzstillend bereits in kurzer Zeit und unterbindet Entzündungen, in dem diese zum Schwinden gebracht werden. Radium zu Heilzwecken stellt die „Allgemeine Radiologen-Aktiengesellschaft", Berlin-Karlshorst, Treskow-Allee 91, her und zwar in Form von Radium-Kompressen (Marke Radiogen). Die Kompresse wird trocken auf die erkrankte Stelle aufgelegt und mit einer Binde befestigt, man lässt sie etwa 6-12 Stunden liegen; ist Heilung danach nicht erfolgt, legt man sie von neuem auf oder kann auch mit einer anderen Kompresse wechseln. Die Umhüllung der Kompresse ist abwaschbar, so dass sie stets sauber gehalten werden kann. Es schadet nichts, wenn man sie auch länger als 12 Stunden liegen lässt, gegebenenfalls bis zum vollkommenen Schwinden des Übels. Da Radium seine Strahlungsenergie erst in Jahrhunderten langsam verliert, nützt sich praktisch genommen die Kompresse auch niemals ab und wird ihr immerhin verhältnismässig hoher Anschaffungspreis dadurch bald amortisieren. Anwendung der Radiumkompresse möchte ich vor allen Dingen empfehlen bei Sehnenentzündungen, Verstauchungen (Ueberköten), Entzündungen der Bänder, des Huf- und Kronbeinbeugers, sowie bei Druck und Geschwulst, Piephacke, Hasenhacke, Stollbeule, Gallen, Spat und auch bei Anschwellungen im Kehlgange. Als Vorbeugungsmittel braucht man sie zum Bandagieren junger Pferde, denen bei der Reitdressur häufig die Fesselköpfe und Sehnen der Hinterbeine dick werden und im Zustande der Ruhe dick bleiben. Bei veralteten Leiden der genannten Arten empfiehlt es sich, eine doppelte Kompresse aufzulegen. Die Kompressen werden in zwei Grössen in den Handel gebracht und zwar Kompresse B gleich 20:18 cm, Kompresse C gleich 30:18 cm. Genannte Firma stellt ausser der Kompresse auch noch Radiogenschlamm her aus Radiumschlamm, in Form einer radiumhaltigen Schlammerde, die mit heissem Wasser zu Brei verrührt mit gutem Erfolg zu Umschlägen verwandt wird. Hautjucken wird durch in der Haut zerstreut liegende, grössere oder kleinere, härtere oder weichere bekannte Knötchen hervorgerufen, die bald nur an einzelnen Körperteilen - meistens unter der Mähne, der Schweifrübe, der inneren Fläche der Schenkel usw. - bald an der ganzen Haut vorkommen. Infolge des beständigen Juckens werden die Haare abgescheuert und die Haut bekommt ein entzündetes, wenn nicht gar wundes Aussehen. Dieses Übel scheint seine Wurzel in Ursachen zu haben, die störend auf die Funktion der Haut einwirken, wie z.B. unterdrückte Hautausdünstung, durch schmutzige Decken oder mangelhafte Putzpflege hervorgerufener Reiz, plötzlicher Übergang von knappem und kraftlosem zu reichlichem und hitzigem Futter usw. Obwohl vollkommen ungefährlich, kann das Jucken doch sehr lästig werden. Reinlichkeit, magere, kühlende, gelinde abführende Diät (z.B. Kleie, Masch, Mohrrüben und Gras, wenn solches zu haben) und bei örtlichem Hautjucken eine öftere Reinigung der juckenden Stellen mit lauwarmem Seifenwasser oder einer schwachen Karbollösung - sehr beliebte Hausmittel sind auch starkes Salzwasser oder gesalzene Buttermilch - ist alles, was erforderlich, um baldige Heilung herbeizuführen. In hartnäckigen Fällen empfiehlt sich die Anwendung vom Petroleum, nur wird man hierbei zu beobachten haben, dass die Haut unter der Einwirkung des Petroleums anfangs etwas gereizt und empfindlich gegen äusseren Druck wird, weshalb das betreffende Tier einige Tage hindurch ausser Dienst gestellt werden muss. Ausserdem sorge man für scharfe Bewegung, behufs Anregung der Hauttätigkeit. Da indessen die äusserst ansteckende Räude sich auch durch starkes Jucken kennzeichnet, empfiehlt es sich immer die Diagnose mit Hilfe des Mikroskops sicherzustellen. In allen zweifelhaften Fällen ist es ausserdem geraten, die kranken Tiere zu separieren. Die Räude, die polizeilicher Anmeldepflicht unterliegt, ist eine in hohem Grade ansteckende, mit Ausschlag verbundene Hautkrankheit, die durch die sogenannte Räudenmilbe hervorgerufen wird. Diese dem unbewaffneten Auge unsichtbaren Parasiten entwickeln sich nie von selbst, sondern die Räude ist stets die Folge von direkter oder indirekter Ansteckung; jedoch gedeihen die Räudemilben besser auf schlecht genährten, schmutzig gehaltenen Tieren, als auf solchen, deren Futter und Putzpflege allen hygienischen Anforderungen entspricht. Haubner unterscheidet folgende Räudearten beim Pferde: 1. Sarcoptes-Räude, veranlasst durch Sarcoptes equi. Erscheinungen: starkes Jucken, zerstreute Knötchen mit Ausgehen der Haare und kleinen Krusten. Ausbreitung: anfangs Kopf, Hals, Schultern, schliesslich der ganze Rumpf. 2. Dermatocoptes-Räude, veranlasst durch Dermatocoptes communis. Erscheinungen: Jucken, fleckweise gehäufte Knötchen mit Krusten und Borken. Ausbreitung: namentlich Kehlgang, Mähne, Schweifgrund, Flanke, innere Schenkelfläche, Schlauch. 3. Dermatophagus-Räude. Fussräude, veranlasst durch Dermatophagus bovis. Erscheinungen: Jucken an den Füssen, besonders des Nachts, Borken, schliesslich Hautverdickung. Ausbreitung: Fessel der Hinterfüsse meist bis zum Sprunggelenke, selten höher hinauf und an den Vorderfüssen. Fast nur im Winter; heilt im Sommer (wenigstens scheinbar) ab. Jede Behandlung der Räude muss selbstverständlich zum Ziel haben, die Milben und ihre Brut zu töten, denn - ohne Milben keine Räude. Die Tierheilkunde bewirkt dies durch verschiedene äussere Mittel, wie Karbolsäure, Petroleum, Teer, Tabak, Schwefel, Pottasche, Kalk und Vergasung. Von diesen dürften wohl der Teer und das Petroleum die unschädlichsten sein, wohingegen alle übrigen mehr oder weniger bedenkliche Folgen für die Gesundheit des Tieres nach sich ziehen können. Zur Anwendung empfiehlt sich auch die von Dr. Wagenfeld befürwortete Salbe, die, aus 1 Teil grüner Seife und 2 Teilen Teer durcheinander geschmolzen bestehend, mässig warm aber noch dünnflüssig auf die betreffenden Stellen aufgetragen werden soll. Wagenfeld äussert mit Bezug auf die Salbe in seiner „Gründlichen Anweisung, die Krankheiten des Pferdes zu heilen" folgendes: „Der Teer fällt nach einiger Zeit samt der Oberhaut ab und zwar unterlässt man deshalb das sehr mühsame und kaum mögliche Abwaschen desselben. Die Heilung gibt sich durchaus zu erkennen, dass die Haut wieder weich und geschmeidig, glatt und ohne Schuppen erscheint, dass sie wieder eine dunkle Farbe annimmt und das zahlreiche kleine Haare wieder zum Vorschein kommen." Sogar der eifrige Vorkämpfer für die arzneilose Heilung, Oberst Spohr, bricht nicht unbedingt den Stab über die Anwendung des Teers, obwohl er selbstverständlich auch bei der Räude der Wasserkur den Vorzug gibt. Er meint, es wäre die einfachste und sicherste Kur folgende: Die betreffenden Stellen werden mit einem in frischem Brunnenwasser getauchten grobleinenen Lappen kräftig gerieben, bis derselbe sehr stark erwärmt hat, was nach 2- 3 Minuten der Fall zu sein pflegt; alsdann bedecke man die Hautteile mit einem anderen, ebenfalls in brunnenfrisches (9-10 °C) Wasser getauchten Lappen, der ziemlich stark ausgerungen und mit Wolle (an den Beinen bei der so genannten Fessel- und Fussräude mit 3-4fach gewickelter Bandage, am Leibe mit einem 6fach gefalteten Woilach) dicht und dick überdeckt wird. Sobald sich infolgedessen bedeutende Wärme entwickelt, was in der Regel nach 2 1/2 - 3 Stunden eintritt, wird die Bandage usw. abgenommen und die Abreibung mit brunnenfrischem Wasser wiederholt, nachher die Stelle mit Stroh trocken gerieben, aufs Neue mit feuchten Umschlägen usw. bedeckt. Oberst Spohr behauptet, dass diese Kur absolut sicher sei und bei frischer, nicht allzu sehr eingewurzelter Räude schon in 24 Stunden Erfolg habe, wenngleich sie in schlimmeren Fällen 8-14 Tage fortgesetzt werden müsse, wobei man sich aber auf eine dreimal täglich erneuerte Wicklung bzw. Eindeckung und Abreibung beschränken könne. Nach der Ansicht des hier angeführten Verfassers vermögen die Milben die plötzlichen Temperaturunterschiede, die Ihnen bei dieser Behandlung geboten werden (9 °C des frischen Wassers bis zu 39 °C der erhöhten Bluthautwärme), nicht zu ertragen und dürfte ihnen das Dasein auch durch die mechanische Zerstörung der von ihnen gebohrten Kanäle, sowie durch die so herbeigeführte direkte Vernichtung ihrer Eier oder wenigstens die gründliche Störung in dem Entwicklungsgang der Brut verleidet werden. Originell ist diese Anwendung der Wasserkur jedenfalls. Die Verantwortung für die Behauptung, dass sie auch unfehlbar zum Ziele führe, muss ich leider Herrn Oberst Spohr überlassen, da mir, Gott sei Dank, in meiner Praxis noch nie ein räudiges Pferd vorgekommen. Käme ich aber in die Lage, die Behandlung eines solchen Patienten übernehmen zu müssen, würde ich dieselbe mit der Wasserkur einleiten und erst, falls diese misslingen sollte, zu anderen Mitteln greifen. Was speziell das Paraffinöl betrifft, wird dasselbe in England als eine Art Spezifikum gegen Räude betrachtet. Und da nun das Erdöl keine giftigen Eigenschaften besitzt - die Bewohner des russischen Petroleumdistriktes Baku nehmen bei vorkommenden Erkrankungen sogar Petroleumbäder - halte ich die englische Heilmethode wohl eines Versuches wert. Der Hergang bei derselben ist folgender: Zuerst wird das Pferd geschoren, dann werden alle von der Räude ergriffenen Körperteile gründlich und mit warmen Wasser und Seife abgewaschen, um die Schuppen, unter denen sich die Milben verborgen halten, zu entfernen. Nachdem dies geschehen, reibt man die betreffenden Stellen einmal täglich gründlich mit Paraffinöl ein und lässt das Pferd nach der jedesmaligen Einreibung womöglich in der Sonne trocknen. Diese Methode wird von Mr. Trasbot, Professor an der englischen Tierarzneischule in Alfort, als ausserordentlich wirksam empfohlen. Neuerdings wird die Räude am zweckmässigsten durch Begasung (SO2) der Pferde in so genannten Gaszellen bekämpft. Eine innere Behandlung ist, da sie zur Heilung der Räude nicht das mindeste beiträgt, vollkommen unnötig. Dagegen ist traditionelles diätetisches Verhalten eine unerlässliche Voraussetzung für den Erfolg der Kur, also: kräftiges, reichliches Futter, sorgfältige Hautpflege, reinlicher Stall und Schutz gegen Kälte und Nässe. Selbstverständlich muss gleichzeitig mit der Kur eine gründliche Desinfektion der Stallungen, Gerätschaften und des Geschirres vorgenommen werden. Kann man die Tiere nach der Kur in einem anderen Raum unterbringen, so ist dies nicht zu unterlassen. Läuse bohren sich nicht in die Milben in die Haut ein, sondern halten sich auf deren Oberfläche, wo sie starkes Jucken, Haarausfall und Schuppenbildung verursachen. Ihre Lieblingszufluchtsorte sind die Schweifrübe, der Hals und der Rücken, wo sich ihre Gegenwart durch die an die Haare angeklebten Eier zu erkennen gibt. Eine zuverlässige Methode, die Läuse und ihre Brut zu vertilgen, ist meiner Erfahrung nach, die von denselben aufgesuchten Körperteilen mit Seifenwasser zu waschen und solange die Haare noch feucht sind, mit feingesiebter Buchenasche zu bestreuen, die mittels einer Bürste nachdrücklichst eingerieben wird. Diese Behandlung wird nach einigen Tagen zur Vertilgung der mittlerweile herausgekommenen Brut wiederholt. Auch Petroleum und Leinöl zu gleichen Teilen vermögen die Läuse gänzlich zu beseitigen. Diese Flüssigkeit wird gut geschüttelt und auf einen wollenen Lappen gegossen, die betreffenden Stellen damit zirka dreimal gut abgerieben. Einen Tag nach der letzten Abreibung wird das Pferd mit Schmierseife und warmen Wasser abgewaschen. Die vielfach empfohlene Anwendung von mit Wasser verdünntem Tabakssaft gegen Läuse kann wegen der hiermit verknüpften Gefahr einer Nikotinvergiftung des Pferdes unter keinen Umständen gutgeheissen werden. Hat die Verlausung bereits stark um sich gegriffen, so ist vor der Behandlung eine Schur unerlässlich. Mauke ist eine eigentümliche rotlaufartige Ausschlagskrankheit, die am hinteren Teil der Fessel auftritt. Dieses Leiden kommt beinahe ausschliesslich an den Hinterfesseln vor, bisweilen nur an einer. Das erste Symptom von Mauke ist eine empfindliche, warme, mit Röte und starkem Jucken verbundene Anschwellung. Nach einigen Tagen zeigt sich in der Fessel klare, an Tautropfen erinnernde Ausschwitzung, die bald gelblich, klebrig und scharf wird. Die Haare in der Fessel sträuben sich borstenähnlich, das Pferd schont beim Gehen. Wird nun nicht den Fortschritten des Übels Einhalt getan, so entstehen Risse in der Haut und die ausgeschwitzte Flüssigkeit nimmt eine bösartige Beschaffenheit an, wodurch diese, querlaufende Schrunden in der Haut gebildet werden. Vernachlässigung der Behandlung während des ersten Stadiums der Krankheit kann auch zur Folge haben, dass rotbraune, feuchte und leicht blutende warzige Granulationen (Feigwarzen) an der angegriffenen Stelle entstehen. Es ist sogar nicht ausgeschlossen, dass die scharfe Ausschwitzung allmählich hinter der Hornwand des Hufes eindringt und dieselbe schliesslich vom Fleischhuf ablöst. Sehr oft, bei längerer Dauer der Mauke fast immer, hinterlässt das Übel auch eine teigige, ödematöse Anschwellung am Röhrbein und Fesselkopf, die, langsam derber und fester werdend, sich zu dem schwer heilbaren sogenannten Elefantenfuss ausbildet. Die Ursachen der Mauke sind: Durch Erkältung veranlasste Unterdrückung der Hautausdünstung, mit Kälte gepaarte Feuchtigkeit und Nässe, Unreinlichkeit, auf andauernde Untätigkeit folgende Überanstrengung, schlechte Stallluft und unter Umständen auch Ansteckung. Mit Bezugnahme auf letztgenannte Ursache sei hier erwähnt, dass zwei Professoren der Tierheilkunde, Hering und Williams, an den Fesseln von mit chronischer maukebehafteten Pferden eine Milbe entdeckt haben, der Hering den Namen Sarcoptes Hippopodus gegeben. Gemeine, lymphatische, mit vielem Behang versehene Pferde disponieren besonders zu Mauke, auch sollen Tiere mit weissen Füssen oder weissem Behang öfter von dieser Krankheit befallen werden als solche mit dunklen Fesselhaaren. Hieraus darf jedoch durchaus nicht den Schluss gezogen werden, dass edle Pferde gegen dieses Übel gefeit sind. Die leichteste Form von Mauke, die der Engländer mit dem Namen „cracked heels" (gesprungene Fersen) bezeichnet, kommt im Gegenteil ausserordentlich häufig in Renn- und Jagdställen vor. Wahrscheinlich ist dies die Folge der Reizung, der die zarte Fesselhaut ausgesetzt wird, wenn während der scharfen Galopparbeit spritzige Staub- und Steinpartikelchen gegen die Fessel angeschlagen und dort, von dem Schweisse festgehalten, haften bleiben. In Baden-Baden haben die Trainer auch vielfach die Erfahrung gemacht, dass der Tau, der bei der Morgenarbeit die Fesseln der Rennpferde stark zu benetzen pflegt, wunde Fesseln hervorruft. Wenigstens sind solche während des Baden-Badener Rennens eine öfter vorkommende Erscheinung in den dortigen Rennställen. Zum Glück sind gesprungene Fesseln leicht zu heilen. In leichteren Fällen genügt es, dieselben mit etwas Zinksalbe einzuschmieren, so oft das Pferd den Stall verlässt. Nach der Heimkehr wird diese Einreibung erneuert. Auch kann man die Fessel mehreremale täglich mit Kartoffelmehl bestreuen. Mittels dieser einfachen Kur wird man in den meisten Fällen verhüten können, dass Mauke aus den gesprungenen Fesseln entsteht. Sollte sich aber bereits Ausschwitzung eingestellt haben, so müssen energische Massregeln ergriffen werden. Der Patient ist dann in einer gut ventilierten, mit reichlicher, reiner Streu versehenen Box aufzustellen und die kranke Fessel morgens und abends mit warmem Wasser zu reinigen, worauf man sie mit folgender Mischung bestreicht: gleiche Teile fein pulverisierter tierischer Kohle und Schwefelblume mit so viel Leinöl vermischt, als erforderlich ist, um dem Ganzen die Konsistenz des Rahms zu geben. Raspe nennt man eine der Mauke ähnliche Erscheinung in der Vorderfussbeuge oder der vorderen Fläche des Sprunggelenks. Ursachen, Aussehen und Heilung sind dieselben wie bei der Mauke. Äussere Augenentzündung kann ihren Sitz in der Bindehaut, Hornhaut, Nickhaut und der Karfunkel haben. Bald ist nur einer dieser Bestandteile des Auges, bald mehrere oder nicht selten sämtliche angegriffen. Sitzt das Übel in der Bindehaut, der mit Haut und der Karfunkel, so äussern die Tiere gewöhnlich grösseren Schmerz und Lichtscheu; die Bindehaut ist sehr rot und angeschwollen und die Absonderung von Schleim und Tränen gesteigert. Ist die Hornhaut angegriffen, so wird dieselbe bald von einer meistens bläulichen Wolke überzogen, die das Sehvermögen stört oder geradezu aufhebt; die Schmerzen und die Lichtscheu sind gross und starke Tränenabsonderung tritt ein. Die Ursachen solcher Entzündungen sind Erkältungen (namentlich Zugluft), äussere Schädlichkeiten, wie eingedrungener Staub, Getreidegrannen, Insekten, Schläge, Stösse, scharfe Stoffe (z.B. Kalk, künstliche Düngemittel, scharfe Salben usw.), schlecht ventilierte Ställe, Katarrhe, Druse, Influenza usw. Die Behandlung hat zunächst mit einer genauen Untersuchung auf das etwaige Vorhandensein fremder Körper zu beginnen. Dies kann nur auf die Art bewerkstelligt werden, dass man die Augenlider mit dem Zeigefinger und dem Daumen auseinander hält und umgekehrt (Fig. 774). Sollte sich irgend ein fremder Körper zeigen, so ist derselbe sofort mit einer feinen Pinzette oder in Ermangelung einer solchen mit einem desinfizierten feuchten Schwamm, einem weissen Battistlappen, dem Bart einer Gänsefeder oder dergleichen zu entfernen. Scharfe Stoffe, die ins Auge gedrungen, werden am besten mit schleimigem Wasser weggespült. Sodann legt man eine in Wasser getauchte, mässige ausgerungene Leinwandkompresse auf und überdeckt dieselbe dicht mit mehrfach zusammengelegter Wolle. Dieser Verband lässt sich bequem an dem Stirnriemen und den Backenriemen der Halfter befestigen. Sobald sich die Kompresse stark erwärmt hat, wird dieselbe erneuert. Ist die Entzündung nicht durch Eindringen fremder Körper, sondern z.B. durch einen Schlag oder Stoss hervorgerufen, so empfiehlt sich anhaltendes Kühlen mittelst 4fach zusammengelegter, in Wasser getauchter Leinwandkompressen, die ohne alle trockene Überdeckung aufgelegt werden.
Hiermit haben wir die Liste jener äusseren Krankheiten erschöpft, deren Behandlung der Pferdebesitzer getrost auf eigene Faust unternehmen kann.
Wir gehen daher nun zu den gewöhnlichsten inneren Krankheiten über. Diarrhöe ist beim Pferde selten von Bedeutung. Sie wird hervorgerufen durch Diätfehler, zu viel, zu kaltes oder schlechtes Wasser, plötzlichen Übergang zu Grünfutter, Magen- und Darmkatarrh usw. Mit den Ursachen verschwindet meistens auch die Diarrhöe. Trockenes Futter und abgeschlagenes Wasser beseitigen leichtere Fälle von Diarrhöe. Gute Erfahrungen habe ich auch mit dem Zusatz von Rotwein zum Trinkwasser gemacht. Eine 1/2 Flasche auf 1/2 bis 3/4 Stalleimer Wasser. Ist das Übel ernsterer Art, so soll der Laie sich nicht mit der Behandlung desselben befassen, denn nur der Tierarzt ist im Stande, zu beurteilen, ob die Diarrhöe nicht möglicherweise das Symptom eines gefährlichen Leidens, z.B. von Darmentzündung ist. Wird in solchen Fällen die Diarrhöe vertrieben, so verschlimmert sich das Hauptleiden und das Pferd kann infolgedessen eingehen. Kolik ist der gemeinsame Name für eine ganze Reihe von Krankheiten der Verdauungswerkzeuge, die oft sehr plötzlich auftreten und schnell ein tödliches Ende nehmen können. Wie gewöhnlich Kolikerkrankungen unter den Pferden sind, geht schon daraus hervor, dass von 100 an inneren Krankheiten leidenden Pferden im Durchschnitt wenigstens 40 an Kolik erkrankt, und von 100 krepierten Pferden 40 der Kolik zum Opfer gefallen sind. Je nach den Ursachen der Erkrankung unterscheidet man: Überfütterung-, Wind-, Erkältungs-, Wurm- und Vergiftungskolik, und nach dem Sitze der Krankheit: Magen-, Darm-, Nieren-, Blasen- und Leberkolik. Die Symptome dieser verschiedenen Koliken auseinanderzuhalten, ist für den Laien ein Ding der Unmöglichkeit. Zum Glück hat dies wenig zu bedeuten, wenn man sich der nachstehend beschriebenen Behandlung bedient. Bei der Kolik, sowie bei nahezu allen inneren Krankheiten kommt es nämlich in erster Linie darauf an, das Blut an die Oberfläche des Körpers zu ziehen, die Hauttätigkeit zu fördern, die erregten Nerven zu beruhigen und etwa vorhandene schädliche Absonderungen zu entfernen. Da es also bei der Anwendung dieser Heilmethode vollkommen gleichgültig ist, welche Form die Kolik angenommen, brauche ich die verschiedenen Kolikarten hier nicht näher zu beschreiben, sondern beschränke mich darauf, nur die gewöhnlichsten allgemeinen Symptome anzuführen. Diese sind: Unruhe, das Pferd scharrt mit den Vorderfüssen, schlägt mit den Hinterfüssen nach dem Bauch, wedelt mit dem Schweif, legt sich nieder, macht Versuche sich zu wälzen, steht wieder auf, um sich gleich aufs neue hinzuwerfen usw. In einigen Fällen verhalten sich aber die Pferde auch ruhiger und liegen viel. Die meisten Kolikpatienten verschmähen sowohl Futter als Getränk, obwohl einige in den schmerzfreien Pausen zwischen den Anfällen noch etwas Nahrung zu sich nehmen. Schweissausbruch, Schnauben, Stöhnen und beschleunigtes Atmen sind gewöhnliche Nebenerscheinungen. Ohren und Beine fühlen sich kalt an. Der Kotabsatz ist meist verzögert oder ganz aufgehoben; ausnahmsweise beginnt die Kolik aber auch mit Diarrhöe. Manche Patienten stellen sich häufig, aber erfolglos, zum Urinieren an. Sofort nach Wahrnehmung dieser Symptome wird der Patient in einen geräumigen, warmen Stand - noch besser eine Box - auf kniehohe, weicher Streu frei gestellt und ihm alles Futter entzogen. Sollten sich noch Futterreste in der Krippe befinden, müssen dieselben also gleich entfernt werden. Abgeschlagenes Wasser darf das Tier jedoch nach Belieben saufen, weshalb es von Vorteil ist, ein gefülltes Wassergefäss neben der Krippe zu befestigen. Oberst Spohr, dessen vortreffliche, auch vom Kgl. Preussischen Kriegsministerium durch besondere Anerkennung ausgezeichnete Schrift „Die Kolik der Pferde" in der Hand eines jeden Pferdebesitzer sein sollte, empfiehlt als nie zu versäumende einleitende Behandlung ein Klistier von ½ - 3/4 Liter Wasser, dessen Temperatur blutwarm gemacht wird. Falls nicht Kotgang erfolgt, gibt man in den ersten 3 Stunden der Kolik vom halber zu halber Stunde ein Klistier, jedes von 1/2 - ¾ Liter Wasser, je nach Grösse des Pferdes. Mistet das Tier aber, so setze man sofort ein letztes kleines Klistier von 1/6 Liter brunnenfrisches Wasser zur kräftigen Anregung des Darmes. Unmittelbar nach dem ersten Klistier folgt ein gründliches trockenes Abreiben mit festen Strohwischen, wozu 2- 3 Mann erforderlich sind. Einer reibt die Beine, einer die rechte und einer die linke Seite bis unter dem Bauch, wohl gemerkt mit einem Strohwisch in jeder Hand. Sobald der Zweck dieser Abreibung, eine deutliche Zunahme der Hauttemperatur, erreicht ist, kann zur feuchten Einpackung des Rumpfes geschritten werden, die in nachstehender Weise erfolgt: Ein doppelt gefaltetes, grosses und grobes Leintuch (Bettlaken) von der Breite, dass es Bauch und Brust des Pferdes vollkommen bedeckt, und der Länge, dass es wie eine Bauchbinde um den Rumpf des Pferdes gewickelt werden kann, wird in lauwarmes Wasser (kühlere Temperatur ist in der wärmeren, wärmere in der kälteren Jahreszeit zu wählen) getaucht, kräftig ausgerungen und sodann von unten fest um den Rumpf des Patienten gewickelt. Sollte ein einziges Leintuch hierzu nicht ausreichen, wird man zwei nehmen müssen. Über das nasse Leintuch kommen sodann, ebenfalls möglichst fest und dicht gewickelt, zwei oder drei alte und trockene wollene Decken. Bei dieser Einwicklung mit Wolle ist zu beobachten, dass die Geschlechtsteile bei Hengsten und Wallachen frei gelassen werden müssen. Und nicht weniger beachtsam ist es, dass die Wicklung so bewerkstelligt wird, dass kein Luftzutritt zu dem nassen Leinen und den eingewickelten Körperteilen stattfinden kann.
Die Befestigung wollener Decken geschieht mit zwei Deckenguten und mit Hilfe einiger starker Sicherheitsnadeln. Eine äusserst praktische, sogenannte Kolikdecke bringt ebenfalls die mehrfach erwähnte Firma W. Hauptner in den Handel. Diese Decke sollte in keinem gut geleiteten Stalle fehlen (Fig. 934). Durch diese Wicklung wird binnen kurzem eine bedeutende Reaktion gegen die Oberfläche des Körpers hervorgerufen. Die in dem Leintuch enthaltene Feuchtigkeit verdunstet, der Dunst aber wird von der wollenen Bekleidung festgehalten. Hierdurch entsteht eine erhöhte Hautwärme, unter deren Einwirkung die Haut sich ausdehnt, die Poren sich öffnen und der Schweiss ausbricht, was wiederum zur Folge hat, dass der Stoffwechsel geordnet wird und Heilung zu gewärtigen ist. Ein günstiger Verlauf steht mit Sicherheit zu erwarten, wenn das nasse Leintuch allmählich, d.h. innerhalb ½ - 2 Stunden warm wird. Erwärmt sich dasselbe aber sehr schnell, z.B. in 5 - 10 Minuten, so ist zu befürchten, dass die Kolik bereits in Entzündung der inneren Organe übergegangen. Anzeichen beginnender Genesung sind: Schweissausbruch, ruhigeres Benehmen, deutlich vernehmbare Blutzirkulation und Verschwinden des starren Ausdrucks in den Augen. Während des normalen Genesungsprozesses pflegen die Pferde sich niederzulegen. Zuerst tritt eine Periode der Ruhe ein; später folgen indessen nicht selten unruhige Momente, hervorgerufen durch gesteigerte, schmerzhafte aber heilsame Tätigkeit der Gedärme. Solche unruhige Perioden, während deren die Patienten sich niederwerfen, seufzen, wieder aufstehen usw., bezeichnen also nur scheinbar eine Verschlechterung. Hat der Kolikanfall schliesslich nach Verlauf von ¼ - 6 Stunden sein Ende erreicht, so steht das Pferd auf, schüttelt sich und begibt sich zur Krippe. Nun gilt es aber, vorsichtig zu sein! Man nimmt die Decken und das Leintuch herunter, frottiert das Pferd anhaltend und nachdrücklich mit trockenen Strohwischen am Bauch, den Seiten und dem Rücken und bedeckt es dann alsogleich wieder mit trockenen wollenen Decken, die ihm nur ganz allmählich abgenommen werden dürfen. Eine Versäumnis dieser Vorsichtsmassregel kann todbringende Erkältung zur Folge haben. Der rechte Zeitpunkt zum Abnehmen der Decken und des Leintuchs ist eingetreten, wenn das Pferd sich vollkommen beruhigt hat und alle bedrohlichen Symptome verschwunden sind. Futter darf dem genesenen Tiere erst 8 - 12 Stunden nach Befreiung von der Einwicklung gereicht werden. Es enthält dann zuerst ein wenig Heu und nach Verlauf von weiteren 4 - 8 Stunden eine halbe Portion Hafer, mit welcher knappen Diät es sich 1 - 2 Tage zu begnügen haben wird. Selbstverständlich muss während dieser Zeit jede Anstrengung vermieden werden. Ruhige Bewegung im Freien ist jedoch sehr anzuempfehlen. Bemerkt man dagegen nach 1 - 1 1/2 Stunden keinen sichtlichen Abgang von Blähungen, hört man auch nicht die Bewegung der Gedärme, wenn man das Ohr auf den Bauch legt, und fühlt sich sogar die Haut unter der Eindeckung kühl an, muss man mit Heisswasserumschlägen beginnen. Man nimmt dann ein dreimal gefaltetes Bettlaken oder zwei Futtersäcke, auch diese in kochend heisses Wasser, lässt das überflüssige Wasser schnell abtriefen und schlägt es dann so in eine dreifach zusammengefaltete wollene Pferdedecke, das unterhalb der Leinwand nur eine, oberhalb zwei Lagen des Woilachs kommen. Der so präparierte Umschlag wird nun mit der einfachen Wolllage nächst dem Bauch und der Nierengegend des Tieres gelegt, so dass diese völlig von dem Umschlag bedeckt ist. Darüber kommt dann noch ein doppelt gefalteter Woilach und das Ganze wird mit zwei Deckengurten befestigt. Diese Umschläge müssen alle 15 bis20 Minuten mit einem neuen, fertig vorbereiteten Umschlag getauscht werden. Der Erfolg des Verfahrens ist ein sehr in die Augen springender. Es geht eine Menge Gase durch den Darm ab und vielleicht noch grössere Quantitäten durch die Haut. Dies wäre die Behandlung gut verlaufender Fälle. Bei eintretender Verschlimmerung des Zustandes genügt aber nur eine einmalige Einwicklung nicht. Bemerkt man, dass sich das nasse Leintuch sehr schnell erwärmt, muss also für schleunige Erneuerung der Einpackung gesorgt und höher temperiertes Wasser (25- 30 °C) hierzu genommen werden; auch ist dann eine drei-bis vierfache Umwicklung mit Wolle angezeigt. Eine Methode, die speziell auf Reisen und Märschen von grossem, praktischem Wert sein kann, ist das Pferd auf den Stallhof hinauszuführen und ihm Rücken und Bauch mit 8 - 10 Eimern kalten Wassers zu begiessen, worauf das Tier schnell in den Stall zurückgeführt und dort auf die oben beschriebene Art in 3 - 4 wollene Decken eingewickelt wird. Sobald Genesung eingetreten, werden diese Decken abgenommen und das Tier von zwei Leuten gründlich mit Stroh frottiert. Man befand sich bekanntlich sehr lange in dem Wahn, dass sich ein Pferd bei Kolik nicht legen oder wälzen dürfe, weil dies Darmverschlingungen verursachen könne. In Wirklichkeit aber ist gerade das Wälzen geeignet, die durch den Krampf entstehenden Verschlingungen wieder zu beseitigen. Dies geschieht nämlich am ehesten durch Hin- und Herbewegen der Därme. Ist bereits durch Krampf eine Verschlingung eingetreten, so wird sich die Stelle, wo diese sitzt, nach und nach entzünden und natürlich trocken werden. Dann gestaltet sich aber die Verschlingung immer unlösbarer und das Pferd muss daran zugrunde gehen. Wirft sich aber das Pferd nur heftig zu Boden, mit Gefahr, sich die Beine zu brechen und ohne sich zu wälzen, muss dieses selbstverständlich verhindert werden. Dagegen muss ich auf das entschiedenste von der Benützung von Medizinen wie Aloe, Opium, Terpentin, Rizinus, Kalomel usw. abraten. Diese so genannten Heilmittel, sowie die subkutanen und intravenösen Injektionen (Arecolin), chirurgischen Eingriffe usw. müssen dem Tierarzt überlassen werden und können gemeinhin erst in einem späteren Stadium zur Verwendung kommen, wenn die Ursache und Art des vorliegenden Falles von Kolik sich geklärt haben. Die allererste Behandlung muss immer symptomatisch sein und besonders die Klistiere jedes Verfahren einleiten. Eine richtig vorgenommene Wasserbehandlung kann auf keinen Fall Schaden anrichten, dagegen schnell und sicher heilen. Würmer. Das Pferd wird hauptsächlich von zwei Eingeweidewürmern belästigt, nämlich den Spulwurm (Strongylus armatus). Der 3 bis 4 cm lange Spulwurm, weiss und durchscheinend, kommt meist im Dünndarm vor. In grossen Mengen vorhanden bewirkt dieser Parasit, dass das von ihm heimgesuchte Pferd abmagert, das Haar rau und glanzlos wird, der Appetit bald zu- und bald abnimmt, der anfangs aufgedunsene Bauch geschürzt erscheint und der Kot mit Schleim überzogen wird. Der Palisadenwurm dagegen - ein braungefärbter Wurm von ca. 4 bis 10 cm Länge - bewohnt den Grimm- und Blinddarm und verursacht selten irgendwelche Störung im Allgemeinbefinden des Pferdes. Kommt derselbe aber in sehr grossen Mengen vor, so kann er Anlass zu Koliken geben. Würmer kommen öfter bei jungen als bei älteren Tieren vor. Das einzige sichere Erkennungszeichen ist der Abgang von Würmern. Alle übrigen auf die Gegenwart von Würmern bedeutenden Anzeichen sind trügerisch und kommen auch bei anderen Krankheitszuständen vor. Dann und wann eine Dosis Salz ist ein gutes Präservativmittel gegen Würmer. Ferner versucht man es zunächst mit Kleie, trocken zum Futter gegeben oder als Masch; Mohrrüben, Melasse und Biertreber können ebenfalls wurmvertreibend wirken. An einem sicheren und dabei nicht anderer Richtung schädlich wirkenden Wurmmittel fehlt es dagegen noch immer; in einer englischen Fachzeitschrift wurde empfohlen, dem an Würmern leidenden Pferde jeden Morgen einen Teelöffel feingehackter Burbaumblätter zu geben. Viel benutzt wird auch das Areka-Pulver, und was speziell und stets in Verbindung mit der Wurmkur gebrauchten Abführmittel (Salze, Aloe) betrifft, so schaden dieselbe dem Pferde, ohne den Würmern irgendwie wehzutun. Ein sicheres Mittel ist Brechweinstein in Dosis von 10 g für Fohlen und 15 - 18 g für grössere Pferde, verteilt auf zwei Tage. Der Brechweinstein wird in heissem Wasser aufgelöst und nachher in dem Trinkwasser gegeben. Da viele Pferde das bittere Mittel nicht trinken wollen, lässt man sie vorher dürsten, sowie eine Futterration ausfallen. Die Kur muss nach 1 oder 2 Wochen wiederholt werden. Ganz gefahrlos ist diese Brechweinsteinkur nicht. Husten ist keine selbstständige Krankheit sondern nur ein Krankheitssymptom. Indessen ziehen sich die Pferde, besonders wenn sie bei rauhem, windigem Wetter in schnellen Gangarten gefahren oder geritten werden, nicht selten einen anhaltenden, trockenen, kurzen Husten zu, der von keinen anderen Krankheitserscheinungen begleitet ist. Ebenso verhält es sich mit dem durch Stallausdünstungen verursachten sogenannten Stallhusten. Solcher Husten lässt sich schon durch einen leisen Druck am Kehlkopf hervorrufen, was bei dem Lungenhusten nicht der Fall ist. Die Behandlung ist sehr einfach. Man legt feuchte drei bis vierfach mit Wolle umwickelt Kompressen um die Kehle des Patienten (Fig. 935 zeigt ein praktisches Kopfstück aus dickem Wollstoff zum Befestigen der Leinenkompresse), gibt ihm leicht verdauliches, gelind öffnendes Futter (eine Mischung von gequetschtem Hafer und Heuhäcksel, die zuvor mit Leinöl oder Wasser angefeuchtet worden, ist meiner Erfahrung nach sehr zu empfehlen) nebst verschlagenem reinem Wasser, entzieht dem Pferde das Langheu, sorgt für reine Stallluft sowie für Belebung der Hauttätigkeit durch fleissiges Putzen und Frottieren und schützt das Pferd vor weiteren Erkältungen. Ganz dieselbe Behandlung tritt bei dem von geröteten Nasenschleimhäuten, Nasenausfluss und Fiebererscheinungen begleiteten Katarrh ein, bei dem jedoch warmes Verhalten und Ruhe noch dringender geboten sind.
Druse (Kropf) eine fieberhafte kontagiöser Nasenkatarrh, ist die Kinderkrankheit des Pferdegeschlechtes und wird erzeugt durch Eindringen des Streptococcus equi in die Schleimhäute der oberen Luftwege, wodurch deren nächste Lymphdrüsen in eitrige Entzündung versetzt werden. Häufig erfolgt der Ausbruch der Krankheit seuchenhaft. Nach Professor Dr. E. Vogel nimmt diese Krankheit in der Mehrzahl der Fälle einen günstigen Verlauf und wickelt sich dann in 2 bis 4 Wochen ab. Voraussetzung dieses normalen Auftretens ist, dass die Tiere in nicht zu zartem Alter davon betroffen werden, sich in guter Kondition befinden und in günstige Aussenverhältnisse gebracht werden können. Unter solchen Umständen kann die Behandlung eine sehr einfache sein und sich auf eine vernünftige Diätetik beschränken. Die ersten Anzeichen der Krankheit sind Husten, Mattigkeit, wenig Appetit, Rötung der Nasenschleimhaut und Anschwellen der Lymphdrüsen im Kehlgange. In der weiteren Entwicklung folgen reichlicher Nasenausfluss und Anschwellung des ganzen Kehlganges. Das kranke Tier wird gleich abgesondert, für frische aber zugfreie Luft, eine sorgfältige Hautpflege sowie für ausgiebiges, leicht vertrauliches Futter gesorgt.
Ausser bestem Hafer und gutem Heu muss der Patient viel Mohrrüben, Kleienmatsch mit Leinsamen, Grünfutter und dergleichen bekommen. Das Trinkwasser wird hoch gestellt, um den Hustenreiz zu vermindern, und grösste Reinlichkeit, besonders was die Nase und den Kopf, sowie Trinkeimer, Krippe und dergleichen betrifft, darf nicht ausseracht gelassen werden. Die erkrankten Tiere am milden, windfreien Tagen ein oder ein paar Stündchen ins Freie zu lassen, ist nicht nur nicht schädlich, sondern geradezu förderlich für die Heilung; dies jedoch nur unter der Voraussetzung, dass wildes Herumjagen mit nachfolgender Erhitzung, sowie längeres Stillstehen vermieden werden. Zum Einhüllen der angeschwollenen Kehlgangdrüsen bedient man sich eines aus dickem Wollstoff angefertigten Kopfstücks der in Fig. 936 dargestellten Form. Bei bedeutenden, schmerzhaften Anschwellungen empfiehlt sich Auflegen von beruhigenden Kompressen, die mit lauwarmem Wasser befeuchtet, mässig ausgerungen und drei- bis vierfach mit Wolle umwickelt werden. Frottieren der Haut und bei Fiebererscheinungen auch Klistiere von ca. ½ Liter Wasser, in der Temperatur von 23 °C, unterstützen die Heilung. Vom Gebrauch der lauwarmem Breiumschläge, der Heusamendämpfe zum Einatmen und der beliebten Drusenpulver ist entschieden abzuraten. Breiumschläge geben Anlass zu Erkältungen, warme Dämpfe wirken schwächend und erschlaffend auf die Schleimhäute und Pulver sind im günstigsten Falle gänzlich nutzlos. Die Druse nimmt jedoch ziemlich häufig einen bösartigen Charakter an, besonders bei sehr jungen, schwächlichen Fohlen, und es kann dann zu Komplikationen kommen, die alle gefährlich sind und die Zuziehung eines Tierarztes erheischen. Periodische Augenentzündung (Mondblindheit). Diese mit Recht sehr gefürchtete Krankheit ergreift in der Regel nur ein Auge auf einmal. Ihren Namen hat sie daher, weil sie periodisch auftritt, d.h. die 1-3 Wochen dauernden Anfälle kehren gewöhnlich innerhalb 4-5 Wochen wieder und führen schliesslich zur Erblindung des Auges. Am häufigsten erscheint die Mondblindheit bei Pferd von 3-8 Jahren. Willach versuchte 37 kranke Augen von 24 Pferden und fand in einer grossen Zahl derselben die Brut von 0.095- 0.125 mm langen Rundwürmern und sehr oft dieselben Parasiten in den Muskeln, der Lunge und Leber der betreffenden Pferde, so dass er mit einer gewissen Berechtigung annimmt, die Parasiten gelangen auf der Blutbahn in das Auge, und es scheint ebenso zutreffend, dass dieselben mit dem Futter und dem Trinkwasser aufgenommen werden. Es ist nicht zu bezweifeln, dass in gewissen Sumpfgegenden ein seuchenartiges Entstehen der Mondblindheit beobachtet werden kann. In Spanien bei einer Überschwemmung des Quadalquivir, in dem sumpfigen Teile Russlands, sowie in Frankreich, Elsass-Lothringen - besonders im Beginn des vorigen Jahrhunderts in Pumpadour und Limousin - hat man diese Beobachtung gemacht. Die östlichen und westlichen Grenzgegenden Deutschlands - Ostpreussen, das Rheinland, und vor allem das Saartal - bieten einen besonders günstigen Herd für diese Krankheit. In Lothringen verkaufen auch die Landwirte häufig deswegen ihre Heuernte und kaufen ihren Futtervorrat anderswo. Dagegen kommt diese Augenentzündung in Schweden beinahe nie vor. Diese Tatsachen beweisen, dass die Krankheit an die Scholle gebunden ist und infolgedessen auch nicht zu den so genannten Erbfehlern gerechnet werden kann. Besonders in Frankreich hat man die Erfahrung gemacht, dass die infolge der periodischen Augenentzündung erblindeten Hengste ihrer Nachkommenschaft diese Krankheit nie vererben, und ich selbst bin in der Lage gewesen, die gleiche Beobachtung zu machen. Ein Ardenner Hengst hat zwei Jahre nach seiner Ankunft in Schweden die periodische Augenentzündung bekommen und ist blind geworden, aber kein einziger von seinen zahlreichen Nachkommen hat die Krankheit geerbt, weder in der ersten noch in der zweiten Generation. Auch nach Willachs Beobachtungen dürfte ein Vererben durch den Hengst ausgeschlossen, dagegen durch die Stute möglich, ja wahrscheinlich sein. Man erkennt die Krankheit daran, dass das angegriffene Auge plötzlich kleiner zu werden scheint, empfindlich und lichtscheu wird und Tränen absondert. Öffnet man die dauernd geschlossenen Augenlieder, so entleert sich ein Strom von Tränenflüssigkeit. Bald macht sich eine bleifärbige Verdunkelung der durchsichtigen Hornhaut bemerkbar, die Kristalllinse wird lichtgrau und die Pupille ist verengt. Nachdem sich diese Erscheinungen einige Tage hindurch gesteigert, nehmen sie wieder ab nach 1-2 Wochen könnte der oberflächliche Beobachter glauben, dass alles vorüber, und das Auge kann Monate und selbst Jahre hindurch von neuen Anfällen verschont bleiben. Meist aber tritt nach etwa 4-6 Wochen ein zweiter, dritter usw. Anfall auf, bis das Auge zerstört ist. Nach Dr. H. Möller (Lehrbuch der Augenheilkunde) endet die Mondblindheit fast immer mit Erblindung. Nur ausnahmsweise kehrt der Anfall nicht wieder und bleibt das Sehvermögen der Tiere erhalten; so zuweilen bei Pferden, die in andere Gegenden gebracht werden. Etwa die Hälfte der Erkrankten erblindet vollständig. Eine Heilung lässt sich nur bei sehr frühzeitiger und einsichtsvoller Behandlung erwarten. Grauer Star entsteht in einer Verdunkelung der Linse. Diese Trübung kann die Form von kleinen weissen oder bläulichweissen Punkten annehmen, die das Sehvermögen nur teilweise beschränken (eine häufige Ursache des Scheuens) oder auch die ganze Linse ergreifen. Vollkommener Star, der stets gänzlichen Verlust des Sehvermögens bedingt, ist unheilbar. Sogar die Beseitigung einzelner Starpunkte gelingt nur in seltenen Ausnahmefällen. Schwarzer Star (Schönblindheit) besteht in einer Erkrankung der Netzhaut und des Sehnerven, wird oft angeboren und vererbt, und kennzeichnet sich durch Unbeweglichkeit der Pupille bei sonst nahezu unverändertem Aussehen des Auges. Grüner Star wird die unheilbare Verdunkelung und grüne Färbung des Glaskörpers genannt. Bronchial-Katarrh ist eine Entzündung der Bronchien infolge Erkältung und Infektion und wird durch Fieber, vermehrtes Atmen, Husten mit Schleimabsonderung und Rasselgeräusche gekennzeichnet. Die Behandlung muss vor allem trachten, die Grundursachen wegzuräumen. Der Patient wird gut zugedeckt, in eine reine, weder zu warme noch zu kalte, aber absolut staubfreie Luft aufgestellt, mehrmals am Tage gut abgerieben und die Krippen, Trinkeimer, Streu usw. pedantisch rein gehalten. Leicht vertrauliches Futter, schleimige Abkochungen und feuchtwarme Einpackungen der Brust und des Bauches bei Tag, die nach 1-2 Stunden gewechselt werden, pflegen die Genesung in 10-14 Tagen zu bewirken. Langsame Bewegung im Freien - selbstverständlich bei günstiger Witterung - ist von wohltätigem Einfluss auf das Allgemeinbefinden des Patienten. Man betrachte doch wohl, dass der Übergang vom blossen Spazierengehen zu wirklicher Arbeit nach erfolgter Genesung nur ganz allmählich geschehen darf. Sollte das Tier wider Erwarten nicht besser werden, muss selbstverständlich der Arzt geholt werden. Die gewöhnliche Lungenentzündung (Pneumonia) gehört zu den gutartigen Erkrankungen. Sie verläuft gewöhnlich in 5-10 Tagen, oft schon in 1-2 vollständig, und im Ganzen sterben nur wenige Prozent der Kranken. Junge und kräftige Tiere sind dieser Krankheit am meisten ausgesetzt und als Ursache gelten Erkrankungen im Verein mit den Pneumokokken. Die Lungenentzündung beginnt mit Niedergeschlagenheit, Schüttelfrost und Fieber; die Schleimhaut des Mundes und der Nase erscheint stark gerötet und das Atmen beschleunigt. Appetit fast immer fehlend, Durst aber in der Regel vermehrt. Eine medizinische Behandlung der Lungenentzündung erscheint nach Professor Dr. E. Bogels wiederholt zitiertem, vortrefflichen Werk über (Spezielle Therapie und Diätetik) für gewöhnlich überflüssig, dagegen ein symptomatisches Verfahren angezeigt. Die Selbstheilung folgt, wie tausendfältige Erfahrung lehrt, ohne weiteres, sobald erinnere Rückbildungsprozess abgeschlossen ist. Das Pferd wird in einer mit hoher reiner Streu versehenen Box oder dergleichen getrennt aufgestellt, wo reine, nicht zu trockene, eher kühle - 15-16 °C - als warme Luft herrscht. Auf die Ventilation und Hautpflege wird besondere Sorgfalt verwendet. Die weitere einleitende Behandlung besteht in vorsichtigem, leichtem Frottieren des ganzen Körpers, behutsamem reiben der Beine und Bandagieren der Extremitäten mit Flanellbinden und verabreichen frischen Wassers. Je mehr der Patient trinkt, desto besser. Ist Appetit vorhanden, können gutes Haferstroh, Grünfutter, Masch und Kleiemelasse gegeben werden. Das erste, was der Pferdewärter jedoch zu tun hat, wenn er bei einem Pferde die Symptome der Lungenentzündung wahrnimmt, ist, schleunigst nach dem Tierarzt zu schicken, weil es sehr oft vorkommt, dass die Pneumonie mit der gefährlichen Brustfellentzündung (Pleuritis) verbunden ist, für die ein frühzeitiges Erkennen mit daraus folgender Behandlung notwendig ist. Ebenso bedarf die chronische Schluck- und katarrhalische Lungenentzündung einer besonderen Pflege, aber die oben erwähnten einleitenden Massregeln gelten für alle Fälle.
Bei der Brustfellentzündung legen sich die Tiere nicht, sondern nehmen eine charakteristische Stellung ein, deren wesentliche Kennzeichen - schlaff herabhängende Ohren, gesenkter Kopf und Hals und gespreizte Vorderbeine - in Fig. 937 deutlich dargestellt sind. Influenza (Brustseuche) ist eine mit Recht gefürchtete Krankheit epidemischen Charakters, die bald als katarrhalisches, gastrisches und typhöses Leiden, bald als ansteckende Lungen-Brustfellentzündung (Pleuro-Pneumonia contagiosa) auftritt. Was die Erscheinung dieser Krankheit betrifft, besteht dieselbe hauptsächlich in Niedergeschlagenheit, Appetitmangel, vermehrtem Durst, hohem Fieber, gesteigerter Körperwärme, weichem, aber beschleunigten Puls (50-80 Schläge in der Minute), breitspuriger Stellung der Vorderbeine, schlaffem, schwankendem Gang, geschwollenen Augenliedern, gelblicher Färbung der Bindehäute des Auges unter Maulschleimhaut, belegter Zunge, trockenem warmen Maul, Lichtscheu, mit Schleim überzogenen, übelriechenden Exkrementen, geschwollenen Beinen, Abmagerung und bisweilen auch Symptomen von Kolik. Am häufigsten tritt die Influenza im Herbst und Frühjahr, also während des ohnehin schwächenden Haarwechsels auf. Man will beobachtet haben, dass regnerische, sowie ungewöhnlich trockene Witterung der Verbreitung der Seuche günstig ist; andererseits lehrt die Erfahrung, dass solche Witterungsverhältnisse keineswegs als notwendige Bedingung für den Ausbruch einer Influenzaepidemie anzusehen sind. In der Regel tritt die Krankheit auf dem Lande viel gelinder auf als in den Städten. Vorzugsweise werden dicht besetzte, schlecht ventilierte und schmutzige Stallungen von derselben heimgesucht, wie denn überhaupt ungesunde Stallverhältnisse und dadurch hervorgerufene Blutverunreinigung als die Grundursachen der Seuche bezeichnet werden müssen. Dass die Influenza auch in anscheinend musterhaften gehaltenen Ställen vorgekommen, verändert nichts an dieser Tatsache. Schwere Zugpferde, die im Herbst sehr langes Haar bekommen, erkranken gewöhnlich am schwersten. Die Krankheit verschont indessen weder Stuten noch Wallache, junge, alte, starke oder schwache Tiere, wenngleich die Verluste bei geschwächten, abgehetzten oder schlecht gehaltenen Pferden am grössten zu sein pflegen. Die erkrankten Pferde sind gleich abzusondern und in einem kühlen, sorgfältig ventilierten, mit reichlicher, reiner Streu versehenen Stall, oder noch besser den offenen Schuppen aufzustellen. Der Freiluftaufenthalt des Pferdes ist nämlich ein sicheres Abwehr- und Tilgungsmittel gegen Influenza. Oberveterinär Reinicke beschreibt mit Bezug hierauf, so sehr, gestützte auf Erfahrungen, die feste Überzeugung hege, dass es unter Anwendung des Freiluftaufenthaltes ohne Benützung sonstiger Massregeln ein leichtes sei, der Brustseuche den seuchenhaften Charakter sowie überhaupt ihre bisherige Bedeutung vollkommen zu nehmen. Sofort nach Feststellung des ersten Brustseuchenfalles wurden sämtliche gesunden Pferde eines verseuchten Stalles tagsüber so viel als möglich ins Freie gestellt. Diesem Umstande ist es zu verdanken, dass bei drei Seuchengängen nur 37 Pferde ergriffen wurden und von diesen nur zwei der Seuche zum Opfer fielen. Bei einer Zahl von 580 Pferden sicher ein glänzendes Resultat. Auf die Witterungsverhältnisse wurde nicht viel Rücksicht genommen. Oft standen die Pferde bei rauhem Wetter, Wind, Nebel und Frost mehrere Stunden, natürlich mit Unterbrechung, eingedeckt im Freien, ohne zu erkennen zu geben, dass ihnen der Aufenthalt im Freien unangenehm sei. Trotzdem wurde bei keinem Pferde Erkältung, bzw. Erkrankung, beobachtet. Im Gegenteil, der Gesundheitszustand war andauernd vorzüglich und die Pferde zeigten im Allgemeinen während des ganzen Winters eine Munterkeit und Frische, wie man sie sonst erst mit Beginn des Frühjahres wahrzunehmen pflegt. Ängstliche Gemüter, die bei jedem frischen Lufthauch Fenster und Türen schliessen lassen, weil sie befürchten, dass die Pferde von schweren Erkältungskrankheiten heimgesucht werden können, mögen sich dies merken. Hat doch auch der Feldzug 1914/18 gezeigt, dass das Pferd gegen Witterungseinflüsse aller Art ausserordentlich unempfindlich ist. Dass frische Luft ein Spezifikum ist gegen die Influenza, haben auch die allerneuesten Beobachtungen bewiesen. Die sonstige Behandlung des Influenzapatienten besteht in drei- bis vierfacher Einwicklung des Rumpfes - unter Umständen auch der Brust - mittelst grober, in lauwarmes Wasser getauchter Leinwand, je nach der Beschaffenheit der Aussentemperatur einfach oder doppelt mit Wolle bedeckt und mit drei Deckengurten befestigt wird. Bei grosser Hitze ist die wollene Überdeckung nur einfach zu nehmen; auch braucht sie dann nicht so fest umgelegt zu werden. Ausserdem sind Wasserklistiere von ca. 1/2 Liter Wasser in der Temperatur von 20 °C neben öfterem Frottieren des Körpers und Einwickeln der Beine zu empfehlen. Die Diät hat in eröffnendem Futter - Grünfutter, Rüben, Kleienmasch, Hafermehl - zu bestehen, da aber der Appetit oft ganz fehlt, setzt man leicht nährendes, schleimiges, mit etwas Kochsalz versetztes Futter zu beliebigem Gebrauch vor. So zum Beispiel gekochte Gerste, Hafer und reines Wasser gebe man dem Patienten zum beliebigen Genuss. Ganz dieselbe Behandlung hat bei der ansteckenden Lungen-Brustfellentzündung einzutreten, deren Behandlung jedenfalls einem Veterinär überlassen werden muss. Eine überaus lehrreiche Abhandlung über die Influenza, ihre Entstehungsursachen, Verhütung und naturgemässe Heilung ohne Anwendung von Arznei, findet der Leser in der von Oberst Spohr verfassten Preisbewerbungschrift „Die Influenza". Die Nutzanwendung dieser vorzüglichen Arbeit lautet folgendermassen: "die Influenza ist eine durch gesunde Stallhaltung durchaus zu vermeidende, durch richtige hygienische Behandlung unter Herstellung sanitärer Stallverhältnisse leicht und vollständig zu heilen der Krankheit. Sie wird nur tödlich durch fortgesetzte falsche Stallhaltung oder falsche, vor allem medikamentöse Behandlung." Der Rotz ist einem hohen Grade ansteckende, absolut tödliche Krankheit, die auch auf den Menschen übertragen werden kann, und deren nähere Ursache, wie Professor Dr. Schütz und Löffler bereits im Jahre 1882 nachgewiesen haben, in einem Bazillus besteht. Je nach dem Sitze unterscheidet man den Nasenrotz und den Hautrotz oder Wurm; die Krankheit kann entweder schleichend oder überaus schnell verlaufen. Zuweilen hat die Krankheit auch ihren Sitz in den Lungen, wo sie längere Zeit beschränkt bleibt. Man bezeichnet sie dann mit dem Namen Lungenrotz oder verborgener (latenter) Rotz. Die Erkennungsymptome bei Nasenrotz sind: Meistens einseitiger, niemals reichlicher Nasenausfluss, der zuerst dünn, zuweilen grünlich ist, später aber schleimig, eiterig, gelblichgrün oder grau, zäh und im höchsten Krankheitsstadium sogar blutig wird und braune Krusten auf der Nasenscheidewand hinterlässt, Anschwellung der Drüsen im Kehlgange auf derselben Seite, wo der Ausfluss vorhanden, schanköse Geschwüre auf der Nasenscheidewand, Anschwellung der Nasenläppchen und Auftreibung der Kiefer- und Stirnhöhle der kranken Seite. Tritt eines der genannten Symptome in Verbindung mit derben, schmerzlosen Anschwellungen eines Beines, der Anschwellung der Hoden oder mit Lungendämpfigkeit auf, ist höchste Vorsicht geboten. Ein charakteristisches Symptom der Wurmkrankheit ist die Entstehung rundlicher Knoten von der Grösse einer Haselnuss an den Schenkeln, dem Halse, der inneren Fläche des Unterarmes usw. Die akute Form ist ausserdem von Fieber und Anschwellung eines oder mehrerer Beine begleitet. Genannte Knoten liegen meistens in Reihen, durch die angeschwollenen Lymphgefässstränge miteinander verbunden. Im weiteren Verlaufe der Krankheit brechen die Knoten oder Wurmbeulen auf und entleeren eine dünne, gelblichgraue Materie, die in die Tiefe fressende Geschwüre bildet. Da ein rotzkrankes Pferd gleich getötet werden muss, besteht bei ersten Verdacht der Rotzkrankheit Anzeigepflicht, und da alle Formen des Rotzes auf den Menschen, wie gesagt, übertragen werden können, müssen die Wärter in verdächtigen Fällen grösste Vorsicht beobachten, und sich vor allem davor hüten die Kleider, Hände oder das Gesicht mit der ansteckenden Materie zu besudeln. Wie im Übrigen mit rotzkranken oder rotzverdächtigen Pferd in zu verfahren ist, besagen die veterinärpolizeilichen Vorschriften, auf die ich auch, was Sie Desinfektion der Stalles, der Stallgerätschaften, Geschirre, Halftern, Decken usw. betrifft, den Leser hiermit verweise. Das häufigsten angewandte Hilfsmittel zur Erkennung der Rotzkrankheit am lebenden Pferde ist die Malleinaugenprobe sowie die serologische Blutuntersuchung. In der einschlägigen Literatur der letzten Jahre finden wir eine grosse Menge Abhandlungen über das Mallein, dessen Bedeutung sehr verschieden beurteilt wird. Milzbrand (Anthrax) ist eine akute Entzündungskrankheit der schwersten Art, die - obwohl seltener - auch das Pferd heimsucht. Dieselbe tritt entweder sporadisch oder als Seuche auf. Der Ansteckungsstoff besteht in einem mikroskopisch kleinen, stäbchenförmigen Pilz, dem sog. Bacillus anthracis, der ebenso wie der Rotzbazillus auf den Menschen übertragen werden kann. Beim Pferde erscheint das Leiden meist als Milzbrandfieber, seltener als Karbunkelkrankheit. Die gewöhnlichsten Erscheinungen des Milzbrandfiebers sind: Frostschauer, kleiner, unregelmässiger Puls, beschleunigtes Atmen, gerötete trockene Schleimhäute, belegte Zunge, stierer Blick, Kolikerscheinungen, Krämpfe, an Gehirnentzündung erinnernde Unruhe oder Gefühllosigkeit usw. Der Tod erfolgt allgemein innerhalb 6 - 24 Stunden. Die Karbunkelkrankheit kennzeichnet sich durch Entstehung schnell wachsender Beulen an verschiedenen Körperstellen, hauptsächlich aber unter der Brust. Diese Beulen, die anfangs klein sind, nehmen wie gesagt schnell an Umfang zu und entleeren tropfenweise eine gelbliche, bald dünnere, bald dickflüssige, sulzartige Masse, die jauchende Geschwüre verursacht. Der Tod erfolgt gewöhnlich innerhalb 3 - 7 Tagen. Die Prognose ist äusserst ungünstig: 76 - 80 % der erkrankten Tiere pflegen der entsetzlichen Seuche zum Opfer zu fallen. Das Hauptgewicht ist deshalb auf zweckmässige Schutzmassregeln zu legen. Als solche sind zu nennen: Vorkehrungen gegen Ansteckung und Verschleppung des Ansteckungsstoffes, wozu auch das zeitweilige Aufgeben verseuchter Weiden durch Umackerung und Neubestellung gehört, knappe Rationen, erfrischendes, leicht vertrauliches Futter, reines Trinkwasser, kühles Halten sowohl bei Tag als auch namentlich des Nachts, peinliche Reinhaltung der Ställe usw. Die Hoffnung, dass es gelingen werde, diese Krankheit mittelst der Pasteurschen Impfmethode ganz aus der Welt zu schaffen, hat sich leider bisher nicht erfüllt. Nachher ist es Mr. Chauveau und dem Italiener Perroncito gelungen, durch eine Verbesserung der Pasteurschen Methode einen noch kräftigeren Impfstoff zu erzeugen. Nichtsdestoweniger lassen auch diese Schutzimpfungen viel zu wünschen übrig. Unter solchen Verhältnissen dürfte es für den Laien von Interesse sein, zu erfahren, dass sich die Wasserkur bei an Milzbrand erkrankten Pferden als sehr beachtenswert erwiesen hat. Schon Haubner empfahl bei Milzbrandfieber und Rotlauf fleissiges, anhaltendes Begiessen mit kaltem Wasser oder Schwemmen in 1 - 3 stündiger Wiederholung. Oberst Spohr befindet sich daher nicht im Gegensatz zu den Vertretern der Tierarzneikunde, wenn er folgende Behandlung befürwortet: zunächst Bespritzung des Tieres mit frischem Wasser und vorzugsweiser Berücksichtigung des Kopfes und Rückgrats; wenn keine Spritzen vorhanden, Übergiessung aus Eimern, Abreiben des Tieres mit nassen Säcken unter wiederholtem Begiessen des Vorhauptes, Genickes und Rückens mit frischem Wasser. Darauf Trockenfrottieren und erregende Brust- und Leibpackung (Wasser von 20 °C), die gewechselt wird, wenn sie sehr heiss geworden, während man täglich 1-2 mal eine Ganzabspritzung bzw. Abreibung (Wasser von 15-18 °C) einschaltet, namentlich dann, wenn sich die Hitzesymptome mehren. Klistiere sind in Form von kleinen frischen Gaben (9-10 °C, 1/6 - ¼ Liter Wasser) alle Viertelstunden zu applizieren. Vorsichtige Fütterung mit Grünfutter, Wurzelfutter (Mohr- und Wasserrüben), genätztem Heu unter Ersatz des Hafers durch 2/3 seines Gewichts an Weizenkleie fördert die Kur. Die beim Ausbruch des Milzbrandes zu beobachtenden polizeilichen Vorschriften sind: Pflicht der Anzeige, Absonderung der kranken Tiere, Verbot der Schlachtung zur Verwertung, Beschränkung von Operationen und Sektionen kranker Tiere auf Tierärzte, unschädliche Beseitigung der Kadaver und aller Abfälle durch Überweisung an die Kadaververwertungs- oder Tierkörpervernichtungsanstalten, sowie gründliche Desinfektion. Rheumatische Kreuzlähme wird vorzugsweise durch Mangel an Bewegung bei gleichzeitig kräftiger Fütterung hervorgerufen. Erkältung kommt selten mehr als Erkrankungsursache vor, obwohl jene den ersten äusserlichen Anstoss zum Ausbruch der Krankheit gibt. Ein Pferd, das mehrere Tage nicht aus dem Stall gekommen ist, kann plötzlich erkranken, wenn es nur wenige Schritte im Stallhof gemacht. Der Gang wird unsicher, schwankend und das Atmen beschleunigt. Heftiger Schweissausbruch stellt sich ein und zitternd am ganzen Körper fällt das Tier um. Häufig sind die Schmerzen so gross, dass es laut stöhnend mit dem Vorderfüssen umherschlägt. Das erste, was zu tun ist, ist, das kranke Pferd gut zu gedeckt nach Hause zu bringen; aber es muss der Transport stets zu Wagen auf Schleifen geschehen, weil jede Muskelanstrengung zu vermeiden ist. Auch wenn der Kranke aufstehen will, muss es verhindert werden man sucht, ihn zu beruhigen und sanft niederzuhalten. Im Stall muss er nachher, warm zugedeckt, auf ein warmes, weiches Lager gebettet werden, bis der Tierarzt kommt und das weitere verordnet. Kann der Arzt jedoch nicht gleich zur Stelle sein, gibt man dem Pferd ein oder mehrere Klistiere mit warmem Wasser, viel zu trinken und halbflüssige, leicht verdauliche Nahrung. Die Kreuzlähme ist mit Recht gefürchtet, denn der Verlauf muss im Allgemeinen ungünstig genannt werden. Im Ganzen sterben 60-70 % der Kranken, und auch im besten Falle sind Rückschläge nicht ausgeschlossen. Frische Luft in den Stallungen, regelmässige Bewegung, das Futter nach der Arbeit abgepasst, Mohrrüben, Kleiensuppe sind die besten Vorbeugungsmassregeln gegen diese Krankheit. Starrkrampf (Tetanus) ist ein andauernder, über den ganzen Körper ausgebreiteter Muskelkrampf, hervorgerufen durch die kochlöffelförmigen Tetanusbazillen. Diese können in jeder Erde und jedem Stall vorkommen und von dort in irgendeine kleine Wunde eindringen, wo nachher der Starrkrampf entsteht. Bei allen Hufwunden, wie Nageltritt, Vernagelung, Kronentritt, aufgeschlagene Kniee usw., sowie bei Wunden, entstanden durch Kastrierung, Coupieren usw. besteht Starrkrampfgefahr. Eine gründliche Desinfektion auch der kleinsten Wunde ist darum geboten. Starrkrampf gehört zu dem bedenklichsten Krankheiten, von denen ein Pferd heimgesucht werden kann. Ein plötzliches Entstehen desselben kommt sehr selten vor; meistens vergehen einige Tage, ja mehrere Wochen, ehe er sich entwickelt. Der Verlauf ist aber bald ein so schleuniger, dass der Tod schon nach 2-3 Tagen eintritt, bald ein ziemlich langsamer, der 1-6 Wochen in Anspruch nimmt. Mit Bezug auf die Krankheitserscheinungen muss bemerkt werden, dass diejenigen Muskeln, die am häufigsten vom Krampf angegriffen werden, ihre Lage an den Kinnbacken, dem Halse und dem Rücken haben. Beginnt der Kampf am Kopfe, so tritt beim Emporrichten des letzteren der Blinzknorpel über das Auge hervor (siehe Figur 938, welche die sogenannte Starrkrampfprobe darstellt). Im weiteren Verlaufe der Krankheit ist das Maul stets geschlossen, Schleim und Speichel fliessen aus demselben, die Augen sind in den Höhlen zurückgezogen, die Ohren steif aufgerichtet, die Nüstern erscheinen unnatürlich erweitert, Hals und Kopf werden gerade ausgestreckt oder auch in die bekannte Hirschhalsstellung gebracht (daher auch der Name "Hirschkrankheit". Der Rücken ist steif, an dem aufgerichteten Schweife sind beständige Zuckungen wahrzunehmen, die Muskeln sind brettartig hart, die Gelenke werden nicht ordentlich gebogen, sondern nehmen die so genannte Sägebockstellung an und ein wenn auch nur kurzes Rückwärtstreten erscheint vollkommen ausgeschlossen.
Wenn der Patient liegt, streckt er alle Viere von sich, als ob er bereits verendet wäre. Der Blick wie das ganze Benehmen des Tieres verraten hochgradige Nervenreizung und Angst. Der Patient ist gegen Lärm, Berührung und hastige Bewegungen äusserst empfindlich und muss darum ruhig und mit Geduld behandelt werden. Die festen Exkremente sind fein geballt und ihre Entleerung verzögert; auch das Urinieren ist mit Schwierigkeiten verknüpft. Starke Schweissbildung pflegt selten auszubleiben. Die hier angeführten Symptome entwickeln sich indessen nur nach und nach. Tritt der Tod nicht spätestens innerhalb 14 Tagen ein, so ist Hoffnung auf Genesung vorhanden. Im Durchschnitt endigen jedoch 80-90 % der Krankheitsfälle mit dem Tode. Obwohl die medizinische Behandlung des Starrkrampfs wenig Aussicht auf Erfolg hat, ist es geboten, gleich zum Tierarzt zu schicken. Unterdessen wird der Patient in eine kühle, geräumige, mehr dunkle Box verbracht. Frische Luft, Stille im Verein mit einer weichen kurzen Streu - Torfmull oder kurzgeschnittenes Stroh - sind es, deren jetzt der Kranke bedarf. Die weitere Behandlung wird Sache des Tierarztes. In neuerer Zeit haben die „Behring-Werke" in Marburg an der Lahn das „ Tetanus-Heilserum" herausgebracht, das vor allem als Vorbeugungsmittel angewandt, aber auch als Heilmittel bei bereits bestehendem Starrkrampf vermittelst Einspritzung (subkutane, intravenöse und intramuskuläre Injektion) ausserordentliche Erfolge gezeitigt hat. Die Behring-Werke selbst äussern sich darüber wie folgt: "der Starrkrampf ist eine Wundinfektionskrankheit, die durch das Gift der Tetanusbazillen erzeugt wird. Die Bazillen sind in der Natur weit verbreitet und finden sich besonders im Erdboden, Kehricht, Staub, Strassenschmutz, Dünger, Holzsplittern und Zeugteilen. Die Gefahr des Eindringens der Tetanusbazillen ist deshalb besonders gross bei Wunden, die mit den genannten Dingen in Berührung kommen können (Hufverletzungen, Kastration, Schweifkupieren usw.). Die eingedrungenen Tetanusbazillen vermehren sich rein lokal, sondern aber starke, auf die Nervenbahnen wirkende Gifte ab. Die für Starrkrampf charakteristischen Erscheinungen (steife Haltung des Kopfes und der Wirbelsäule, heben des Schweifes, gespannter Gang, Trismus, Vorfallen der Nickhaut) treten nach einigen Tagen auf." Vorbeugend impft man bei Verletzungen und Wunden, die mit den genannten Stoffen in Berührung kommen können und vor Operationen. Zur Heilung impft man nur in solchen Fällen, die sofort zur Behandlung kommen können, andernfalls ist ein Erfolg sehr in Frage gestellt. Nötigenfalls wird die Impfung nach Verlauf von 24 Stunden wiederholt werden müssen. Es kann sich noch empfehlen, Wunden, von denen anzunehmen ist, dass sie der Ausgangspunkt der Tetanusbazillen sind, mit rotglühendem Eisen auszubrennen. Gehirnentzündung ist eine nicht selten vorkommende Krankheit, die, wenn sie nicht den Tod herbeiführt, gewöhnlich so schwere Folgen (Dummkoller) hinterlässt, dass das Pferd dadurch seinen ganzen Wert einbüsst. Diese Krankheit tritt in zwei Formen auf, die jedoch ineinander überzugehen pflegen, nämlich in Form von Raserei und Betäubung. Besondere Anlagen zu Gehirnentzündung haben junge vollblütige und kräftig genährte, noch im Entwicklungsstadium begriffene Pferde während des Zahnens und bei plötzlichem Wechsel der Lebensweise. Als Gelegenheitsursache ist ausserdem jede Einwirkung zu fürchten, die Blutandrang nach dem Gehirn erzeugt, wie übergrosse Anstrengung, durch gewaltsame Dressur, Eisenbahntransport und dergleichen verursachte Aufregung, plötzliche Erkältung, Sonnenstich, dunstiger Stall, unbefriedigter Geschlechtstrieb, fest angezogener Halsriemen, enges Geschirr, erhitzende schwer verdauliche Nahrung usw. Die Erscheinungen sind: Unruhe, Reizbarkeit, Betäubung, Abstumpfung, gestörtes Empfindungsvermögen, Lähmungen und dergleichen. Die akute Hirnhautentzündung, unrichtigerweise auch rasender Koller genannt, ist innerhalb 12-18 Stunden entschieden und endigt sehr oft mit dem Tode. Die subakute, mit Betäubung auftretende Gehirnentzündung nimmt dagegen einen bald schnelleren, bald langsameren Verlauf. Der Ausgang ist aber in den meisten Fällen derselbe. Der Patient muss schleunigst in einer kühlen und gut ventilierten Box untergebracht werden, wo er sich frei bewegen kann. In Ermangelung einer solchen Box ist ein Schuppen oder eine Scheuer zu diesem Zwecke herzurichten. Falls es die Jahreszeit gestattet, ist jedoch der Aufenthalt auf einem abgelegenen, schattigen und mit sicherer Einfriedung versehenen Platz am Vorteilhaftesten für den Patienten. Kalte Umschläge, respektive Duschen auf den Kopf, sowie Eisblasen hinter den Ohren und Kaltwasserklistier sind ausserdem Mittel, die versucht werden müssen. Die Verabreichung gelind abführenden Futters, wie z.B. Grünfutter, Mohrrüben und Kleienmasch vervollständigen die Behandlung, die der Besitzer bis zur Ankunft des Tierarztes einzuleiten hat. Dummkoller ist ein doch Ansammlung eines wasserhaltigen Serums in den Gehirnkammern verursachter Druck auf das Grosshirn. Dass Dummkoller oft noch Gehirnentzündung entsteht, ist bereits erwähnt worden. Als sonstige Ursachen gelten: besondere Anlagen - die nebenbei gesagt am häufigsten bei grossen, schlaffen Marschpferden, bei solchen, die den in vergangenen Zeiten so beliebten Rammskopf ererbt haben, sowie bei Nachkommen von dummkollerigen Pferden beobachtet worden sind -, dass Zahnen, plötzlich durchgreifender Wechsel in der Lebensweise und Fütterung, Leber- und Magenleiden, hitziges, schwerverdauliches Futter, dunstige Stallung, auf andauernde Ruhe folgende Anstrengung, Müssigstehen bei kräftigem Futter usw. Der Dummkoller entsteht entweder ganz allmählich und unbemerkt oder mit Symptomen, die den in der Entwicklung begriffen Krankheitszustand kennzeichnen. Die Erscheinungen treten mitunter schon im Stande der Hufe deutlich hervor, oft lassen sich dieselben aber nur während der Bewegung erkennen. Im ersteren Falle nimmt das Tier unnatürliche Stellungen an. Es stützt z.B. dem Kopf wie grübelnd auf die Krippe und verharrt längere Zeit in einer tölpelhaften, seinen sonstigen Gewohnheiten widerstreitenden Stellung der Extremitäten. Die Augen sind matt und halb geschlossen, so dass das Pferd den Eindruck macht, als ob es schlafe. Plötzlich und ohne Veranlassung fährt es zusammen, nimmt gierig ein wenig Futter auf und beginnt zu kauen, vergisst es aber bald darauf und lässt das Futter aus dem Maul fallen. Säuft das Tier, so taucht es den Kopf bis über die Nasenlöcher ins Wasser und verbleibt, ohne zu schlucken, in dieser Haltung, bis es durch die entstehende Atemnot gezwungen wird, den Kopf wieder in die Höhe zu heben. Auch in anderen Beziehungen legt der Patient einen auffallenden Stumpfsinn an den Tag. Er achtet z.B. nicht auf den Zuruf, wenn man ihn veranlassen will, in seinem Stand von einer Seite auf die andere überzutreten, oder lässt sich in den Ohren krabbeln, bleibt ruhig so stehen, wenn man ihn die Vorderfüsse kreuzweise übereinander stellt, lässt sich derb auf die Krone treten, ohne das Bein fortzuziehen usw. Bei manchen Kollerpatienten treten die hier erwähnten Symptome im Stalle weniger deutlich hervor; sobald diese Tiere so viel Bewegung erhalten, dass ihr Blut etwas in Wallung gerät, pflegt sich aber ihr trauriger Zustand oft auf sehr unangenehme Weise bemerkbar zu machen. Sie zeigen sich dann meistens ganz unzugänglich für die Hilfen, drängen unaufhaltsam nach einer Seite, lassen sich nicht dazu bewegen, zurückzutreten, oder laufen unausgesetzt rückwärts, bäumen und überschlagen sich, bleiben urplötzlich wie angemauert stehen usw. Diese Krankheit kann in den meisten Fällen als unheilbar bezeichnet werden und es ist nicht im wirtschaftlichen Interesse des Besitzers gelegen, solche Tiere am Leben zu erhalten, obwohl sie manchmal zu gewohnten Dienstleistungen im langsamen Zug usw. verwendet werden können. Zur Zucht dürfen sie nicht verwendet werden und der Koller gilt auch in den meisten Staaten als Gewährsfehler. Will man trotzdem etwas für den Patienten tun, so stelle man ihn in einen kühlen, luftigen Stall oder noch besser im Freien auf (selbstverständlich an einem schattigen Ort) und gebe ihm kühlendes, erfrischendes Futter. Die grösste Wohltat, die man ihm erweisen kann, ist freilich, ihn baldmöglichst durch eine freundliche Kugel von seinem jämmerlichen Dasein zu befreien. Ein Leiden, das häufig für Koller gehalten wird, ist der Schwindel (Vertigo). Die Schwindelanfälle treten sehr plötzlich und meistens ohne jegliche Vorboten auf. Das Pferd schüttelt den Kopf, spitzt die Ohren, taumelt, bleibt stehen, wirft sich, ohne etwaige Terrainhindernisse zu beachten, heftig zur Seite, stürzt zu Boden und bleibt entweder regungslos liegen oder verfällt in Zuckungen. Ein solcher Anfall dauert jedoch nie lange; nach Verlauf einiger Minuten erhebt sich das Tier wieder, schüttelt sich und geht weiter, als ob nichts vorgefallen wäre. Trotzdem ist dieses Leiden keineswegs leicht zu nehmen, wenn während der Dauer der Anfälle kann der Patient, falls er gerade als Wagenpferd benützt wird, die an der Fahrt beteiligten Personen in sehr gefahrdrohende Lagen bringen. Selbst erinnere ich mich noch lebhaft daran, wie eines Tages das linke Spitzenpferd meines Viererzuges, das bisweilen an Schwindel litt, während eines solchen Anfalles urplötzlich über den Chausseegraben setzte und auf dem jenseitigen frisch gepflügten Acker zu Fall kam. Dass wir nicht umwarfen, war ein reines Wunder, denn ein im Schwindel blind drauflostaumelndes Pferd vom Bock aufzuhalten, wird keinem noch so geschickten Kutscher gelingen. Die Fallsucht oder Epilepsie hat ähnliche Erscheinungen, nur wird das Pferd von derselben auch im Stalle und im Stande der Ruhe heimgesucht, was beim Schwindel selten oder nie der Fall ist. Die Ursachen sind: besondere Anlagen - Sterngucker, sowie Pferde, die den Kopf nach einer Seite geneigt tragen, sollen z.B. zu Schwindel disponieren - der Druck des Kummets auf die Halsvenen, wodurch der Blutrückfluss vom Gehirn gehemmt wird, straff geschnallter Aufsatzzügel, zu enger Kehlriemen, auf der Innenfläche blank geputzte Scheuleder, starke Wärme, schnelle Abwechslung von Licht und Schatten, blendende Sonnenstrahlen, heftiges Temperament, harte Arbeit bei knappem Futter, sowie auch starke Fütterung bei weniger Arbeit usw. Meiner Erfahrung nach sind Schwindelanfälle am meisten zu befürchten, welches wenn die Sonne an einem bewölkten warmen Sommertage plötzlich durch die Wolken bricht. Jedoch habe ich auch erlebt, dass Pferde den Schwindel an einem hellen, sonnigen Wintertag bekamen. Reitpferde sind diesem Übel weit weniger ausgesetzt als Wagenpferde. Sobald der Kutscher merkt, dass sich bei einem Pferde die Vorboten eines Schwindelanfalles bemerkbar machen, besonders aber wenn das Tier plötzlich stehen bleibt, hat er schleunigst vom Bock zu springen und das Kummet vorzuschieben, so dass dasselbe keinen Druck mehr auf den Hals ausüben kann. Selbstverständlich darf die Fahrt nicht eher fortgesetzt werden, als bis sich das Pferd vollkommen beruhigt hat. Sollte das Kummet ein wenig zu eng sein, so ist ausserdem zur Verhütung weiteren Druckes auf die Halsvenen anzuraten, ein grösseres Tuch zusammengerollt zwischen dem Brustteil des Kummets und der Brust des Pferdes zu befestigen. Es braucht wohl kaum betont zu werden, dass damit nur eine provisorische Abhilfe geschaffen ist und so gleich nach erfolgter Heimkehr für eine dauernde Abänderung des fehlerhaften Kummets gesorgt werden muss. Dem Pferd kaltes Wasser über den Kopf zu giessen oder ein nasses Tuch über die Stirn zu binden kann unter Umständen ebenfalls von Nutzen sein. Die vorbeugenden Massregeln bestehen in Verabreichung leicht verdaulicher, eröffnender Futtermittel, in mässiger und regelmässiger Arbeit bei entsprechender Fütterung, in der Anwendung von Sielengeschirr anstatt des Kummets, Abschaffung der Aufsatzzügel und Weglassen der Scheuleder. Sicheren Schutz gewähren aber diese Massregeln nicht und deshalb muss ein an Schwindel leitendes Pferd stets mit Vorsicht zum Zugdienst verwendet werden. Meine Schilderung der gewöhnlichsten Krankheiten des Pferdes hat hiermit ihr Ende erreicht. Ich verhehle mir keineswegs, dass dieselbe keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen kann. Darüber werde ich mich aber zu trösten wissen, wenn es mir nur einigermassen gelungen, die goldene Mittelstrasse zwischen dem „zu Wenig" und dem „zu Viel", die gerade in diesem Kapitel nicht verlassen werden durfte, so wie ich es angestrebt, einzuhalten.
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