Das nachstehende Werk entspricht unter Umständen nicht mehr dem neuesten Stand von Technik und Wissenschaft. Es soll jedoch dem Pferdefreund einen Blick zurück in die Vergangenheit resp. einen Vergleich der Pferdehaltung sowie des „Pferdehandlings" von früher zu heute geben. Wir als Barhufteam können uns auch nicht vollumfänglich mit allen darin gemachten Aussagen und Techniken identifizieren.
Was unsere Grossväter noch wussten...
Die Hufpflege
Die beste Pflege, die man dem Hufe gewähren kann, ist, denselben so lange wie möglich unbeschlagen zu lassen, vorausgesetzt, dass der Huf normal ist und nicht zu Korrektionszwecken früher beschlagen zu werden braucht. Damit ist jedoch nicht alles abgetragen, sondern es muss dem Tiere ausserdem durch fleissige Bewegung auf geeignetem Boden Gelegenheit geboten werden, den wohltätigen Hufmechanismus im Gange zu erhalten und gleichzeitig seine Hufe abzunützen. Auf feuchtem Boden entwickeln sich leicht Platthufe. Werden die Hufe des jungen Pferdes auf diese Art gepflegt, so bedürfen sie nur selten eines berichtigenden Eingreifens seitens des Menschen. Leider kommen aber die Fohlen in dem Stalle des kleinen Züchters nur selten in die Lage, ihre Hufe abzunützen. Einige bäuerliche Züchter glauben immer noch, schon mehr als genug für das Wohlbefinden ihrer Fohlen getan zu haben, wenn sie dieselben während der langen Winterszeit eine halbe Stunde täglich ins Freie hinaus lassen. Dass unter solchen Verhältnissen eine Abnützung der Hufe nicht eintreten kann, liegt auf der Hand und deshalb muss das Hufmesser bewerkstelligen, was der Natur auszuführen nicht gestattet wurde. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich die Hufe der jungen Aufzucht täglich zu besichtigen und bei normaler Abnutzung alle paar Wochen eine entsprechende Hufzubereitung vornehmen zu lassen, bzw. um etwa entstandene Abweichungen von der normalen Entwicklung des Hufes allsogleich berichtigen zu können. Die gewöhnlichen Folgen zu langen Stillstehens sind, dass der Huf zu lang wird und eine schiefe Form annimmt. In diesen beiden Fällen muss zur Raspel und zum Hufmesser gegriffen werden. Hierbei werden indessen nicht selten bedenkliche Fehler begangen. Ich habe z.B. häufig erlebt, dass der Schmied einem Fohlen die Zehen und die Fersen verkürzte, ohne gleichzeitig von unten nachzuschneiden. Falls somit die Hornwand infolge ungenügender Abnützung zu weit herabgewachsen sein sollte, muss das überflüssige Horn von unten weggeschnitten werden, bis man die Sohle erreicht. Ist dagegen die eine Wand höher als die andere geworden, eine fehlerhafte Bildung, die umso bedenklicher ist, als die weichen Knochen des Fohlens leicht von der hierdurch hervorgerufenen Störung in dem körperlichen Gleichgewicht beeinflusst werden, muss man durch vorsichtiges Verkürzen der zu hoch gewordenen Wand trachten, dem Hufe seine normale Form wiederzugeben und ein gleichmässiges Fussen zu erzielen. Als eine stets unter allen Verhältnissen geltende Hauptregel möge sich der Schmied jedoch bei solchem, sowie überhaupt bei jedem Auswirken vor Augen halten, dass die Sohle, der Strahl und die Eckstreben nicht geschwächt werden dürfen. Obgleich es wohl eigentlich überflüssig sein sollte, will ich dennoch hinzufügen, dass weiche, trockene Streu und fleissiger Gebrauch der Wasserbürste einen überaus wohltätigen Einfluss auf den Huf des jungen Pferdes ausüben. Was die Reinhaltung der Hufe, auch der beschlagenen, betrifft, kann ich nicht nachdrücklich genug betonen, dass reines Wasser als die beste Hufschmiere zu betrachten ist. In den Ställen, die unter meiner Leitung gestanden, habe ich deshalb auch stets mit unnachsichtiger Strenge auf eine so peinliche Reinhaltung der Hufe gehalten, dass dieselben sowohl an den Wänden wie an der Sohle wie poliert aussahen. Das ganze hierzu erforderliche Gerät bestand in einem kleinen, entsprechend zugespitzten Holzstabe zum Entfernen des eingetretenen festen Schmutzes, einer Wasserbürste und kaltem Wasser in einem nicht zum Tränken verwendeten Stalleimer. Der eiserne Hufräumer ist mir aus dem Grunde nicht sehr sympathisch, weil derselbe in der Hand eines rohen Knechtes gar zu leicht Anlass zu Beschädigungen des Hufhornes geben kann. Die Reinigung der Hufe muss zweimal täglich, gleichzeitig mit dem Putzen und ausserdem jedes Mal, wenn das Pferd nachhause kommt, vorgenommen werden. Es ist selbstverständlich, dass der Wärter hierbei nicht mehr als notwendig mit dem Wasser herumplätschern darf und dass die Fesseln, falls dieselben während der Hufwaschung bespritzt werden sollten, sofort mit dem Tuch trocken gerieben werden müssen. Professor E. Tschokke in Zürich, der das Absorptionsvermögen des Hornes zum Gegenstand gründlicher, wissenschaftlicher Untersuchungen gemacht (siehe "Schweizer. Archiv für Tierheilkunde X X V II. Band, 4. Heft) ist zu folgenden bemerkenswerten Resultaten gekommen: "Das Hufhorn ist normal, je nach seiner Lage und nach seinem Alter verschieden wasserhaltig, im Allgemeinen beinahe gesättigt (70-90 % des Sättigungsgrades). Sowohl die Verdunstung als die Absorption des Wassers von aussen geschieht langsam. Am schnellsten beim Strahl und bei der Sohle. Da auch bei lange trocken gestandenen Hufen lebender Pferde der Wassergehalt nicht wesentlich abnimmt, trotz fortwährender ungehinderter Verdunstung an der Oberfläche, so ist anzunehmen, dass der Wasserersatz vom Blut aus geliefert werde. Die sicherste und beste Feuchthaltung des Hufhornes wird deshalb durch Beförderung der Blutzirkulation, d.h. durch Bewegung erzielt. Durch Baden der Hufe vermögen nur die äussersten Schichten des Hornes durchfeuchtet und entsprechend erweicht zu werden. Durch Hufsalben wird die Absorption und Verdunstung des Wassers gemindert, aber nicht ganz aufgehoben. Die Hufsalben sind also da am wirksamsten, wo die Verdunstung und Absorption am intensivsten stattfindet, vorab am Strahl, dann an der Sohle; fast unwirksam sind sie an der Hornwand. Von den Hufsalben wirken am besten Vaseline und Lack, am nachhaltigsten Lack und Wachs. Glyzerin ist ein exquisit austrocknendes und keineswegs erweichendes Mittel. Abgesehen von etwaigen indirekten Wirkungen der Salben auf die Hornkonsistenz darf gesagt werden, dass die Hufsalben, auf die Hornwand appliziert, in Bezug auf Konservierung des Hornes geradezu wertlos sind. Einschmieren mit Vaseline oder Lackieren frisch beschnittener Sohlen und Strahlen zur Verhütung der allzu schnellen Austrocknung des blossgelegten Hornes und zum Schutz desselben gegen Unreinlichkeiten, hat eher einen Sinn. Überhaupt sollte sich das Einfetten, sofern es als nützlich erachtet wird, mehr auf Sohle und Strahl beschränken und es wäre auch nur zu dem Zweck, dass bei Gelegenheit des Einschmierens die betreffenden Hufteile erst gründlich gereinigt werden müssen. Stets sollte es Regel sein, wie ich bereits auf Seite 57 des I. Bandes erwähnte, dass der Huf nach dem Dienst, also nach dem Waschen leicht gefettet wird, vor allem auch die Sohle und der Hornstrahl, der bei Anzeichen von Fäulnis mit Holzteer zu bestreichen ist, nie aber vor dem Dienst dick mit schlechter schwarzer Schmiere eingefettet werden darf. Die verschiedensten Beimengungen zu den Hufsalben, wie Alteaschleim, Russ usw. sind wertloser Ballast; denn auch sie können vermutlich nicht mehr als decken. Glyzerin ist höchstens bei zu wasserreichen Hufen oder bei Strahlfäule als austrocknendes Mittel, nicht aber als Hufsalbe für gesunde anzuwenden." Es sollte mich freuen, wenn dieses Zitat dazu beitragen könnte, meiner weiter oben ausgesprochenen Ansicht, dass ein gesunder Huf keine bessere Schmiere, als reines, kaltes Wasser braucht, gehörigen Nachdruck zu verleihen. Um Missverständnisse vorzubeugen, will ich jedoch hinzufügen, dass ich die von mir selbst fabrizierte, auf Seite 57 /58 des I. Bandes beschriebene Hufsalbe mit bestem Erfolg gebraucht habe und dass sich keineswegs den Nutzen einer Befeuchtung unnatürlich trockener oder durch Anstrengung erhitzter Hufe bestreiten möchte. Diese Zufuhr von Feuchtigkeit lässt sich auf verschiedene Art bewerkstelligen. Am beliebtesten ist die wenig appetitliche Methode, die Pferde auf frischen Kuhdünger oder mit Wasser angerührtem Lehm zu stellen. Ich habe jedoch teils aus Reinlichkeitsgefühl, teils, weil ich den Dünger und den Lehm im Verdacht habe, schädlich auf den Huf einzuwirken, stets nur Moos, Sägespäne oder Torfmull, mit reinem Wasser gesättigt, zu dem hier in Rede stehenden Zweck angewendet. Das Moos, meiner Ansicht nach das passendste Material, liess ich mittelst dünner Holzspäne unter der Sohle befestigen; die nasse Torfmull, sowie die Sägespäne, werden dagegen am besten auf die Weise gebraucht, dass man ein kleine Säckchen damit anfüllt, dasselbe über den Huf zieht und sodann über der Krone festbindet. Um die Hufe solcher Pferde zu schützen, die viel auf nassem Boden zu gehen haben (Pferde, welche Flössholz aus dem Wasser holen, Pferde vor Karren in den Seebädern usw.), empfiehlt sich das Hartmannsche Verfahren zum Schutze der Hufe gegen Nässe sehr. Das Einfetten allein hat nicht den Erfolg, den Huf vor dem Durchweichen zu bewahren und auch das Bestreichen der Sohle und des Strahles mit Holzteer bietet nicht immer den nötigen Schutz. Das von Hartmann angegebene Verfahren besteht nun darin, dass man dicken Terpentin auf die Sohle und den Strahl, als die empfindlichsten Teile, aufstreicht und dann mit einem erwärmten Eisen das geschmolzene Terpentin zum Eindringen bringt. Dadurch wird das Terpentin eingeschmort und bildet so einen sehr wirksamen Schutz für jene empfindlichen Teile des Hufes. Ich weise an dieser Stelle nochmals auf die vorzüglichen Eigenschaften des Holzteers, die derselbe in Bezug auf die Hufsohle hat, hin. Zu der rationellen Hufpflege gehört auch, wie bereits hervorgehoben, dass man die Eisen nicht zu lange auf dem Hufe liegen lässt. Wir werden uns deshalb fragen müssen, wie oft ein Pferd beschlagen werden soll. Als allgemeine Regel gilt, dass der Beschlag nicht öfter als jede fünfte Woche erneuert zu werden braucht. Dieser Zeitraum passt jedoch durchaus nicht für alle Pferde, denn was in erster Reihe die Entfernung der Eisen notwendig macht - das unerlässliche Verkürzen der Hufe - hängt natürlich vom Wachstum des Hufhornes ab, und dieses ist sehr verschieden bei verschiedenen Pferden. Ausserdem muss auf die Beschaffenheit der Wege und des Hufhornes Rücksicht genommen werden. Junge Pferde, die noch nie beschlagen worden, müssen auf diese ungewohnten Beschlagshandlungen vorbereitet werden. Die wichtigsten Rollen spielen Geduld und Freundlichkeit hierbei, denn ist das Vertrauen der leicht erregbaren waren Tiere zu Menschen nur ein einzigesmal gestört worden, so bereitet es grosse Schwierigkeiten, dasselbe wieder zu befestigen. Gelegenheit zu solchen vorbereiteten Übungen bietet sich schon bei den sehr oft wiederkehrenden Besichtigungen, denen die Hufe eines jeden Fohlens unterzogen werden sollen. Man rede hierbei dem jungen Tiere freundlich zu und hebe ihm mit grösster Ruhe zuerst die Vorderfüsse, dann aber auch die Hinterfüsse nach der beim Beschlagen eingeführten Methode auf. Dies kann anfangs im Stalle geschehen, muss später habe auch im Freien vorgenommen werden. Zeigt sich das Fohlen gefügig, so wird es mit irgend einem Leckerbissen belohnt; sollte es dagegen Widerstand leisten oder Furcht zeigen, darf der Wärter mit keiner Miene Ärger an den Tag legen, denn die Erfahrung lehrt, dass unangenehme Eindrücke weder leicht noch schnell aus dem Gedächtnis des jungen Tieres schwinden. Sobald sich das Fohlen daran gewöhnt hat, die Füsse willig herzugeben, muss es auch vertragen lernen, dass die Sohle und der Tragrand mit den ungewöhnlichsten Beschlag Werkzeugen in Berührung gebracht werden und dass alle toten und zusammenhanglosen Hornteile, wie sie vielfach an der Sohlenfläche zu beachten sind, entfernt werden. Ängstliche Pferde müssen zum Beschlagen mit einer Wassertrense aufgezäumt und während des Beschlagens von einer ihr wohlbekannten Person am Zügel gehalten werden. Freundliches Zureden, leises Streichen über die Stirn, schmeichelndes Abklopfen und ab und zu eine Hand voll Hafer, Heu oder Gras, sind bewährte Beruhigungsmittel, die ihre Wirkung selten verfehlen. Sollte indessen der Widerstand eines ungewöhnlich misstrauischen Pferdes nicht durch Freundlichkeit überwunden werden können, so bleibt nichts anderes übrig, als zu strengeren Mitteln zu greifen. Oft bewirken nämlich ein ernster Zuruf, ein drohender, auf die Augen des Tieres gerichteter Blick oder eine strafende Gebärde, was die Güte nicht vermocht. Es gibt indessen auch Pferde, deren gewöhnlich durch frühere unvernünftige Behandlung hervorgerufener Widerstand beim Beschlagen so hartnäckig und kräftig ist, dass derselbe nur durch Zwangsmassregeln gebrochen werden kann.
Unter den auf meiner Besitzung Tolarp aufgestellten Rennpferde gab es z.B. auch einen Vollbluthengst namens Banker, der weder durch Güte noch Strenge dazu vermocht werden konnte, seine Füsse herzugeben. Als er schliesslich absolut notwendig wurde, seine Hufe wenigstens zu beschneiden und der englische Trainer sich nicht zu helfen wusste, beschloss ich, einen Versuch mit der vom Tierarzt Hahn empfohlenen Spann-Methode zu machen. Diese ist was die Vorderfüsse betrifft, sehr einfach und leicht anzuwenden. Man braucht zu dem Zweck nur einen im Voraus angepassten und zugeschnallten, breiten, weichen Riemen über das geborgene Knie des Pferdes zu streifen und gleichzeitig möglichst schnell eine Runde hölzerne Walze zwischen dem Riemen und der hinteren Kniefläche durchzustecken (Fig. 810). Das Pferd kann nun unmöglich das Bein gerade strecken oder mit den Vorderhufen nach dem Aufhalter schlagen. Das einzige, was zu befürchten, ist, dass sich das Tier aus Wut niederwerfen könnte.
Irgendwelche Gefahr kann aber hiermit nicht verbunden sein, denn der Schmied oder der Wärter brauchen nur das Holz herauszuziehen, um zu bewirken, dass der Riemen über das Knie herabgleitet und das Pferd seine Freiheit wiedererlangt. Banker versucht jedoch nie, ob ihm das Hinwerfen nützen könne. Nachdem seine Vorderbeine eines nach dem anderen auf die angegebene Art aufgebunden worden waren, fügte er sich in das Unvermeidliche. Schwieriger gestaltete sich die Sache mit den Hinterfüssen. Wie es mir gelang, diese in Gewalt des Schmiedes zu bringen, geht aus Fig. 811 hervor. Da Banker einen ziemlich kurzen und dünn behaarten Schweif hatte, liess ich ihm eine Bauch-und eine Brustgurte auflegen, welch erstere an dem Rückenpolsterteile mit einem starken Ringe versehen war; durch diesen Ring zog ich einen langen, breiten Riemen, den ich mittelst zweier kleiner Querriemen fest um den Schweif schnallte, worauf ich das um die Fessel geschwungene Ende des Riemens durch einen daselbst angebrachten eisernen Ring zog.
Nun hiess es, "Pull devil, pull banker" d.h. ich liess Banker versuchen, wer stärker war, ob er oder zwei handfeste Stallknechte. Wie vorauszusehen, musste der Hengst nach einem wilden, aber fruchtlosen Verzweiflungskampfe klein beigeben. Der Effekt dieser Niederlage war ein geradezu wunderbarer. Schon beim nächsten Beschlagen konnte die Spannvorrichtung entbehrt werden und das darauffolgendemal benahm sich Banker, wie es einem wohlerzogenen Gaule geziemt. Pferden, die einen langen, starken Schweif haben, kann das Ende des Zugseiles auch direkt an diesem angebunden werden (Fig. 812). Wie ein kurzer Schweif dazu benützt wird, veranschaulicht Fig. 813. F.v. Chelchowsky, ehemals Veterinär-Arzt im 1. bulgarischen Garde-Kavallerieregiment, befürwortet ebenfalls im „Hufschmied" (siehe genannte Zeitschrift, III. Jahrgang, Nr. 9), eine zweite Methode mit folgenden Worten: "Für das Regiment, in dem ich als Regiments-Veterinärarzt fungiere, wird die Remonte aus russischen Kosaken-, Steppen- und zum Teil Gestütspferden aufgebracht. Das Pferdematerial ist sehr gut und für Kriegszwecke ganz besonders tauglich, doch sind die zugeführten Pferde noch fast halbwild, so dass die ganze Mannschaft und ich Mühe und Gefahren genug mit denselben auszustehen haben. Da diese Pferde von Seiten des Menschen nur Unangenehmes und Schmerzhaftes erfahren haben, so kann man sich leicht vorstellen, dass dieselben kein Zutrauen zu Menschen haben, sondern ihm gegenüber von Misstrauen, Furcht und Rachsucht erfüllt sind. Die ersten Versuche, die Pferde an das Aufheben der Füsse zu gewöhnen, waren infolgedessen sehr schwierig. Ganz besondere Schwierigkeiten bot natürlich das Aufheben und Aufhalten der Hinterfüsse. Alle wir nur bekannten Methoden (mit Ausnahme des Notstandes) habe ich durchprobiert und gefunden, dass dieselben bei halb wilden Steppenpferden mehr gefährlich als nutzbringend sind. Ich habe mich lange geplagt, bis ich endlich auf eine neue Methode verfiel, die mir wirklich Vortreffliches leistet. Ich erlaube mir deshalb, mit voller Überzeugung hier zu behaupten, dass jeder Kollege und Hufschmied, der nur einmal diese neue Methode versucht haben wird, dieselbe für die beste und rationellste wird erklären müssen.
Um das Aufheben eines Hinterhufes bei unbändigen Pferden nach meiner Methode auszuführen, sind mehrere Personen erforderlich, und zwar stellt sich ein Mann, der am meisten mit dem betreffenden Pferde vertraut ist, an den Kopf desselben, redet ihm gütlich zu, beruhigt es und hält es an der Trense. Darauf stellen sich zwei Männer an die Seiten des Pferdes, streicheln es, stützen sich mit der entsprechenden Hand an die Hüften desselben, um das plötzliche seitliche Ausweichen zu verhindern und versuchen zuletzt das Ende des Schweifes zu ergreifen, in welches nun ein doppelt zusammengesetzter Strick fest eingebunden werden soll. Auf dem erwähnten Stricke gleitet frei ein mit Schnallen und Ring versehener Fesselriemen, der um den Fessel angeschnallt werden muss. Nachdem derselbe angelegt worden ist, ergreifen zwei Männer die Enden des Strickes und ziehen in entgegengesetzter Richtung, wodurch der Fuss gleichmässig und leicht aufgezogen wird (Fig. 814). Ausserdem wird das Pferd durch das gleichzeitig in zwei entgegengesetzten Richtungen stattfindende Anziehen der Stricke auf der Stelle erhalten und kann in der Tat weder nach rückwärts noch zur Seite treten.
Der aufgehobene Fuss wird unter Mitwirkung der beiden Männer, die die Stricke unablässig leicht angespannt halten, von dem Schmiede selbst gehalten, zugerichtet, resp. beschlagen. Bei der ganzen Manipulation (auch beim Anlegen des Fesselriemens?) stehen die Pferde auffallend ruhig, was entschieden als ein Zeichen zu betrachten ist, dass diese Methode für die Tiere die naturgemässeste und am wenigsten unangenehme sein muss." Zu dieser Ausführung des bulgarischen Veterinärs habe ich nur zu bemerken, dass das Anlegen des Fesselriemens bei sehr unbändigen Pferden jedenfalls auch kein Sonntagsvergnügen sein kann. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich deshalb immer eine Zugschlinge vorziehen, in welche man das Pferd mit dem betreffenden Fuss hineintreten lassen kann. In Ställen, wo Mangel an Arbeitskräften herrscht, muss das Pferd zum Beschlage angebunden werden. Am zweckmässigsten geschieht dies mit einem starken, aber gehörig weichen und weiten Halsriemen, an dem starke Riemen oder Stricke angebracht sind; jedoch ist das Anbinden stets derart zu bewerkstelligen, dass das Pferd schnell freigemacht werden kann. Gutmütigen Pferden lässt man hierbei einen Spielraum von ungefähr 1 m, bösartige oder solche, die gerne steigen und mit den Vorderfüssen hauen, müssen aber natürlich kürzer angebunden werden. Es gibt indessen Pferde, die sich nicht anbinden lassen; solche, sowie junge ängstliche und scheue Tiere, müssen von einem Gehilfen an den Zügeln der Wassertrense gehalten werden. Zum Aufhalten der Füsse nimmt man aus nahe zur Hand liegenden Gründen am liebsten den Wärter des betreffenden Pferdes. Muss aber ein Fremder hierzu verwendet werden, so sorge man dafür, dass derselbe vorher das Vertrauen des Pferdes zu gewinnen sucht. Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, dass sehr grosse Leute sich nicht zu dem Geschäfte des Aufhaltens eignen, denn dieselben pflegen gewöhnlich dem Pferde durch zu starkes Beugen der Gelenke Schmerzen zu verursachen.
Das Aufheben hat stets mit der grössten Ruhe und Achtsamkeit zu geschehen. Soll der linke Vorderfuss aufgehoben werden, so tritt der Aufhalter zuerst zum Kopfe des Pferdes, führt seine Hände streichelnd an der linken Seitenfläche des Halses bis zur Schulter und stützt die linke Hand auf die vordere Hälfte der Schulter. Mit der rechten Hand fährt er streichelnd von der Schulter an der äusseren Fläche des Beines bis zum Fessel, ergreift ihn und fordert das Pferd durch den Zuruf (z.B. „Fuss!" oder „Gib her!" Zur Hergabe des Fusses auf. Stützt das Pferd den Fuss zu fest auf dem Boden, so kann der Aufhalter sich das Aufheben dadurch erleichtern, dass er mit der von der Schulter abgezogenen Hand einen sanften Druck auf die Beugefläche des Knies ausübt. Nach erfolgtem Aufheben schiebt der Aufhalter sein linkes Knie unter das aufgehobene Bein des Pferdes, umfasst mit beiden Händen den Fessel, so dass die Daumen an der hinteren Fesselfläche, die Finger an der vorderen sich kreuzen, stützt das gebeugte Knie des Tieres auf seinen Oberschenkel und hält den Fuss, mässig vom Körper abgewendet, von oben und vorne nach rück- und abwärts geneigt, wodurch Beschädigungen des Pferdes beim Auswirken leichter vorgebeugt wird. Der Pferdefuss darf hierbei nicht starr und steif festgehalten werden, sondern der Aufhalter hat seine Stellung so einzurichten, dass er bei jedem Druck des Hufmessers elastisch nachgeben kann. Zu diesem Behufe wird er mit seinem linken Fusse nach vor- und auch etwas nach einwärts treten, so dass er mehr auf der Ferse als auf der Sohle des Fusses ruht, während er mit dem rechten Fusse, die Spitze derselben nach auswärts gewendet, so nach rückwärts tritt, dass er mehr auf der Sohle als auf der Ferse derselben ruht. Beim Aufheben des rechten Vorderfusses wird auf die nämliche Weise verfahren, nur mit dem Unterschiede, dass der Aufhalter hierbei die oben beschriebene Verrichtung der Hände und Beine wechselt. Soll dagegen der linke Hinterfuss aufgehoben werden, so wird der Aufhalter, wiederum zuerst zum Kopfe des Pferdes tretend, von da langsam zur Seite des Tieres nach rückwärtsgehen und hierbei seine Hände streicheln über die Seitenfläche des Halses, die Schulter und den Rücken bis zur Kruppe führen. Bei der Kruppe angelangt, stützt er die linke Hand an die Fläche des Fusses streichelnd nach abwärts bis zu Köte, umfasst den Kötenschopf und sucht das Pferd durch geeigneten Zuruf zur Hergabe des Fusses zu veranlassen. Nachdem dies gelungen, tritt der Aufhalter mit seinem vorgeschobenen, im Knie etwas gebogenen linken Bein unter den aufgehobene Fuss des Pferdes, wobei er seine linke Hand von der Hüfte abzieht, und legt seinen linken Vorderarm über dem Sprunggelenk nach rückwärts und innen an das Schienbein, umfasst auf gleiche Weise wie bei den Vorderfüssen den Fessel mit beiden Händen und stützt den aufgehobenen Fuss des Tieres auf seinen linken Oberschenkel. Die Stellung der Füsse des Aufhalters muss hierbei die nämliche Richtung und Elastizität haben, wie beim Aufhalten der Vorderfüsse. Während des Aufhaltens lehnt sich der Aufhalter, um eine genügend feste Stellung zu erhalten, mässig stark an den Oberschenkel des Pferdes. Hierbei hat er sich jedoch vor Augen zu halten, dass ein zu starkes Anlehnen häufig ein entsprechendes Entgegenlehnen seitens des Pferdes zur Folge hat, wodurch das Aufhalten erschwert wird. Beim Aufhalten des rechten Hinterfusses ist auf dieselbe Weise vorzugeben, nur haben hierbei die linke Hand und das linke Bein das zu besorgen, was beim Aufheben des linken Hinterfusses die rechte Hand und das rechte Bein des Aufhalters verrichten. Das Niedersetzen des rechten Vorderfusses geschieht derart, dass die rechte Hand vom Fessel abgezogen und dann die rechte Schulter gestützt, dann das unter den aufgehobenen Fuss des Pferdes vorgeschobene rechte Bein des Aufhalter zurückgezogen, mit der linken Hand den aufgehobenen Fuss des Tieres gehalten, langsam niedergesenkt und erst dann ausgelassen wird, wenn der Huf den Boden berührt. Beim Niedersetzen des rechten Hinterfusses stützt sich der Aufhalter mit der zuerst losgemachten rechten Hand an die rechte Hüfte des Pferdes, zieht das unter den Hinterfuss geschoben rechte Bein zurück und lässt, seine beiden Füsse beisammen und etwas vom Pferde entfernt gestellt, den mit der linken Hand gehaltenen Fuss des Pferdes sich langsam zu Erde senken und niederstellen. Der linke Vorder- und Hinterfuss werden auf die nämliche Weise niedergestellt, nur haben die Hände und Beine des Aufhalters hierbei Ihre Verrichtungen zu wechseln. Gegen Beissen schützt man sich durch den Gebrauch eines zweckmässigen Maulkorbes; gegen Schläger, indem man den Kopf des aufgetrensten Pferdes hoch und zugleich auf jene Seite hält, in welcher der Hinterhuf aufgehalten werden soll. Wenn das Pferd den Fuss an sich zieht, um ihn dem Aufhalter zu entreissen, so muss derselbe der Kraft des Pferdes nicht mit Gewalt widerstehen, sondern gelinde nachgeben, weil heftiger Widerstand das Pferd nur noch mehr aufreizen würde, alle seine Kräfte anzuwenden. Kann der aber den Fuss durchaus nicht länger festhalten, so muss er ihn vorsichtig auslassen, wobei er sich wohl zu hüten hat, dass er keinen Denkzettel erwischt. Viele als böse und widerspenstig verrufene Pferde lassen sich ganz willig im Freien oder im Stalle beschlagen, manche, sobald sie auf eine ihnen unbekannte Beschlagbrücke kommen, und wieder andere verhalten sich ruhig, wenn ein zweites Pferd neben ihnen aufgestellt wird. Bei dieser Gelegenheit sei auch daran erinnert, dass der Aufhalter die Füsse des Pferdes nicht zu hoch heben oder im Fesselgelenk stark drücken darf, denn beides verursachen dem Pferde Schmerzen und gibt infolgedessen Anlass zu Widersetzlichkeiten. Aus denselben Gründen empfiehlt es sich, das Aufheben der Hinterfüsse von hinten bodeneng gestellten Pferden in der Weise vorzunehmen, dass der Aufheber mit dem Knie zwischen die Hinterbeine tritt und sie hochhebt. Der Schenkel kann dann nicht anders als in der Mittelinie des Körpers nach hinten hinausgezogen werden und dass diese Richtung derjenigen der natürlichen Stellung der Gliedmassen entspricht, das Abziehen des Schenkels von der Mittellinie des Körpers nach aussen aber eine zu Widersetzlichkeit führende, schmerzhafte Zerrung der an der inneren Schenkelseite gelegenen grossen Muskelgruppen hervorrufen muss, wird jedem Fachmanne einleuchten. Soll das Beschlagen nicht in Tierquälerei ausarten, wird man ausserdem sowohl bei alten, steifen Gäulen, wie auch bei jungen Tieren, die sich noch nicht recht an das Beschlagen gewöhnt haben, zu lang andauerndes Aufhalten zu vermeiden haben. Der englische wie auch der schwedische Schmied braucht keine Aufhalter, sondern hebt den Fuss selbst auf und hält ihn während des Beschlagens fest. Es dürfte jedoch lange dauern, bis diese Methode auch in den deutschen Beschlagschmieden Eingang findet, zumal die Urteile hierüber sehr verschieden sind. Zu den Vorsichtsmassregeln, die sowohl während der Vorbereitungen zum Beschlage als auch beim Beschlagen selbst zu beobachten sind, gehört noch, dass der Platz wo das Beschlagen stattfinden soll, von allem hinderlichen Geräte befreit, der Boden eben und fest hergerichtet und nur so hoch mit Sand angeschüttet wird, dass der Schmied die Höhe und Form der Hufe am stehenden Pferd richtig sehen und beurteilen kann, das alles unnötige Geräusch vermieden und überhaupt in jeder Beziehung Rücksicht auf die leicht erregbaren Nerven des Pferdes genommen wird. Die passendste Zeit zum Beschlagen ist, besonders im Sommer, die frühe Morgenstunde, wo noch alles still ist und das Pferd nicht von Fliegen oder anderen Insekten beunruhigt wird. Bevor nun der Schmied darangeht, die Eisen abzunehmen und mit der Hufzubereitung zu beginnen, hat er genau zu untersuchen, wie das Pferd steht, wie es geht und wie die Hufe, sowie der Beschlag beschaffen sind. Zu diesem Zwecke muss das Pferd zuerst auf ebenem Boden ruhig hingestellt werden, worauf der Schmied die Hufe der Reihe nach von allen Seiten genau betrachtet. Behufs Untersuchung des Ganges wird das Pferd zuerst im Schritt und sodann auch ein paar Schritte im Trab geradeaus geführt. Die gewöhnlichen Fehler, welches sich nachlässige Schmiede bei der Abnahme der Eisen zu Schulden kommen lassen, sind, dass sie die Nieten nicht öffnen, die Hauklinge rücksichtslos zwischen Eisen und Huf eintreiben und hierdurch Quetschungen der Sohle hervorrufen, die Eisen mit Gewalt herunterreissen, so dass grosse Stücke aus der Wand abgerissen werden, abgebrochene, im Hufe steckende Nieten oder Nagelstifte nicht ausziehen und die herausgezogenen Nägel auf die Erde werfen, wodurch das Pferd der Gefahr ausgesetzt wird, sich einen derselben in den Fuss zu treten. Es ist also Pflicht des Schmiedes, sowohl das abgenommene Eisen als jede einzelne Niete mit der grössten Sorgfalt zu entfernen, nachdem zu diesem Zwecke die Nieten zuerst gehörig geöffnet werden. Das Eisen wird hierauf mit der Abnehmzange etwas gelüftet, dann zurückgeschlagen und hierauf die Nägel einzeln herausgezogen. Sind die Hufe stark und gesund und der Boden, wenn möglich, auf welchem das Pferd während des Beschlagen zu stehen hat, eben, so können alle 4 Eisen auf einmal entfernt werden. Im entgegengesetzten Falle, besonders aber, wenn das Pferd mit Platthufen gesegnet sein sollte, darf das Eisen nicht eher abgenommen werden, als bis der betreffende Huf an die Reihe kommt. Das nächste, was nun zu geschehen hat, ist