Das nachstehende Werk entspricht unter Umständen nicht mehr dem neuesten Stand von Technik und Wissenschaft. Es soll jedoch dem Pferdefreund einen Blick zurück in die Vergangenheit resp. einen Vergleich der Pferdehaltung sowie des „Pferdehandlings" von früher zu heute geben. Wir als Barhufteam können uns auch nicht vollumfänglich mit allen darin gemachten Aussagen und Techniken identifizieren.
Was unsere Grossväter noch wussten...
Beurteilung des Gesundheitszustandes und die Diensttauglichkeit eines Pferdes nach den äusseren Körperformen
Es gibt kaum eine Aufgabe, die mehr als die fachgemässe Untersuchung des Gesundheitszustandes und der Diensttauglichkeit des Pferdes verdiente, zum Gegenstand eifriger Studien seitens der Züchter und sonstigen Pferdefreunde gemacht zu werden. Nichtsdestoweniger sind gründliche Kenntnisse in dieser Richtung selbst in Fachkreisen ziemlich selten anzutreffen. Ich erlaube mir daher, die nachstehend beschriebene Untersuchungsmethode der ganz speziellen Aufmerksamkeit meiner Leser anzuempfehlen. Ratsam ist es, die Untersuchung eines Pferdes in drei Abschnitte vorzunehmen, nämlich 1. Das Pferd möglichst lange im Stalle zu beobachten; 2. Die verschiedenen Körperteile mit der Hand zu untersuchen, nachdem das Tier zu diesem Zweck im Freien auf einem ebenen Platz aufgestellt worden; 3. Die Bewegungen in allen Gangarten, sowie auch den Atem zu prüfen und schliesslich auch die Eisen abnehmen zu lassen. Wird die Untersuchung nach diesen ebenso rationellen wie praktischen Vorschriften bewerkstelligt, so kann mit Gewissheit ein ziemlich zuverlässiges Ergebnis erwartet werden. Das erste, was wir also zu tun haben, ist, das Pferd im Stalle zu mustern, wobei es vorteilhaft ist, wenn das Tier in seinem eigenen Stand stehen gelassen wird. Wir veranschlagen 10 Minuten zu dieser einleitenden Untersuchung und beobachten genau, sowohl was das Tier vornimmt, als auch wie dies geschieht. Sehr oft wird es sich hierbei als notwendig erweisen, die Art, wie das Tier an der Krippe befestigt ist, zu berichtigen, so dass das Tier während der Untersuchung in keiner Weise in seinen Bewegungen behindert wird. Koppen, Weben, andere Stalluntugenden, die Stellung des Pferdes, sowie auch sein Temperament, werden so unserer Aufmerksamkeit kaum entgegen können. Von grösster Wichtigkeit ist, zu beobachten, wie das Pferd auf seinen vier Füssen steht. Es kommt nämlich häufig vor, dass ein vollkommen gesundes Pferd den einen oder den anderen Hinterfuss im Stehen schont; dies hat weiter nicht zu bedeuten; wird dagegen einer der Vorderfüsse geschont, so deutet dies in den meisten Fällen auf irgendein mit gesteigerter Empfindlichkeit der betreffenden Extremität verknüpftes Leiden. Im Stalle ist nichts vorhanden, was das Pferd beunruhigen könnte; wir werden es deshalb dort stets eine Stellung einnehmen sehen, die es ihm ermöglicht, angegriffene, leidende Teile seines Körpers zu schonen, falls solche vorhanden sein sollten. Nachdem man das Tier also ruhig, aber mit gespannter Aufmerksamkeit beobachtet hat, ist es angezeigt, dasselbe schnell von einer Seite zu der anderen übertreten zu lassen, wobei genau nachzusehen ist, ob sich nicht etwa Symptome von Spatlahmheit oder Hahnentritt bemerkbar machen. Was letztgenanntes Gebrechen betrifft, besteht dasselbe bekanntlich darin, dass einer der Hinterfüsse beim Gehen krampfartig höher als der andere gehoben wird; jedoch ist nicht zu übersehen, dass manche Pferde, wenn sie auf der Streu stehen, die Gewohnheit haben, ihre Füsse beim Übertreten ungewöhnlich hoch zu heben. Zu betreff des Spats möge aber der Leser seinem Gedächtnisse einprägen, dass es einen sog. „latenten Spat" gibt, der weder mit dem Auge noch mit der Hand entdeckt werden kann und auch nur ausnahmsweise Lahmheit erzeugt. Solcher Spat macht sich noch am ehesten bemerkbar, wenn wir das Pferd im Stande plötzlich übertreten lassen. Nach beendigter Musterung im Stalle wird das Pferd herausgenommen. Am zweckmässigsten ist es, ihm hierbei eine Wassertrense ins Maul zu legen. Bevor aber das Tier den Stall verlässt, werden seine Augen einer genauen Untersuchung unterzogen, die durch die über den meisten Stalltüren angebrachten Fenster bedeutend erleichtert wird. Zu einer in jeder Hinsicht zuverlässigen und fachgemässen Untersuchung des Auges gehört ein eigenes Instrument, Ophthalmoskop genannt; da aber dessen Handhabung grösserer Kenntnisse und Uebung voraussetzt, als in der Regel bei dem praktischen Mann anzutreffen sind, müssen wir uns mit einer empirischen Methode begnügen.
Das Pferd wird also zu der geschlossenen Stalltüre geführt. Dort ist zuerst nachzusehen, ob beide Augen dieselbe Grösse haben. Sollte das Pferd wiederholt an Augenentzündungen gelitten haben, so pflegt das angegriffene Auge kleiner als das gesunde zu sein, auch wird dann meistens der hintere Teil der Regenbogenhaut mit der Linsenkapsel verwachsen sein. Um Gewissheit hierüber zu erlangen, werden beide Hände so auf die Augen des Pferdes gelegt, dass das Tageslicht ausgeschlossen ist; nimmt man dann nach einer Weile die Hände schnell weg, so lässt es sich leicht feststellen, ob die Muskeln der Regenbogenhaut noch imstande sind, die Pupille zusammenzuziehen (Fig. 770 und 771). Findet keine Zusammenziehung der Pupille unter der steigenden Einwirkung des Tageslichtes statt, so muss das Auge als in hohem Grade Verdacht erregend einer genauen tierärztlichen Untersuchung unterzogen werden. Die Hornhaut ist natürlich ebenfalls auf das genaueste zu untersuchen; hat dieselbe ihre konvexe Form eingebüsst, oder zeigt sie in der Mitte des Auges Flecken und Narben, so ist das Sehvermögen beeinträchtigt. Das rechte Auge, das Peitschenhieben am meisten ausgesetzt ist, sollte aus diesem Grunde immer zum Gegenstand einer ganz besonders aufmerksamen Besichtigung gemacht werden. Ältere Flecken auf der Hornhaut pflegen eine weissliche Farbe zu haben; dieselben verschwinden nicht mehr. Blaue Flecken, besonders solche, die sich noch im Entstehungsstadium befinden, können dagegen vollständig vergehen. Bei der Besichtigung der Hornhaut wird man sich indessen davor zu hüten haben, mit einer lichten Kopfbedeckung vor das Pferd hinzutreten, denn nachdem alle Gegenstände sich im Auge widerspiegeln, würde die Untersuchung dadurch bedeutend erschwert werden. Ist die Hornhaut vollkommen rein befunden worden, muss nachgesehen werden, ob die Regenbogenhaut nicht irgendwo einen Riss hat, ob die Taubenkörner nicht etwa durch äussere Gewalt oder innere Entzündungen teilweise losgerissen sind, ob nicht das Bild der Iris durch eine Trübung der wässerigen Feuchtigkeit verschwommen erscheint, oder kleine Flocken in derselben schwimmen usw.
Zuletzt wird die Pupille untersucht. Dieselbe soll eine schöne und klare schwarzblaue Farbe haben und darf nicht mit weissen Punkten oder sternförmigen weissen Figuren (Fig. 772) behaftet sein. Zeigen sich kleine weisse Punkte innerhalb der Pupillenöffnung so leidet das Pferd an beginnendem Star, weshalb die Punkte auch Starpunkte genannt werden. Beim vollständig ausgebildeten Star sieht das Auge aus als ob eine weisse Sardine vor die Pupillen Öffnung gezogen wäre (Fig. 773). Weit schwerer ist der schwarze Star zu entdecken. Sollte das Pferd mit diesem Leiden, das seine Wurzel in einer Erlahmung des Sehnervs hat, behaftet sein, so erscheint das Auge bei oberflächlicher Besichtigung unverändert. Wenn man aber etwas genauer nachsieht, so merkt man dennoch, dass die Fähigkeit der Pupille, sich zu erweitern oder zu verengern, entweder ganz oder teilweise verloren gegangen ist. Inwiefern grauer Star vorhanden ist, oder nicht, wird am besten auf die Art untersucht, dass man in einem dunklen Raume ein angezündetes Licht vor das verdächtige Auge des Pferdes hält.
Ist das Auge gesund, so spiegelt sich das Licht dreimal in demselben wieder, nämlich einmal auf der Hornhaut, einmal auf der vorderen Seite der Kristalllinse und ein drittes Mal, auf den Kopf gestellt, auf der rückwärtigen Seite der Linse. Wenn man nun das Licht sachte von rechts nach links bewegt, so folgen das erste und zweite Bild gänzlich. Allerdings lässt sich eine derartige Untersuchung auf dem Pferdemarkt nicht vornehmen. Dort müssen die Inspektion und die weiter unten erwähnte Palpation der Augen genügen. Die sonst noch am Auge vorkommenden Gebrechen sind so leicht zu erkennen, dass eine Beschreibung derselben überflüssig erscheint. Wie die Untersuchung der Bindehaut zu bewerkstelligen ist, zeigt Fig. 774. Auf die Besichtigung Verdacht erregender Pferdeaugen hat stets die Palpation jedes Augapfels zu folgen. Der Zweck dieser Untersuchung ist, festzustellen, ob der Spannungsgrad des Auges ein normaler ist oder nicht. Jede mit Ernährungsstörungen verbundene Erkrankung des Auges hinterlässt nämlich eine Veränderung (Vermehrung oder Verminderung) der Augapfel Spannung, die sich bei einiger Uebung mittelst der Palpation sofort herausfühlen lässt, dasselbe gilt natürlich mit Bezug auf gesteigerte Empfindlichkeit und Schmerzhaftigkeit des Augapfels. Die Technik der Palpation ist indessen so schwierig, dass es besser sein wird, einen Tierarzt zu rufen, falls die Augen irgendeinen Verdacht erregen. Nachdem die Untersuchung der Augen beendigt, wird das Pferd herausgenommen und auf einem vollkommen ebenen Platz aufgestellt. Von grösster Wichtigkeit hierbei ist, dass der mit der Führung des Pferdes betrauten Mann dasselbe zwanglos stehen lässt, denn viele Gebrechen entziehen sich der Beobachtung vollständig, wenn das Tier genötigt wird, eine Art „Hab-Acht-Stellung" einzunehmen. Leider ist es nicht immer leicht, die Knechte der Pferdehändler dazu zu vermögen, das zu musternde Pferd natürlich, bequem und ruhig stehen zu lassen. Ich wenigstens habe während meiner vielen Pferdekäufe in verschiedenen Herren Länder meistens bittere Kämpfe erlebt, bevor es mir gestattet wurde, ein Pferd so zu mustern, wie es mir passte. Am schlimmsten war es damit in Frankreich. Lebhaft erinnere ich mich noch einer Szene dieser Art. Ich befand mich in der Normandie, um anglonormannische Hengste für schwedische Rechnung zu erstehen. Zu diesem Zweck hatte ich mich nach Caen begeben, in welcher Gegend zahlreich Züchter und Händler ihren Wohnsitz haben. Bei der hier in Rede stehenden Angelegenheit galt mein Besuch dem alten B. einem „éleveur", der gewöhnlich 60 - 70 junge Hengste im Stalle stehen hatte. Das traditionelle Champagnerfrühstück war beendet. Die Musterung sollte beginnen. Dass diese eine geraume Zeit in Anspruch nehmen würde wusste ich im Voraus - es galt 64 Hengste im Detail zu besichtigen - aber die Art, wie mir die Pferde vorgeführt wurden, erregte denn noch mein Erstaunen. Zuerst einige kräftige Trommelwirbel, um die Hengste auf die bevorstehende „Hetze" vorzubereiten. Nachdem die Tiere genügend aufgeregt worden, wurden sie eine nach dem andern in der vom Besitzer bestimmten Reihenfolge herausgeführt. Selbstverständlich wurde ihnen vorher eine gehörige Dosis Ingwer in den After gesteckt. Kaum hatte ein Hengst die Schwelle des Stalles überschritten, so begann ein Heidenlärm. B.senior trommelte in seinem Hut, als ob derselbe eine Sturmhaube aus Eisen und nicht ein altersschwacher, gebrechlicher Zylinder gewesen, ein Knecht knallte mit einer riesigen Peitsche und die übrigen Gehilfen - ihre Anzahl war imposant - erhoben ein gellendes, an das Geheul kampflustiger Indianer erinnerndes Geschrei. Sowie der arme Hengst an dieser trommelnden, knallenden und brüllenden Schar vorbeigekommen war, erschien B.junior auf der Bildfläche. Ich hatte schon früher mit einem gewissen Befremden bemerkt, wie dieser interessante junge Mann verdeckte Aufstellung hinter einem Baum in der Allee genommen hatte, war aber weit davon entfernt, sein Vorhaben zu erraten. Der Jüngling lag im Hinterhalt, um dem Hengste aufzulauern! In dem Moment, als das geängstigte Tier mit hochgehaltem Kopf, weit aufgesperrten Nüstern, krampfhaft gehobenem Schweif, schnarchend, tänzelnd und am ganzen Körper bebend, sich dem Hinterhalte näherte, stürzte der junge B. mit einer flatternden Serviette auf seine Beute los. Ich muss gestehen, dass dieser Teil der Schaustellung mit einem Talent ausgeführt wurde, das seine Wirkung nicht verfehlte. Wieder auf dem Stallhof angelangt, wurde der Hengst in unmittelbarer Nähe einer schneeweiss getünchten Mauer auf einem abschüssigen Platz aufgestellt, so dass er vorne bedeutend höher als hinten stand, und nun durfte ich ihn endlich in Ruhe mustern. Dass unter solchen Verhältnissen von einer regelmässigen Musterung keine Rede sein konnte, ist selbstverständlich. Ich nahm auch dem alten B. sofort die Illusion, dass ich mir 64mal eine solche Komödie gefallen lassen würde. Aber obgleich ich in nicht missverstehenden Worten erklärte, das ich nach der Normandie gekommen wäre, um Geschäfte abzuschliessen und nicht um mich zu unterhalten, dass ich, wenn es darauf ankäme, die Rolle eines Maquignons übernehmen könne und dass es mein bestimmter Wunsch sei, die Pferde im natürlichen Zustande und nicht in bis zum Wahnsinn gesteigerter Strafe zu sehen, kostete es mich 64 Kämpfe, bevor ich meinen Willen durchsetzen konnte. „Que voulez-vous, c'est plus fort que moi", sagte Papa B. schliesslich und darin musste ich ihm freilich Recht geben. Bei dem berühmten Händler Delaville in Caen besorgte immer ein Hengst die Aufgabe, mit welcher der alte B. seinen Sohn betraut hatte. Dieser Hengst - ich nannte denselben den Kulissenhengst - wurde während der Musterung hinter einer Mauer versteckt gehalten, um in dem geeigneten Moment durch sein plötzliches Erscheinen und sein lautes Wiehern den Stallgenossen in effektvolle Aufregung zu versetzen. Wenn ich Freuden und Schülern den Rat erteile, bei der Musterung von Pferden streng auf Ruhe und naturgemässes Vorführen zu halten, schweben mir immer diese normannischen Händler vor. Bevor ich nun zu der Schilderung jener Fehler und Mängel übergehe, die bei der im Freien erfolgten Musterung zum Vorschein kommen können, will ich erwähnen, dass zitternde, vorbiegige Kniee mit oder ohne Narben am deutlichsten während dieses Stadiums zu entdecken sind. Wie bereits erwähnt, hat besagte fehlerhafte Beschaffenheit der Vorderbeine nicht selten ihre Ursache in einem mangelhaften Gleichgewicht zwischen den Streck- und Beugemuskeln des Beines, die entweder ererbt oder durch Überanstrengung hervorgerufen sein kann. In manchen Fällen genügt dieses gestörte Gleichgewicht der zueinander gehörenden Muskeln, um die bockbeinige Stellung hervorzubringen. Dass dieselbe bisweilen bei Reit- und Wagenpferden erprobter Güte vorkommt, hat seine Erklärung darin, dass die Beine sich den veränderten Verhältnissen, unter denen ihre Arbeit verrichtet werden muss, anpassen; ausserdem wird man meistens finden, dass die Halsform, die Schultern und die Bewegungen solcher Pferde, deren Gebrauchswert durch die Bockbeinigkeit nicht gelitten, nichts zu wünschen übrig lassen. Hat dagegen das bockbeinige Pferd eine steile Schulter und ein schweres ungelenkes Vorderteil, so ist dasselbe auch wenn keine Narben an den Knien sichtbar sein sollten, zu anstrengender Arbeit nicht mit Nutzen zu verwenden.
Die weitere Untersuchung wird am zweckmässigsten so vorgenommen, dass man bei dem Kopfe beginnend und bei dem Hinterfuss abschliessend zuerst die linke Körperseite besichtigt und darauf bei dem rechten Hinterfuss beginnend und beim Kopfe endigend, dieselbe Untersuchung auf der rechten Seite des Körpers bewerkstelligt. Die Nüstern des Pferdes sind der Körperteil, mit dem wir uns also zuerst zu beschäftigen haben. Behufs genauer Untersuchung derselben bildet man mit dem Daumen und dem Zeigefinger der linken Hand ein Spekulum, um ein Urteil über die Beschaffenheit der Schleimhäute zu gewinnen. Das Pferd, das nicht durch das Maul atmet, muss natürlich, sofern es zu schneller Arbeit verwendbar sein soll, mit weiten, beweglichen Nüstern ausgerüstet sein. Ich erwähne dies, weil es vorkommen kann, dass die Nüstern infolge anormaler Beschaffenheit des siebten Nervenpaares mehr oder weniger vollständig gelähmt sind. Ist die Lähmung nicht vollständig, so kann dieselbe während der Musterung im Stehen oder im Schritt leichter übersehen werden. Sowie das Tier in schärferen Gangarten vorgenommen wird, macht sich das Leiden jedoch augenblicklich durch einen pfeifenden oder schnarchenden Laut bemerkbar. Die Schleimhaut der Nase darf nicht zu trocken, aber andererseits auch nicht zu feucht sein. Im normalen Zustande zeigt dieselbe zahlreiche kleine Tropfen auf ihrer Oberfläche, an der keine Wunden, Narben oder Katarrh-Symptome wahrnehmbar sind. Wir schreiten sodann zur Untersuchung der Zähne, Laden und Zunge. Wie sich das Alter des Pferdes aus dessen Zähnen entnehmen lässt, braucht hier nicht wiederholt zu werden. Ich erwähne deshalb bezüglich der Zähne nur den Umstand, dass die Schneidezähne älterer Pferde, die stets vor Eisen- oder Tonkrippen gestanden, öfters an der vorderen Fläche abgenützt erscheinen, ohne dass das betreffende Tier je Kopper gewesen. Dies ist ein Grund mehr für uns, die einleitende Musterung im Stalle nie zu versäumen. Sind die Laden auf beiden Seiten mit alten, von scharfen Gebissen herrührender Narben behaftet, so steht zu befürchten, dass das Pferd ein hartgesottener „Puller" ist, der überdies in schlechten Händen gewesen. Sollten aber solche Narben nur an einer Seite vorkommen, hat das Tier höchst wahrscheinlich die sehr fatale Eigenschaft, einseitig hartmäulig zu sein. Die Zunge gibt selten Anlass zu besonderen Anmerkungen. Der Kehlgang soll geräumig und frei von Anschwellungen sein. Zeigt sich der Kehlgang voll, so hat das Pferd an bösartiger oder vernachlässigter Druse gelitten. Nicht selten können auch Narben an demselben beobachtet werden. In solchen Fällen ist es sehr anzuraten, die Untersuchung der Atmungsorgane mit besonderer Genauigkeit vorzunehmen. Krankhafte Veränderungen an der Halsvene gelten mit Recht als sehr bedenkliche Symptome. Aber auch wenn die Ader an und für sich gesund sein sollte, kann dieselbe, falls Spuren eines kürzlich vorgenommenen Aderlasses an ihr entdeckt werden, Verdacht erregen. Es liegt nämlich dann nahe zur Hand, nach der Veranlassung zu dem Aderlasse zu forschen. In den meisten Fällen wird dieselbe in einer heftigen Kolik oder einer Entzündung edlerer Organe zu suchen sein. Gewissheit hierüber zu erlangen, ist jedoch nicht so leicht, denn der Verkäufer dürfte wohl nur ganz ausnahmsweise geneigt sein, über diesen Punkt gewissenhaften Aufschluss zu erteilen. Wir gehen nun zur Schulter über. In diesem Körperteile können Muskelschwund, Reibwunden oder Spuren scharfer Einreibungen entdeckt werden. Muskelschwund an der Schulter kommt nicht selten bei jungen Pferden vor, die zu einer ihre Kräfte übersteigende Zugarbeit angehalten worden sind. Quergebildeter Muskelschwund ist in den meisten Fällen unheilbar, weshalb auch die geringsten Symptome dieses Leidens eingehender Betrachtung gewürdigt werden sollten. Durch den Schwund nimmt sowohl der Umfang als auch die Elastizität der Muskeln stetig ab, bis das Schulterblatt aller Muskeln entkleidet, einem Skelett anzugehören scheint. Besagtes Leiden kann auch durch eine infolge langwieriger Schulterlahmheit veranlasste, andauernde Untätigkeit der betreffenden Muskelpartien hervorgerufen sein. Jedes noch so unbedeutende Symptom von Muskelschwund ist daher mit gebührendem Misstrauen zu betrachten. Dass Spuren von scharfen Einreibungen den Beweis liefern, dass das Pferd an Schulterlähme leidet oder gelitten hat, braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden, und was schliesslich die Reibwunden betrifft, sind dieselben auch nicht ohne weiteres als unbedenklich zu erklären, denn es gibt Pferde mit so empfindlicher Haut, dass dieselben den Geschirrdruck absolut nicht ertragen und deshalb zur Zugarbeit kaum zu verwenden sind. Die von der Bugspitze bis zum Knie vorkommenden Körperteile sind selten der Sitz bedenklicher Leiden. Am Ellbogengelenk kommt jedoch bisweilen eine weiche Geschwulst vor, die wir „Stollbeule" nennen. Obwohl die Stollbeule den Gebrauchswert des Pferdes nicht beeinträchtigt, muss dieselbe doch als Schönheitsfehler bezeichnet werden. Das Knie des Pferdes ist dagegen mannigfachen Verletzungen ausgesetzt und sollte deshalb stets genau besichtigt werden. Wenn man mit der flachen Hand über das Knie fährt, sind etwaige Veränderungen in der normalen Beschaffenheit der Haut leicht zu entdecken. Die gewöhnlichsten hierbei zutage tretenden Schäden sind:
1. Dass das Haar abgescheuert worden, ohne dass die darunterliegende Haut gelitten 2. Dass die Haut verletzt ist 3. Dass die Wunde sich bis zu dem Bindegewebe erstreckt 4. Dass die über das Vorderknie laufende Sehne und deren Scheiden beschädigt sind 5. Dass das Gelenk blossgelegt ist.
Eine oberflächliche Beschädigung, bei der nur einige Haar zum Opfer gefallen, kann natürlich binnen wenigen Wochen vollständig geheilt und unsichtbar gemacht werden. Hat dagegen der Stotz oder Schlag, der das Knie getroffen, zur Folge gehabt, dass die Haut und die in derselben sitzenden Hautwurzeln beschädigt wurden, so wird das Pferd aller Wahrscheinlichkeit nach sein Leben lang einen Schandfleck - z.B. eine Narbe, eine haarlose Stelle, grobe und borstenartige oder auch schüttere und weisse Haare - am Knie tragen. Ein Pferd, das sich einen der unter 4 und 5 angeführten Schäden zugezogen, ist ausserstande gesetzt, das Gelenk frei zu bewegen und hat infolge dessen seinen Gebrauchswert nahezu eingebüsst. Knieschäden, die nicht innerhalb 6 Monaten zur Heilung gelangen, sind so ernster Art, dass sie die Dienstbrauchbarkeit des Pferdes vollkommen aufheben. In den Knien vorkommende Geschwulste sind, obgleich in hohem Grade entstellend, von geringer Bedeutung, so lange sie die freie Bewegung des Gelenkes nicht durch ihren Umfang beeinträchtigen. Hierauf wird unsere Aufmerksamkeit vom Schienbein in Anspruch genommen. Wenn wir mit der Hand vom Knie bis zur Köte entlang streichen, sollen sich diese Teile kühl und frei von jedweder teigigen (ödematösen) Anschwellung anfühlen. Angelaufene, warme Beine sind umso mehr zu fürchten, wenn an derselben auch erweiterte Sehnenscheiden konstatiert werden, denn jede Bewegung welche die dicken Beine wieder auf ihren normalen Umfang reduziert, verschlimmert gleichzeitig den Zustand der angegriffenen Sehnen. Pferde mit solchen Beinen gebe man eine scharfe Bewegung und verwerfe sie als dienstuntauglich, wenn an den Extremitäten einige Stunden nach der Bewegung vermehrt Wärme oder Anschwellung bemerkbar werden sollte. Allgemeine Anschwellungen der Bindegewebe des Beines, sog. Ödema, ist ein sehr bedenkliches Leiden, das stets von einer krankhaften Veränderung der Blutmischung zeugt. Ausserdem bleibt zu berücksichtigen, dass das Herz eines an Ödema leidenden Pferdes nicht mehr im Besitz seiner normalen Kraft ist, welcher Umstand sich bei der geringsten Anstrengung durch Schwitzen und erschwertes Atmen bemerkbar macht, weshalb auch ein solches Tier nicht ohne Gefahr zu der Arbeit herangezogen werden kann, die wir dem gesunden Pferde mit voller Berechtigung zumuten. Die jedem Fachmann bekannte Tatsache, dass viele Beine durch anhaltende Bewegung dünner werden, sei uns eine Warnung, kein Pferd zu mustern, das noch warm infolge vorhergegangener Bewegung ist. Es ist dies umso wichtiger, als die Herren Pferdehändler nie versäumen, im Bedarfsfalle Nutzen aus genannter Erfahrung zu ziehen. Gallen haben nichts Erschreckendes für den Kenner. Ein leistungsfähiger Gaul, auf dessen Beinen anstrengende Arbeit keine anderen Spuren als einige unschädliche Gallen hinterlassen hat, ist auch entschieden einem sog. fehlerfreien „Krampen" vorzuziehen, dessen reine Beine nur davon Zeugnis ablegen, dass die Feuerprobe ernster Leistungen dem Tiere aus irgendeinem Grunde erspart geblieben. Wir halten uns deshalb an das alte Sprichwort:
„Wer da scheut Überbein und Galle, hat nie ein gutes Pferd im Stalle."
Es gibt jedoch auch Gallen, die nach jeder anhaltenden scharfen Bewegung erhöhte Wärme und Anschwellung verursachen. In solchen, glücklicherweise selteneren Fällen, vermindern dieselben natürlich die Brauchbarkeit des Pferdes zu harter Arbeit. Nachdem wir die Ueberzeugung gewonnen, dass das Pferd nicht an dicken Beinen leidet, schreiten wir zur Untersuchung der Gliedmassen vom Knie abwärts. In der Kniebeuge stossen wir bisweilen auf einen Ausschlag, der Raspe (Mauke) genannt wird und seine Entstehungsursache in vernachlässigter Hautpflege hat. An und für sich ein ganz unbedenkliches Leiden, beeinträchtigt dieser Ausschlag dennoch während der Dauer seines Bestehens die Diensttauglichkeit des Pferdes. Die Untersuchung der an der hinteren Fläche des Schienbeines sitzenden Beugesehnen (Fig. 775 A B C) wird mit dem Daumen und dem Zeigefinger der linken Hand bewerkstelligt. Diese Sehnen, die bei Pferden mit langen, schrägstehenden Fesseln am meisten angestrengt werden, sollen frei von jeder noch so unbedeutenden Anschwellung sein. Zuweilen wir man durch Narben an der Haut des Schienbeines zu der Annahme verleitet, das die eine oder andere Sehne mit Knötchen behaftet sei; da aber solche Narben oder Verhärtungen mit der Haut zur Seite geschoben werden können, ist es ein leichtes, zu konstatieren, dass dieselben in keinerlei Zusammenhang mit der Sehne stehen. Sollte man dagegen an den Sehnenscheiden Anschwellungen von beträchtlicher Länge entdecken, so kann man mit Sicherheit annehmen, dass die betreffenden Teile ihre normale Beschaffenheit verloren haben. Ebenso wird bei der Untersuchung des Fesselbeinbeugers, auch oberes Gleichbeinband genannt (Fig. 775 D), dessen Umrisse klar und rein sein sollen, vorgegangen.
Knoten an diesem Bande sind bedenkliche Anzeichen. Beschädigungen des Fesselbeinbeugers hinterlassen nämlich daselbst kleine Knoten, wohingegen sie sich an den Beugesehnen als längliche, von oben nach abwärts gehenden Anschwellungen bemerkbar machen. Die Entzündungen des Fesselbeinbeugers treten meistens an dem unteren Viertel desselben nahe den Sesam- oder Gleichbeinen hervor. Dieses Band wird ebenso wie die Beugesehne am stärksten bei Pferden mit langen, schräggestellten Fesseln angestrengt. Die Sesambeine oder Gleichbeine (Fig. 645 t) sind ebenfalls genau zu untersuchen. Dieselben zeigen nämlich nicht selten eine anormale Vergrösserung (Hypertonie), die zu Entzündungen und daraus hervorgehender Lahmheit führen kann. Die auf die Entdeckung von Überbeinen gerichtete Untersuchung wird ebenfalls mit dem Daumen und Zeigefinger bewerkstelligt. Überbeine haben je nach ihrer Lage, ihrer Grösse und ihrem Alter eine verschiedenartige Einwirkung auf die Diensttauglichkeit des Pferdes. Sitzen dieselben z.B. nahe dem Kniegelenk (Fig. 776) oder bei den Beugesehnen, so müssen sie, gleichviel ob sie neueren oder älteren Datums sind, hinderlich auf die Bewegungen des Pferdes einwirken. Liegen Sie dagegen auf der vorderen Fläche des Schienbeins und ungefähr mitten auf derselben, so sind sie ganz unbedenklich. Auch in Bezug auf ihren Umfang sind die Überbeine sehr verschieden. Es gibt Überbeine, die nicht viel grösser als eine halbdurchgeschnittene Bohne sind, andere dagegen haben die Grösse einer halben Zitrone. Während des Entstehens pflegen dieselben, wo immer sie auch sitzen mögen, meistens Lahmheit zu verursachen. Zur vollkommenen Entwicklung gelangt, bereiten sie dagegen dem Pferde keine weiteren Ungelegenheiten, falls sie sich nicht infolge ihrer Lage zu einem Hindernisse für die Sehnen oder Gelenke gestalten. Bei der Beurteilung eines Überbeins ist schliesslich auch das Alter des Pferdes in Betracht zu ziehen, denn je jünger das betreffende Tier ist, desto bedenklicher ist das Überbein, wohingegen ein gut gelegenes Überbein auf dem Schienbein eines siebenjährigen Gaules nichts weiter als ein Schönheitsfehler ist, der noch dazu dem Laien gar nicht auffällt. Die Überbeine bilden sich infolge einer meistens durch Stösse, Schläge, Verwundungen, Sprünge oder Fehltritte hervorgerufenen Knochenhautentzündung, die, anstatt sich zu verteilen, zu Neubildungen von Knochensubstanz - dem sogenannten Überbein - geführt hat. Die bisherige Untersuchung des Schienbeines geschah, während das Pferd auf allen Vieren vor uns stand. Dies ist jedoch nicht genügend. Wir müssen auch den linken Vorderfuss aufheben und, während wir denselben mit der rechten Hand festhalten, die Beugesehnen mit dem Daumen der linken Hand zur Seite schieben. Dadurch kommen wir in die Lage, auch die hintere Fläche des Schienbeines zu befühlen. Es ist nämlich durchaus keine Seltenheit, dass Überbeine auf diesem Teile des Beines vorkommen; dieselben können in solcher Lage weder mit dem Auge noch mit der Hand entdeckt werden, so lange das Pferd auf dem betreffenden Fuss steht. Bei der Gelegenheit wird auch der obere Teil des Fesselbeinbeugers (Fig. 775 D) untersucht. Nachdem wir sodann noch die Stellung, Länge, Dicke und Temperatur der Fesseln geprüft und uns auch die Gewissheit verschafft haben, dass an der hinteren Fläche der Fessel keine Spuren von Wunden oder Mauke vorhanden sind, schreiten wir zur Untersuchung des Hufes. Mit Bezug auf die Vorderhufe haben wir uns stets vor Augen zu halten, dass den Vorderbeinen vorzugsweise die Aufgabe zufällt, das Körpergewicht zu tragen, während die Hinterbeine den Rumpf vorwärts schieben. In diesem Umstande liegt nämlich die Erklärung der bekannten Tatsache, dass an den Vorderhufen häufiger als an den Hinterhufen Abweichungen von der normalen Beschaffenheit wahrzunehmen sind. Diese Abweichungen können hervortreten:
I. In der Grösse:
1. Zu kleine Hufe 2. Zu grosse Hufe 3. Ungleich grosse Hufe 4. Zusammengeschrumpfter Strahl 5. Schwammiger Strahl
II. In der Form:
1. Zu enge Hufe 2. Platthufe 3. Zu hohe Trachten 4. Zu niedrige Trachten 5. Zu lange Zehen
III. In der Stellung:
1. Zu steile Fesseln 2. Zu lange Fesseln 3. Zu kurze Fesseln 4. Auswärts gestellte Zehen 5. Einwärts gestellte Zehen
Es kommt häufig vor, dass man sich bei der Untersuchung der Vorderhufe eines Pferdes die Frage stellen muss, ob die Hufe nicht kleiner sind, wie bei Pferden gleichen Schlages. Andererseits ist es auch keine Seltenheit, das die Hufe zu gross zu sein scheinen. Sind beide Vorderhufe gleich gross und im Übrigen vollkommen gesund, so hat es nichts zu bedeuten, falls sie etwas gross im Verhältnis zu dem Körper des Pferdes sein sollten. Anders aber steht die Sache, falls sie zu klein sein sollten. Allerdings können dieselben auch dann gesund sein; der mit der Untersuchung betraute Fachmann wird aber solche Hufe dennoch mit misstrauischen Blicken prüfen, denn er weiss, dass Entzündungen eine der Ursachen ist, welche die normale Entwicklung des Hufes zum Stillstand bringen können. Wenn wir nun weiter bedenken, dass sich der Huf ebenso wie die übrigen Bestandteile des Körpers weiter entwickeln, bis das Pferd ein Alter von fünf Jahren erreicht hat, so liegt es nahe, anzunehmen, dass ungewöhnlich kleine Hufe während ihrer Entwicklungsperiode von irgendeiner Entzündungskrankheit heimgesucht gewesen sind, jedoch kann dieselbe kaum einen ernsten Charakter gehabt haben, falls sie keine anderen Spuren als zurückgebliebenes Wachstum hinterlassen. Selbstverständlich schliesst dies nicht aus, dass sie recht langwierig gewesen. Es ist nämlich häufig beobachtet worden, dass die normale Entwicklung des Hufes nach erfolgter Genesung besonders rasche Fortschritte zu machen pflegt. Akute Hufentzündungen hinterlassen dagegen stets bleibende und deutlich wahrnehmende krankhafte Veränderungen in der Form und im Gewebe des Hufes, wie z.B. Ringe an der Hornwand, flachere Sohle usw. Sollten Zeichen dieser Art am Huf zu bemerken sein, so kann dem Pferde kein bedingungsloses Gesundheitszeugnis ausgestellt werden. Dem Aussehen nach gesunde, aber dennoch aus irgendeinem Grunde verdächtige Hufe werden einer ernsteren Prüfung zu unterziehen sein. Man gibt dem Pferde zu diesem Zwecke einen scharfen Galopp auf harter Strasse, lässt es darauf ungefähr 20 Minuten an einem schattigen Ort stehen und nimmt sodann eine Trabprobe an der Longe mit ihm vor. Hat der Gaul je an Hufentzündung gelitten, so wird er nun auf den Fersen gehen und die Füsse wie eine über heisse Ziegelsteine laufende Katze heben. Man weiss dann, woran man ist. Die Hufe können verschieden in der Grösse und dennoch gesund sein. Es kommt vor, dass der eine Huf grösser als der andere ist. Jedenfalls aber werden wir in solchen Fällen an dem kleineren Hufe nach Spuren früherer Entzündungen suchen, und falls wir keine pathologischen Veränderungen an dem Hornschub zu entdecken imstande sind, die oben geschilderte Probe vornehmen müssen. Ein zusammengeschrumpfter, sowie auch ein schwammiger Strahl bedingt an und für sich keine Verminderung der Diensttauglichkeit des Pferdes. Es stehen aber diese Abweichungen von der normalen Beschaffenheit des Hufes meistens mit anderen krankhaften Zuständen, die wir weiter unten näher betrachten werden, in bestimmter Verbindung.
II. Abweichung von der normalen Form
Eine der gewöhnlichen Ursachen des Zwanghufes sind zu hohe Trachten. Diese Form der Trachten hat nämlich zur Folge, dass der Strahl zu hoch über den Boden zu liegen kommt, dadurch ausser Tätigkeit gesetzt wird, immer mehr zusammenschrumpft und so Anlass dazu gibt, dass die Fersenwände sich zusammenziehen. Werden dann ausserdem die Eckstreben nicht geschont, so treten die hohen Trachten noch näher aneinander. Die gewöhnlichen Ursachen des Platthufes sind: 1. Schwächung der Sohle beim Auswirken 2. Hufentzündungen 3. Erbliche Anlagen Welches die Ursache aber auch sein möge, der Platthuf ist immer ein bedenklicher Fehler, bei dessen Beurteilung wir sowohl die Ursache als den Entwicklungsgang in Betracht zu ziehen haben. Lederunterlagen oder breitere, stärker abgedachte Eisen ermöglichen es dem platthufigen Pferde, anscheinend vollkommen normal aufzutreten. Aus diesem Grunde werden wir, wenn wir bei der Untersuchung eines Pferdes solche Unterlagen oder Eisen entdecken, die Hufe zum Gegenstand einer besonders genauen Prüfung machen. Am zweckmässigsten ist es, das Tier, auch wenn der Platthuf noch nicht zur vollständigen Entwicklung gelangt sein sollte, auf gewöhnliche Art zu beschlagen, um dahinter zu kommen, ob der Gaul auch ohne genannte Schutzvorrichtungen einen normalen Gang zeigt. Platthufe haben oft hohle Wände, weshalb die Untersuchung stets auch die Hornwand umfassen sollte. Hohle Wände verursachen besonders in gelinderen Graden nicht immer Lahmgehen. Dieselben kommen ausserdem auch an Hufen mit gut gewölbter Sohlen vor; da aber der Huf dann meistens trocken und spröde erscheint, wird er dem untersuchenden Fachmann dennoch auffallen. Obwohl niedrige Trachten nie den Hufkrankheiten zugezählt werden können, stehen dieselben dennoch häufig in Verbindung mit solchen Leiden, wie z.B. Steingallen, gequetschten Sohlen usw., meistens auch mit langen, schräg gestellten Fesseln und langen Zehen. In diesen Fällen hohe Stollen anzuwenden, würde das Übel nur verschlimmern, dann dadurch werden die empfindlichen Fersen genötigt, entweder eine grössere Last auf sich zu nehmen oder auch die Last auf die Fesseln zu übertragen, welche letztere dadurch eine steilere Stellung erhalten. Die notwendige Folge hiervon aber wird die höchst fatale Vereinigung von niederen Trachten, langen steilen Fesseln und überköteten Vorderbeinen. Lange Zehen sind so wie die niedrigen Trachten an und für sich keine krankhafte Erscheinung, geben aber häufig Anlass zu solchen. Lässt man die Zehen zu lang werden, so setzt man die Beugesehne naturgemäss einer zu grossen Anstrengung aus. Der Fachmann wird deshalb die hintere Fläche des Schienbeines vom Knie bis zur Köte mit besonderer Genauigkeit untersuchen, wenn er findet, dass die Zehen zu lang sind. Wir kommen nun zu:
III. Unregelmässige Stellung der Füsse
Steile Fesseln sind gewöhnlich auch zu kurz, doch können, wie bereits erwähnt, auch lange steile Fesseln vorkommen. Bei den kurzen und steilen Fesseln geht die Gewichtslinie mitten durch den Fuss hindurch (Fig. 777, 3).
Der während der Bewegung entstehende Stoss ist bei dieser Form so stark, dass der Fuss früher oder später seine normale Beschaffenheit zu verlieren pflegt. Die wahrscheinlichsten Folgen sind geschwollene Fesseln, Steingallen, Hufspalten, Strahlfäule, Schwund des Strahles usw. Dies ist umso bedenklicher, als die fehlerhafte Stellung der Fesseln mit den Jahren zunimmt, besonders wenn dem Pferde die Arbeit auf harten Strassen nicht erspart werden kann. Zehenweite Stellung wird meistens durch fehlerhaften Bau der betreffenden Gliedmassen hervorgerufen. Wir dürfen in diesem Falle nicht versäumen, an der inneren Seite der Köte nach Streichwunden, Narben und Anschwellungen zu suchen. Ein Pferd, das mit diesem Fehler behaftet ist, eignet sich nicht dazu, schweres Gewicht in schnellen Gangarten zu tragen. Zehenenge Stellung beeinträchtigt die Diensttauglichkeit des Pferdes in noch höherem Grade. Der hieraus entstehende unsichere, stolpernde Gang ist ausserdem nicht selten der Begleiter organischer Fehler, die zur Verwerfung des betreffenden Tieres führen müssen. Von eminenter Bedeutung sind auch:
IV. Die äusseren Hufkrankheiten
Unter diesen dürfte der häufig zur Beseitigung der chronischen Strahlbeinlahmheit vorgenommene Nervenschnitt (Neurotomie), wobei der Schienbeinnerv unterhalb seiner Verbindung durchgeschnitten, ein Stückchen herauspräpariert und entfernt wird, obgleich nicht eigentlich eine Krankheit, dennoch besondere Erwähnung verdienen. Die Operation hat nämlich zur Folge, dass das Gefühl in dem Fusse vollkommen aufhört, somit keine Schmerzen daselbst mehr empfunden werden, weshalb auch das durch Nervenschnitt von andauernder Lahmheit befreite Pferd nicht nur vollständig ungeniert, sondern auffallend rücksichtslos und heftig auftritt; aber der hinkende Bote kommt nach - die Ernährung leidet durch den Mangel des Nerveneinflusses und infolge der starken Erschütterung tritt nicht selten schon nach einem halben Jahre ein Ausschuhen des Hufes ein. Indessen hat das Faktum, das Pferde, die wegen unheilbarer Strahlbeinlahmheit sonst vollkommen unbrauchbar gewesen wären, nach dem Nervenschnitt längere Zeit ohne Anstand zu jeder Dienstleistung verwendet werden konnten, genannter Operation Freude erworben. Die Anzeichen, die verraten, dass das Pferd auf besagte Art operiert worden ist, sind: die durch den Nervenschnitt hervorgerufenen Narben, sowie sein eigentümlicher, besonders im Trab bemerkbarer hölzerne Gang. Es ist dem Tiere vollkommen gleichgültig, ob es auf steinharter Strasse oder weichem Grasboden geritten wird. Der Reiter, der das nicht sofort merkt, ist eben kein Reiter. Spröde Hufe geben den Hufnägeln keinen ordentlichen Halt und haben ausserdem häufig hohle Wände. Während des Haarwechsels tritt die spröde Beschaffenheit des Hufhornes am schärfsten hervor. Das Haar ist dann meistens trocken und tot und da Haar und Hufhorn nahe verwandte Gebilde sind, kann es uns nicht Wunder nehmen, dass gleiche Ursachen gleiche Wirkungen bei ihnen hervorbringen. Anhaltende Unordnung in den Verdauungsorganen pflegen ebenfalls eine schädliche Einwirkung auf das Haar und das Hufhorn zu haben. Vernagelungen, die in ihrer schwersten Form sich zu einem sehr bedenklichen Leiden gestalten können, nehmen glücklicherweise selten eine so erste Wendung, dass das betreffende Pferd nicht durch zweckmässige Behandlung bald wieder hergestellt werden könnte. Bemerkt man bei der Untersuchung des Hufes, dass ein Hufnagel fehlt, so ist stets Anlass zu dem Verdacht vorhanden, dass das Pferd kürzlich vernagelt gewesen. Nageltritt ist schon ein weit ernsteres Leiden, das bedeutendes Lahmgehen zur Folge haben kann. Dasselbe gilt von Quetschungen der Sohle. Ist die Lahmheit verschwunden und gehört die Sohle nicht zu der flachen Gattung, so darf dieses Leiden trotzdem nicht zur Verwerfung des betreffenden Pferdes führen. Sollte dagegen die Sohle entschieden eine flache Form haben, so sind die Symptome der Sohlenquetschung keineswegs leicht zu nehmen. Kronentritte haben, auch wenn sie noch so unbedeutend erscheinen, stets eine ernste Bedeutung, denn nur zu leicht nehmen dieselben infolge unverständiger oder nachlässiger Behandlung einen bedenklichen Charakter an. Man schiebe daher wenn möglich den Kauf eines an Kronentritt leidenden Pferdes auf, bis vollständige Heilung erfolgt ist. Streichwunden in der Nähe des Kniegelenkes deuten immer auf einen fehlerhaften Gang des Pferdes hin und setzen auch aus diesem Grunde den Gebrauchswert des Tieres herab. Die letzte, der mit Hinsicht auf die Untersuchung der Hufe ausgestellten Rubriken umfasst die Hufkrankheiten. Obwohl ausserordentlich umfangreich, ist dieselbe für den vorliegenden Zweck keineswegs die wichtigste, denn die meisten Hufkrankheiten haben so deutliche Symptome, dass sie sich selbst dem Laien bemerkbar machen und ausserdem dürften an akuten Hufkrankheiten leidende Pferde nur ganz ausnahmsweise zur Musterung gelangen. Eine Hufkrankheit, deren Diagnose aber selbst die Kenntnisse des erfahrenen Fachmannes auf eine harte Probe stellen kann, ist die Strahlbeinlahmheit. Bei Strahlbeinlahmheit entsteht, wie der Name andeutet, deutliches Lahmgehen; sonstige charakteristische Anzeichen, die zur Entdeckung des Übels führen könnten, sind aber nicht vorhanden. Trabt das Pferd, so lahmt es; steht es, so tritt es nur mit der Zehe auf. Im Laufe der weiteren Entwicklung des Leidens pflegt sich auch eine Zusammenziehung des Hufes einzustellen. Zeigt sich die Strahlbeinlahmheit an normal geformten Hufen, so haben wir es mit der akuten Form des Leidens zu tun. Die Gruppe von Symptomen, die auf das Vorhandensein von Strahlbeinlahmheit deutet, ist also: 1. Ein beständiges Übertragen des Körpergewichts von einem Fusse auf den anderen und eine entschiedene Neigung während des Stillstehens nur mit der Zehe des kranken Fusses aufzutreten. 2. Vermehrte Wärme und Empfindlichkeit in den Ballen 3. Heftiges Pulsieren in den Arterien des Schienbeines und der Köte. 4. Lahmgehen und ein unbeholfener, stolpernder Gang, bei dem nur die Zehen niedergesetzt werden. In der chronischen Form des Leidens sind diese Symptome jedoch meistens so wenig ausgeprägt, dass nur ein geübtes Auge dem schleichenden Übel auf die Spur kommen kann. Zeigt es sich, dass der Gang des Pferdes beim Verlassen des Stalles unbeholfen und stolpernd ist, nach einer Weile aber freier wird, so ist der Verdacht berechtigt, dass das Tier an Strahlbeinlahmheit leidet. In solchen Fällen pflegt der Veterinär das Pferd im Laufe eines Tages mit bestimmten Zwischenzeiten weiderholt herausnehmen zu lassen. Diese Methode setzt ihn in den Stand, das Tier sowohl im Zustand der Ruhe als auch während der Bewegung nach genossener Ruhe zu beobachten. Jedes Pferd, das im Stalle nur die Zehe niedersetzt, beim Herausgehen steif in der Schulter ist und mit steilen Fesseln zögernd mit den Zehen auftritt, wird ohne weiteres als unter dem Verdachte der Strahlbeinlahmheit stehend, einer hierauf gerichteten speziellen Untersuchung unterworfen. Obgleich nun jeder Schmerz im hinteren Teile des Fusses ähnliche Symptome hervorrufen kann, sind die hier erwähnten dennoch von der Tierheilkunde als brauchbare Ausgangspunkte für die Diagnose anerkannt worden. Schliesslich sei auch erwähnt, dass leichte Pferde häufiger als schwere von genanntem Leiden heimgesucht werden. Mauke ist ein nässender Ausschlag, der meistens in der Beugeseite der Fessel, namentlich der Hinterfüsse vorkommt. Dass ein mit dieser Krankheit behaftetes Pferd nicht diensttauglich ist, liegt auf der Hand. Ringbein ist eine ringförmige Knochenauflagerung an der Umgebung des Kötengelenkes. Dieses Leiden tritt häufiger bei gemeinen als bei edlen Pferden und vornehmlich an den Vorderfüssen auf. Am Kronbein vorkommendes Ringbein ist stets sehr bedenklich.
Steingalle ist ein Ausdruck der seit erdenklichen Zeiten fälschlicherweise für die richtige Bezeichnung Hornfleck oder Hornmal von Züchtern, Reitern, Fahrern, Beschlagschmieden und Pferdehändlern gebraucht wird. Unter solchen Hornflecken oder Hornmalen haben wir Flecke von gelber, orangefarbiger, roter, rotblauer oder blauer Färbung zu verstehen, die hauptsächlich bei den Eckstreben, auch auf der übrigen Hufsohle ihren Sitz haben und Folgen sind von Quetschungen oder Zerrungen der Huflederhaut. Sie pflegen an unbeschlagenen Hufen seltener in Erscheinung zu treten als an beschlagenen und meistens an den Vorderhufen. Lahmt das Pferd nicht, an dessen Hufen man solche Flecke bemerkt, so haben diese nichts auf sich. Geht indessen das Pferd lahm und kann man weiter keine andere Ursache dieses Lahmens herausfinden, so ist durch die Quetschung oder Zerrung eine Hufentzündung hervorgerufen, die sich auf die Huflederhaut erstreckt, vielmehr von dieser ausgeht und Eiteransammlung im Gefolge hat, welche bei weiterem Fortschritt des Übels gewöhnlich durch die Flecken nach unten durchzubrechen pflegt. Nur im Falle dass ein Lahmgehen des Pferdes bemerkt wird, darf das Wirkmesser in Tätigkeit treten, andernfalls macht man damit mehr Schaden als Nutzen, denn das beliebte Ausschneiden der an sich harmlosen roten, gelben oder blauen Flecken nimmt der Huflederhaut ihren natürlichen Hornschutz und gibt so erst recht Anlass zum Eindringen von eitererregenden Bakterien. Ein Pferd kann demnach niemals an „Steingalle" lahmen, denn die Steingalle ist etwas, was es gar nicht gibt; wohl kann es aber lahmen an Hufentzündungen, deren äussere Anzeigen die Hornflecke oder Hornmale sein können. Hornspalten nennt man eine in der Richtung der Hornfasern, d.i. von oben nach unten verlaufender Trennung der Hornwand. Die erste Veranlassung zu der Entstehung von Hornspalten gibt die Einwirkung der Belastung. Deshalb kommen diese Spalten auch am häufigsten an der inneren Wand der Vorderhufe, seltener an der vorderen oder inneren Wand der Hinterhufe vor. Ist diese Spalte tief oder durchdringend, so verursacht sie leicht Lahmgehen. Oberflächliche Spalten sind dagegen ganz unbedenklich. Dieses Leiden wird oft unter einem dicken Lager von Hufschmiere verborgen oder auch mit Kitt unsichtbar gemacht. Es ist daher angeraten, bei der Untersuchung der Hufe diesen Umstand nicht ausser Acht zu lassen. Am günstigsten ist die Aussicht auf Heilung bei Tragrandspalten an normalen Hufen und so lange keine Lahmheit zugegen, am ungünstigsten bei Kronrandspalten, krankhaft verändertem Hufe und bei Spalten in den hinteren Hufabteilungen. Hufentzündung - die akute sowie die chronische - wird mit Recht den schwersten Hufleiden zugezählt. Die akute Form wird aus naheliegenden Gründen selten oder nie bei Pferden angetroffen, die zur Musterung gelangen; die chronische Hufentzündung ist dagegen eine sehr oft vorkommende Ursache des Lahmgehens. Ein an Hufentzündung leidendes Pferd nimmt kurze Schritte und tritt mit den Fersen - nicht den Zehen - auf. Auch im Zustande der Ruhe werden vornehmlich die Fersen belastet. Ausserdem macht sich eine bedeutend erhöhte Temperatur in dem leidenden Fuss, sowie starkes Pulsieren der Schienbein-Arterien bemerkbar. Hufe, die an Hufentzündung gelitten, haben gewöhnlich flache Sohlen und unregelmässige, dicht aneinander liegende Ringe an der Hornwand. Ringe kommen allerdings auch an gesunden Hufen vor, sind aber in diesem Falle regelmässiger geformt und weiter voneinander entfernt. Da indessen Ringe an den Hufwänden stets den Verdacht des Fachmannes erregen, pflegen betrügerische Händler dieselben mit der Feile zu entfernen. Damit können sie aber nur sehr unerfahrene Käufer hinters Licht führen, denn davon gar nicht zu reden, dass die übrigen Symptome der Hufentzündung nicht mit den Ringen verschwinden, genügt ein gelinder Druck mit der Hufzange oder ein Schlag mit dem Hammer, um herauszubringen, wo das Pferd der Schuh drückt. Chronische Hufentzündung pflegt hohle Wände im Gefolge zu haben. Letzteres Leiden verursacht selten Lahmgehen, wenn es nicht durch Hufentzündung verschärft wird. Strahlfäule ist eine Hautkrankheit, die sich darin äussert, dass eine schwarzgraue, stinkende Feuchtigkeit in der Strahlspalte und den Strahlfurchen abgesondert wird. Dieses Leiden kann durch lokale Ursachen hervorgerufen werden und ist dann leicht zu beseitigen. Unreinlichkeit, die in den Strahlspaltenliegen bleibt und dort in Fäulnis übergeht, plötzlicher Übergang von schwacher zu starker Fütterung usw. gehören zu diesen lokalen Ursachen. Wir haben nun die Besichtigung der Vorderhand beendigt und können somit zu dem Rumpfe und dem Hinterteile übergehen. Die Wände des Brustkorbes geben selten Anlass zu Bedenken, können aber auch Spuren von Rippenbrüchen zeigen. Hat das Pferd einen Rippenbruch erlitten, so macht sich dies nach erfolgter vollständiger Heilung durch den grösseren Umfang der betreffenden Rippen bemerkbar, was aber wenig oder gar nichts zu bedeuten hat. Bei der Musterung des Hinterteils entdecken wir nicht selten eine bedeutende Verschiedenheit in der Grösse der beiden Hüftknochen. In diesem Falle hat sich das Tier einen Teil dieses Knochens abgestossen. Dass das nicht schön aussieht, gebe ich gerne zu, zu bedeuten hat es aber weiter nichts. Der Bauch, die Hoden und die innere Fläche der Schenkel nehmen demnächst unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Unter den am Bauche und an den Hoden vorkommenden Gebrechen sind Brüche die Bedenklichsten. Bauch- und Nabelbrüche setzen den Wert des Pferdes herab, weil sie
1. sehr entstellend sind 2. infolge ihrer Lage Stössen und Schlägen ausgesetzt sind und 3. leicht eingeklemmt werden können.
Ein Hengst, der an einem Hodenbruch leidet, ist zur Zucht nicht verwendbar. Wir kommen nun zu einem der wichtigsten Körperteile des Pferdes, nämlich zum Sprunggelenk. Die gewöhnlichen am Sprunggelenk vorkommenden Gebrechen sind:
Spat ist der gefürchtetste aller Knochenfehler. Man kann jedoch von ihm sagen, dass er im Ganzen genommen wie auch viele Menschenkinder „besser als sein Ruf ist". Bevor wir auf eine nähere Beleuchtung dieser Streitfrage eingehen, müssen wir uns aber einen genauen Einblick in den Bau des Sprunggelenkes verschaffen. Das Sprunggelenk ist kein einfaches durch die Verbindung zweier Knochen gebildetes Gelenk. Zwischen dem Schienbein nach unten und der Hinterröhre nach oben liegen nämlich nicht weniger als drei Reihen kleiner Knochen übereinander. Das Sprunggelenk ist daher ein sehr kompliziertes Gelenk, das sechs Knochen verschiedener Grösse und Form in sich schliesst. Die Biegung des Gelenkes wird beinahe ausschliesslich durch die obere Knochenreihe, auf der das Unterschenkelbein ruht, bewirkt (Fig. 779).
Die zwei unteren Knochenreihen sind platt und, eine sehr beschränkte gleitende Bewegung ausgenommen, nahezu unbeweglich. Ihre Aufgabe scheint weniger zu sein, den Gang zu fördern, als die Steifheit zu vermindern und Schutz gegen Stösse zu gewähren. Die verschiedenen Knochen des Sprunggelenkes sind mittelst kurzer, fester Bänder unter sich verbunden und das Ganze ist von breiten, glatten Bändern umkleidet, welche die Gelenkschmiere zurückhalten. Kein Teil ist fester von Bändern umschlossen als der innere und untere - der Sitz des Spates. Die äusseren Flächen der unteren Knochenreihen sind rau und eckig, wodurch sie den Bändern, die das Gelenk zusammenhalten, festen Halt bieten. Bei einem Pferde mit feiner Haut sind diese eckigen Knochenvorsprünge deutlich markiert und fühlen sich wie zwei querlaufende, durch eine schmale Grube voneinander getrennte, rückgratartige Erhöhungen an. Je kräftiger diese Erhöhungen entwickelt sind, desto besseren Halt gewinnen die Bänder und desto stärker ist das Sprunggelenk. Bisweilen zeigen genannte Knochenformen eine ganz besonders kräftige Bildung und haben wir es dann mit sogenannten „scharf abgesetzten" Sprunggelenken zu tun, eine ganz vortreffliche Sprunggelenksform, falls dieselbe tatsächlich nur durch die den Bändern zur Befestigung dienenden Knochenvorsprünge bedingt ist. Solche Vorsprünge oder Höcker müssen aber durch eine zwischen ihnen liegende Vertiefung deutlich voneinander getrennt sein. Der Spat hat stets einen konvexen Umriss, wohingegen gesunde Sprunggelenke doppelt konvexe Bildung zeigen. Die Untersuchung der Sprunggelenke kann auf die Art bewerkstelligt werden, dass man sich hinter dem Pferd aufstellt und von dort eine genaue Besichtigung der beiden inneren Sprunggelenkflächen vornimmt. Die unschädlichste aller Spatbildungen, d.h. jene, die ihren Sitz am untersten und rückwärtigsten Teile des Gelenkes hat, fällt, von hinten gesehen am meisten in die Augen (Fig. 780 u. 781). Im Allgemeinen werden jedoch Spatbildungen am deutlichsten wahrgenommen werden können, wenn man sich, das Gesicht dem Hinterteile des Pferdes zugewendet, neben der Schulter desselben aufstellt. Ein gesundes Sprunggelenk soll von dort aus dem Auge von dem obersten Knochenvorsprung bis zu dem Übergange in die Hinterröhre eine glatte, konkave Linie darbieten (Fig. 782a). An einem mit Spat behafteten Sprunggelenk zeigt diese konkave Linie dagegen an dem Punkt, wo das Gelenk sich mit der Hinterröhre vereinigt, eine Ausbuchtung (Fig. 782 b). Sind beide Sprunggelenke mit Spat behaftet, so lässt sich meistens ein Unterschied in der Grösse der Vorragungen wahrnehmen, wohingegen dieselben vollkommen symmetrisch erscheinen wenn beide Sprunggelenke zu der Kategorie der „scharf abgesetzten" gehören. Die Grösse der Spatgeschwulst hat weit weniger zu bedeuten als die Lage derselben. Wie bedeutend der Unterschied in der Grösse sein kann, zeigt Fig. 780.
Die Grösse allein fällt aber wie gesagt bei der Beurteilung des Spates nicht besonders schwer in die Waagschale, denn ein sehr grosser Spat kann unter Umständen das Pferd wenig oder gar nicht genieren, während eine kleinwinzige Spatbildung oft Anlass zu bedeutenden Lahmgehen gibt. Von grösster Bedeutung ist die Lage der Spat Erhöhung. Je näher der Spat an den oberen Knochenreihen sitzt, von denen, wie wir gesehen, die Beugungsfähigkeit des Gelenkes in erster Reihe abhängig ist, desto sicherer ist bedeutend und anhaltendes Lahmgehen zu erwarten. Auch nachdem alle Entzündungen verschwunden, muss ein Spat, der die oberen Teile des Gelenkes angegriffen hat, dadurch Lahmheit hervorrufen, dass er ein mechanisches Hindernis für die freie Bewegung bildet. Solche Lahmheit braucht allerdings nicht notwendig schmerzhaft zu sein, weshalb auch das betreffende Pferd möglicherweise trotz des Spates zu langsamer Arbeit ganz gut zu verwenden sein kann; wir werden uns aber hierbei immer vor Augen halten müssen, dass die mechanische Lahmheit stets gleich bleibt, wohingegen das mit Schmerzen verbundene Lahmgehen gewöhnlich verschwindet, wenn das Pferd infolge andauernder Bewegung warm geworden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich dem Leser auch ans Herz legen, sich bei der Beurteilung von Spatbildung nicht ausschliesslich auf seine Augen zu verlassen, sondern auch das Gefühl zu Hilfe zu nehmen. Fühlt der Untersuchende keine verdächtige Knochenerhöhung, wenn er mit den Spitzen des Mittel und Zeigefingers über die innere Fläche des Sprunggelenkes streicht und lahmt das Pferd nicht, so braucht man kein Wort über Spat bei dem betreffenden Tiere zu verlieren. Natürlich muss man aber hierbei vergleichende Untersuchungen an beiden Sprunggelenken vornehmen, die zu diesem Zwecke stets mit denselben Teilen derselben Hand getastet werden sollen. Das Gefühl nämlich nicht vollkommen gelichartig in den korrespondierenden links- und rechtsseiteigen Körperteilen, und so wie der Arzt dasselbe Ohr bei der Untersuchung beider Brustseiten benützt, müssen wir uns auch bei der Untersuchung des Spats derselben Hand und derselben Finger bedienen. Weshalb der Spat mit geringen Abweichungen stets dieselbe Lage einnimmt, ist eine naheliegende Frage. Der inwendige und untere Teil des Sprunggelenkes ist keineswegs besonders schwach, sondern im Gegenteil fester als die übrigen Bestandteile des Gelenkes durch schützende Bänder zusammengehalten. Nun lehrt uns aber die Anatomie, dass die Bänder an sehr beweglichen Gelenken länger und schlaffer als an Gelenken mit beschränkter Beweglichkeit sind. Werden erstere gewaltsamen Erschütterungen ausgesetzt, kann also eine Trennung der Knochenenden eintreten, ohne dass die Bänder ernsten Schaden nehmen, während dieselbe Einwirkung bei den zuletzt genannten Gelenken wohl eine Zerrung oder Zerreissung der Bänder, jedoch keine oder nur geringe Nachteile für die Knochen verursachen wird. Da aber das Sprunggelenk des Pferdes eine Vereinigung mehrerer Gelenke darstellt, von denen einige grössere, andere nur geringere Beweglichkeit besitzen, so ist es offenbar, das der schädliche Einfluss übermässiger Anstrengungen des Sprunggelenkes sich dort bemerkbar machen wird, wo die Bänder am festesten und kürzesten sind, d.h. an dem Sitze des Spats.
Die Auffassung der tierärztlichen Autoritäten über das Wesen des Spats ist lange Zeit sehr geteilt gewesen. Längere Zeit galt die Hypothese von Dyckerhoff, wonach der Spat seinen Ursprung haben soll in einer Entzündung des Schleimbeutels des medialen Schenkels des Schienbeinbeugers. Diese Ansicht hat jetzt keine Gültigkeit mehr. Nach den Arbeiten, welche Eberlein, die lange Zeit nicht richtig gewürdigten Ansichten des Italieners Gotti über den Spat aufnehmen, prüfend und bestätigend, über Wesen und Ursache des Spats vorgenommen hat und deren Richtigkeit allgemein anerkannt wird, charakterisiert sich der Spat in seinem ersten Stadium als eine Entzündung der Gelenkknochen an der Innenfläche des Sprunggelenkes, dem im zweiten Stadium eine mit Knochenwucherung (Austreibungen) verbundene Entzündung der Knochenhaut dieser Knochen folgt. In beiden Fällen kann das Pferd lahm gehen, doch findet sich eine ganz ausgesprochene Lahmheit hauptsächlich im ersten Stadium der Erkrankung. Mit absoluter Sicherheit festzustellen ist der Spat erst, wenn die Knochenwucherungen (Austreibungen) sichtbar sind. Infolge der Knochenwucherungen kommt es zu Verwachsungen zwischen den kleinen Gelenken des Sprunggelenkes und dadurch verminderter Biegsamkeit des ganzen Gelenkes. Gegen den Spat lässt sich wenig tun. Eine absolute Heilung kann bei seiner Natur nicht erzielt werden, man kann nur eine relative Heilung anstreben, d.h. eine Beseitigung der Lahmheit. Das bezweckt man mit dem Brennen vermittelst des glühenden Eisens. Die schleichende, chronische Entzündung wird durch das Brennen in eine akute verwandelt, nach deren Abheilung auch die Erstere beseitigt wird. Der Verknöcherungsprozess wird durch das Brennen beschleunigt. Das zweite Mittel, um der Spatlahmheit zu begegnen, wird durch das Durchschneiden der das Gefühl im Sprunggelenk vermittelnde Nerven angewendet. Ueber die Erblichkeit des Spates sagt Eberlein folgendes: „Von weitgehender Tragweite für die Pferdezucht ist schliesslich die Frage: Dürfen spatkranke Pferde für die Zucht verwendet werden? Mit Recht hebt Dyckerhoff gegenüber der früheren Anschauung hervor, das jeder konkrete Fall von Spat in dieser Beziehung eine besondere Beurteilung erfahren muss. Die Entzündung der Gelenkknochen, die Ursache für den Spat, verdankt einer mechanischen Verletzung derselben (Kontusion, Quetschung) ihre Entstehung und kann daher auch bei dem bestgebauten Sprunggelenk und Schenkel durch äussere Ursachen hervorgerufen werden. Es ist deshalb der Spat an sich nicht erblich. Wohl aber ist wissenschaftlich erwiesen, dass die mangelhafte Bauart der Sprunggelenke und die fehlerhafte Stellung der Schenkel, welche dem Pferde eine Anlage zur Spatkrankheit verleihen, vererbt werden. - Hieraus ergibt sich, das mit Bezug auf den Spat nur Pferde mit mangelhafter Beschaffenheit der Sprunggelenke und fehlerhafter Schenkelstellung einerseits und schlechtem Knochenbau überhaupt andererseits von der Zucht auszuschliessen sind." Ueber die Ursachen des Spates schreibt Eberlein: „Nach meinem Dafürhalten verdankt daher das erste Stadium beim Spat des Pferdes lediglich einer direkten und örtliche einwirkenden, mechanischen Schädlichkeit seine Entstehung. Quetschungen der kleinen Fusswurzelknochen sind also die gewöhnlichste Ursache der Entstehung des Spats. Für das Eintreten derartiger Quetschungen ist leider nur zu oft und aus sehr verschiedenen Gründen Gelegenheit geboten. Es ist deshalb die weitere Einleitung der ursächlichen Momente in eine äussere Ursache und eine innere Ursache für die praktische Beurteilung derselben von besonderem Vorteil. Als innere Ursachen kommen vor allen Dingen Überanstrengungen des Sprunggelenkes in Betracht, welche durch zu lange oder zu schnelle Bewegungen, kurzes Parieren, Springen, schnelle Wendungen, häufiges Steigen bei Deckhengsten, Ziehen von Lasten bergan, Arbeiten bei tiefem Boden usw. gegeben sein können. Ebenso können das wiederholte Ausgleiten beim Zuge schwerer Lasten und schlechter Beschlag die Ursache abgeben. Dass besonders das starke Niederschneiden der Trachten beim Beschlagen nachteilig wirken kann, hat Klemm experimentell nachgewiesen. Unter 15 Pferden, welche mit niederen Trachten versehen werden mussten, erkrankten 9 nach 1-2 Monaten an Spat. Ich selbst habe Gelegenheit gehabt, Klemms Angabe in einem Versuche nachprüfen zu können, und habe dasselbe Resultat erzielt. Peters hat besonders bei weichem, sumpfigem und unebenem Boden häufig Spat entstehen sehen. Er führt dies auf dem Umstand zurück, dass hierdurch die in gewissem Grade nötigen Drehbewegungen des Schenkels am Hufe gehindert und auf das Sprunggelenk übertragen werden. Die innere Ursache besteht in inneren Anlagen, welche durch den Bau und die innere Einrichtung des Sprunggelenkes, wie des ganzen Schenkels, des Temperaments und des Alters des Pferdes gegeben sind. Lässt schon das normal gebaute Sprunggelenk infolge seiner komplizierten Einrichtung eine besondere Disposition zu mechanischen Verletzungen erkennen, so ist dieselbe naturgemäss bei fehlerhaft gebauten Sprunggelenken noch grösser. Als in Bezug auf die Spatkrankheit nachteilige Gelenksformen sind zu nennen das schwache, kleine, flache, das schmale und geschnürte Sprunggelenk. Bei der flachen und schmalen Form habe ich häufig den sog. unsichtbaren Spat entstehen sehen. Die Folgezustände mangelhaft geformter Sprunggelenke machen sich umso mehr geltend, wenn sie durch eine fehlerhafte Stellung kompliziert sind. Geringfügige Abweichungen von der normalen Stellung der Sprunggelenke sind für die Entstehung des Spates ohne grössere Bedeutung. Dagegen begünstigt die säbelbeinige, kuhhessige und weite (fassbeinige) Stellung die Spaterkrankung. Der letzteren Bauart schreibt Peters eine besondere Disposition zum Spat zu. Ferner kommt auch der Bau der Kruppe und der Mittelhand des Pferdes für die Entstehung des Spates in Betracht. Die Beobachtung lehrt, dass Pferde mit sehr starker Beckenmuskulatur häufiger erkranken, besonders wenn die Fusswurzel nicht entsprechend kräftig gebaut ist. Es werden in diesem Falle zu grosse Anforderungen an die Festigkeit des Sprunggelenkes gestellt, welche dasselbe nicht gewachsen ist. In der gleichen Weise ist das häufige Vorkommen bei überbauten oder mit langem Rücken ausgestatteten Pferden zu erklären. Dass Pferde mit heftigem Temperament leichter als andere am Spat erkranken, hat bereits v.Sind im Jahre 1770 ausgesprochen. Derselbe sagt: „Der Spat ist eine Krankheit, welcher sehr viele Pferde unterworfen sind, insbesondere aber die Sanguinischen, welche alle ihre Arbeit mit Heftigkeit unternehmen." Ebenso wenig bedarf es einer Erklärung, dass Pferde im jugendlichen Alter leichter erkranken als ältere Tiere. Aus vorstehenden Ausführungen geht aber noch keineswegs hervor, warum gerade die innere Seite des Sprunggelenkes so sehr häufig erkrankt. Hierüber geben die Untersuchungen Herings Aufklärung, welcher nachgewiesen hat, „dass die Gesamtlast des Körpers immer mehr gegen die Mittellinie zu wirkt und somit auch die inneren Teile der Glieder bei vielen Stellungen und Bewegungen mehr zu tragen haben als die Aeusseren". Dazu kommt noch die Tatsache, welche Prosch zuerst betont hat, dass infolge der Anordnung der Gelenkkämme des Rollbeins wie Schraubengänge „der Fuss sich unter der Streckung ein wenig nach innen gegen den Mittelplan bewegt". Hierdurch wird der Druck besonders während der Streckung mehr auf die innere Seite des Gelenkes geleitet. Ich kann nach meinen Beobachtungen die Angaben Herings und Proschs nur bestätigen und erblicke ebenfalls in den oben beschriebenen Tatsachen die Ursache der häufigen Erkrankung der inneren Seite der Fusswurzel. Weiter fällt, wie ich früher ausgeführt habe, bei der anatomischen Untersuchung kranker Gelenke auf, dass die Beschädigung der Gelenksflächen immer einige Millimeter vom äusseren Rande der Knochen zuerst sichtbar wird. Die Ursache hierzu liegt nach meinen Ermittlungen in der Form der Gelenksflächen begründet. Präpariert man ein Sprunggelenk von dem umgebenden Gewebe und dem Kapselband bis auf die Seitenbänder frei und belastet es durch Druck mit den Händen, so kann man wahrnehmen, dass der Schliessungsrand der straffen Gelenke der Fusswurzel nicht mit dem äusseren Rande der Knochen zusammenfällt, sondern einige Millimeter - in der Regel 2 bis 3 mm, diese Zahlen wechseln - innerhalb des letzteren gelegen ist. Wir haben also an diesen Gelenken einen ähnlichen Zustand wie an den Herzklappen, nämlich eine Schliessungslinie, welche nicht mit dem äusseren Rande übereinstimmt. An diesem „Schliessungsrande" wird naturgemäss jede die Fusswurzel treffende mechanische Verletzung am stärksten wirken, so dass an den demselben entsprechenden Teilen des Knochens und Knorpels auch die ersten entzündlichen Veränderungen auftreten müssen, wie dies in der Tat immer der Fall ist. Ob nun das mit Spat behaftete Pferd lahm geht oder nicht - gesund ist dasselbe nicht mehr zu nennen. Es liegt allerdings im Bereiche der Möglichkeit, dass der Spat die Diensttauglichkeit des Tieres nicht beeinträchtigen wird; der Umstand, dass Knochenneubildungen an einem Gelenke entstehen, deutet aber dennoch auf das Vorhandensein krankhafter Anlagen, die jeden Augenblick dem Übel eine böse Wendung geben können. Die durch den Spat verursachten Schmerzen sind am bedeutendsten während der Entstehung desselben. Bei jungen Pferden ist der Spat weit bedenklicher als bei älteren. Bei ersteren steht nämlich immer zu befürchten, dass Arbeit das durch Ruhe und zweckmässige Behandlung innerhalb gewisser Grenzen gehaltene Übel verschlimmern könnte. Bei älteren Pferden dagegen pflegen die Spataustreibungen sich nicht mehr zu verändern und die Neigung zur Neubildung von Knochenmasse minder lebhaft zu sein. Unter der Voraussetzung, dass der Spat die Bewegung nicht oder doch nur wenig behindert, kann das betreffende Tier deshalb bei passender Arbeit vollkommen diensttauglich erhalten bleiben. Die Spatlahmheit äussert sich auf verschiedene Art. Kürzlich entstandener Spat ist von beständiger Lahmheit begleitet; wohingegen die Lahmheit, wenn die Knochengeschwulst zu voller Entwicklung gelangt ist, sich hauptsächlich beim Verlassen des Stalles oder nach auf anstrengende Arbeit folgendem Stehen bemerkbar macht. Es kommt auch vor, dass die Lahmheit, falls sie nicht unter dem Einfluss harter Arbeit zu grösserer Entwicklung gebracht wird, ganz unbedeutend ist, aber dennoch immer deutlich hervortritt, sobald das Pferd sich im Stande umdreht. In solchen Fällen kann die Spatlahmheit ebenso gut im Stalle als draussen entdeckt werden. Anhaltende Spatlahmheit veranlasst das Pferd, auf den Zehen zu gehen, und ist häufig von Muskelschwund auf der Kruppe und Oberschenkel begleitet. Während der Schrittbewegung ist eine geringere Spatlahmheit schwer zu bemerken. Dagegen empfinden die meisten spatlahmen Pferde grosse Schmerzen beim Traben. Beim Galoppieren verteilt sich das Gewicht bekanntlich nicht gleichmässig auf die beiden Hinterfüsse. Deshalb fallen auch gewöhnlich Pferde, die auf einem Fuss spatlahm sind, gern aus dem Trab in die Galoppbewegung, um so das gesunde Bein stärker in Anspruch zu nehmen. Bei manchen Pferden macht sich die Spatlahmheit nur durch eine ziehende Bewegung mit dem erkrankten Bein bemerkbar. Andere treten nur mit den Zehen auf, war zur Folge hat, dass die Trachten allmählich ihre normale Form verlieren und höher werden. Mitunter kann man während der Bewegung auch eine Verdrehung des Beines konstatieren. Alle diese Symptome haben jedoch nichts Charakteristisches, weshalb ich auch nicht an die Möglichkeit glaube, aus dem Trab eines Pferdes auf das Vorhandensein von Spat zu schliessen. Nichtsdestoweniger haben die erwähnten Symptome insofern grossen Wert für die Diagnose, als sie in Ermanglung anderer Krankheitserscheinungen die Untersuchung auf die richtige Fährte leiten können. Ganz besonders schwierig gestaltet sich die Untersuchung, wenn das Leiden noch zu keiner sichtbaren Neubildung von Knochenmasse geführt hat. Es kann z.B. vorkommen, dass das Pferd 5-6 Monate an Spatlahmheit leidet, ohne dass Austreibungen zu sehen sind. Meistens pflegt aber doch die Knochengeschwulst nach Verlauf von 3-4 Wochen deutlich hervorzutreten. Die Untersuchung eines spatverdächtigen Pferdes geschieht am zweckmassigsten auf hartem, ebenem Boden. Nachdem beide Sprunggelenke einer genauen Besichtigung unterzogen worden, wird das Pferd mit langen Zügeln im kurzen Trab vorgeführt. Im Galopp wird, wie bereits erwähnt, die Spatlahmheit weniger deutlich markiert. Als allgemeine Regel gilt, dass die Pferde, wenn das linke Sprunggelenk angegriffen ist, lieber rechts galoppieren und umgekehrt. Oft ist das mit Spat behaftete Sprunggelenk auch so steif, dass es nur mit grossen Schmerzen gebeugt werden kann. Selbstverständlich wird das Pferd in diesem Falle auf die eben erwähnte Art galoppieren, denn wir wissen, dass im Galopp das am weitesten zurückgestellte Sprunggelenk am wenigsten gebeugt zu werden braucht. Bei einer geringfügigen Spatlahmheit wird die Diagnose durch folgende Untersuchung oft bedeutend erleichtert. Das Pferd wird auf ebenem Boden gerade hingestellt. Der einer Spatlahmheit verdächtige Fuss wird am Röhrenbein erfasst, in die Höhe geschoben und an der nach hinten emporgehobenen Fussspitze etwa 2-3 Minuten so festgehalten, dass alle Gelenke möglichst stark gebeugt sind. Hierauf lässt man das Tier sofort im Trab angehen. Ist dasselbe mit Spatlahmheit behaftet, so beobachtet man, dass es 10 bis 20 Schritte weit eine stärkere Lahmheit zeigt, als vorher. Zuweilen haben sich die Schmerzen für den Augenblick sogar so bedeutend vermehrt, dass die Tiere mit dem spatkranken Fuss einige Schritte weit den Boden gar nicht berühren (auf drei Füssen springen) oder nur mit der Fussspitze auftreten. In gleicher Weise zeigen sich die Pferde, wenn sie beim Beschlagen das spatkranke Sprunggelenk in einer gebeugten Stellung halten müssen, für einige Minuten unfähig, dasselbe zu belasten. Die Sprunggelenksgalle, auch „Blutspat" genannte, stellt sich dar als zwei rundliche, weiche, fluktuierende, schmerzlose Schwellungen, von denen die eine aussen, oben und hinten am Sprunggelenk in der Gegend des Schienbeinendes, die andere innen und unten, etwas vor dem Punkte, wo der Spat sitzt, zu erscheinen pflegen. Mehr Schönheits- als Gebrauchsfehler, sind die Gallen nur dann zu fürchten, wenn sie sich verhärten und einen gespannten, steifen Gang veranlassen. Die Hasenhacke ist eine an der Rückseite des Sprunggelenkes, in der Höhe des unteren Endes vom Sprungbein vorkommende, länglich runde Erhabenheit (Fig. 783 und 785), die durch Überlastung des Sprunggelenks hervorgerufen wird, z.B. wenn das Pferd beim Schnelltraben, Springen, Bäumen usw. die Hinterfüsse weit unter den Rumpf stellt. In scharfem Winkel stehende Sprunggelenke werden daher auch häufiger als andere von der Hasenhacke betroffen.
Das gleiche gilt von solchen Sprunggelenken, deren Kahnbeine sowie das obere Ende des Schienbeines geringen Umfang haben, während der Kopf des äusseren Griffelbeines und die rückwärtige Fläche des Würfelbeines vergrössert sind. Diese Bildung, bei der von der Geburt an die das untere Ende des Sprungbeines mit dem Würfelbeine und dem Kopfe des äusseren Griffelbeines verbindenden Bänder über Gebühr angestrengt werden, gibt dem Sprunggelenk eine scharfe Winkelstellung zur Hinterröhre (Fig. 784 und 785). Der Engländer nennt solche Sprunggelenke „curby hocks", d.h. zu Hasenhacken disponierte Sprunggelenke. Die Linie von der Spitze des Sprungbeins bis zur Hinterröhre soll, von der Seite gesehen, vollkommen rein sein und keinerlei Ausbuchtungen zeigen. Bei sehr kräftigen Sprunggelenken pflegt jedoch der Kopf des äusseren Griffelbeines besonders breit und vorragend zu sein, dieselben können daher bei flüchtiger Besichtigung den Eindruck machen, als ob sie mit Hasenhacken behaftet wären. Fühlt man aber mit der Hand nach, so zeigt es sich, dass die mittlere Partie der Rückseite des Sprunggelenks klar ist. Bei einem volljährigen mit im Übrigen gut gebauten Sprunggelenken ausgerüsteten Pferde darf einer etwa vorkommenden Hasenhacke nur die Bedeutung eines Schönheitsfehlers zugemessen werden. Ein einziger, energischer Freudensprung kann ja bei jedem Pferde nach Hasenhacke hervorrufen. Solche Sprunggelenke pflegen auch, nachdem einige Zeit seit dem Auftreten der Hasenhacke verflossen, widerstandsfähiger zu werden als zuvor. Sogar fehlerhaft gebaute Sprunggelenke können durch die Hasenhacke gewissermassen verbessert werden, denn dieselbe ist in vielen Fällen nichts Anderes als das Resultat gelungener Bemühungen der Mutter Natur, dem schwachen Teil des Sprunggelenkes eine Stütze zuteilwerden zu lassen. Bei jungen Pferden mit schmalen, übermässig gewinkelten Sprunggelenken ist dagegen die Hasenhacke ein umso bedenklicheres Anzeichen, wenn die Tiere noch zu keiner anstrengenden Arbeit herangezogen worden sind. Kleine Hasenhacken, wie sie bisweilen bei Fohlen entstehen, verschwinden gewöhnlich während der weiteren körperlichen Entwicklung. Piephacke nennt man eine auf der Spitze des Sprungbeines vorkommende, durch Schlag oder Stoss hervorgerufene Quetschgeschwulst, die selten Lahmgehen veranlasst. Pferde mit Piephacke erregen jedoch stets den Verdacht, dass sie Standschläger sind. Dass Piephacken häufiger bei weiblichen als bei männlichen Tieren vorkommen, hat seine Erklärung darin, dass die Stuten während ihrer Rossigkeit ihre Sprunggelenke oft in unsanfte Berührung mit den Standwänden bringen. Bei der auf die Entdeckung von etwaigem Lahmgehen gerichteten Musterung in der Bewegung halte man als leitendes Prinzip fest, dass man es hierbei mit harten und weichen Körperteilen zu tun hat. Die harten, wie z.B. die Knochen, zeigen ihre Gebrechen am deutlichsten, wenn sie Stössen und Erschütterungen ausgesetzt werden; die Weichen, wie z.B. die Muskeln, deren Aufgabe ist, sich abwechselnd zusammenzuziehen und auszudehnen, lassen sich am sichersten während der Ausübung dieser Funktion erproben. Wir wollen nun nachsehen, wie dieses Prinzip in der Praxis anzuwenden ist. Ein Umstand, der bei Musterungen der hier in Rede stehenden Art vor allem beachtet zu werden verdient, ist, ob das Pferd auf ehrliche oder trügerische Weise vorgeführt wird. Die Mittel, deren sich betrügerische Händler bedienen, um die Musterung eines mit allerhand Gebrechen behafteten Pferdes illusorisch zu machen, sind gewöhnlich folgende: Bevor das Pferd aus dem Stalle genommen wird, versetzt man es durch kräftigen Gebrauch der Peitsche in eine solche Aufregung, dass es die etwa vorhandenen Schmerzen vergisst und beim geringsten Peitschenknall die tollsten Sätze macht. Für die Musterung wird der weichste Boden gewählt, der nur aufzutreiben ist. Trotzdem vermeidet es der Händler, das Pferd im Trab vorzuführen. Sollte der Kaufliebhaber darauf bestehen, dass ihm auch die Trabaktion des Pferdes gezeigt werde, so weiss der vorher genau instruierte Stallknecht, was er zu tun hat. Das beklagenswerte Tier wird dann mit hochgehaltenem Kopfe an kurzen Zügeln vorgeführt. Hierdurch beugt man dem verräterischen Kopfnicken vor, das sonst bei jedem Schritt das sorgfältig gehütete Geheimnis aufdecken würde. Geht das Pferd vorne lahm, so führt der Knecht es auf der gesunden Seite und sorgt dafür, dass der Pferdekopf von dem leidenden Fusse abgewendet wird oder auch wird das Tier auf scharfer Stange und mit festangezogener Kinnkette vorgeritten. Selbstverständlich macht der Händler während dieser Produktion fleissigen und wohlberechneten Gebrauch von seiner Peitsche, so dass das Pferd keinen Augenblick reine Gänge zeigt und stets im rechten Augenblick, d.h. sobald die Trabbewegung ihre Wirkung auf das vorhandene Leiden auszuüben beginnt, in Galopp fällt. Die Schuld an den unreinen, zappelnden Gängen wird dann stets dem „ungeschickten Knechte" in die Schuhe geschoben. Dieser aber scheint jedes Ehrgefühl bar und noch dazu stocktaub zu sein, denn alles Schimpfen ist vergeblich - der Kerl lässt sich nicht dazu bewegen, seine eigentümliche Methode in irgendeiner Richtung zu ändern. Sollte das Pferd auf einem Vorderhufe lahm sein und steht zu befürchten, dass die Musterung nicht glatt ablaufen werde, so wird der gesunde Fuss vorher so nachdrücklich mit dem Wirkmesser bearbeitet, dass das Pferd auf demselben klamm gehen muss. Wird dann das Lahmgehen entdeckt, so hat „dieser Esel von einem Hufschmied" beim letzten Beschlagen wieder seine totale Unbrauchbarkeit bewiesen! Zu den ehrlichen Musterungen übergehend, glaube ich nochmals daran erinnern zu müssen, dass die Lahmheit eines Pferdes schon bei der ersten Besichtigung im Stalle entdeckt werden kann. Ein gesundes Pferd schont beim Stehen oft einen Hinterfuss, steht aber ruhig und sicher auf beiden Vorderfüssen. Die Hinterfüsse werden abwechselnd geschont, was aber die Vorderfüsse betrifft, belastet das Pferd dieselben gleichmässig, was nicht ausschliesst, dass der eine oder andere Vorderfuss bisweilen etwas vorgeschoben wird. Ganz anders benimmt sich das lahme Pferd. Dieses schont stets den kranken Fuss mehr oder weniger auffällig. Sitzt das Übel z.B. im vorderen Teile des Hufes, so tritt das Pferd mit den Fersen auf, sind dagegen die rückwärtigen Partien auf irgend eine Weise angegriffen, bemüht sich das Pferd nur mit der Zehe aufzutreten. Ersteres geschieht gewöhnlich bei Hufentzündung und Ringbein, letzteres bei Strahlbeinlähme. Sollte das Übel dagegen in einem der Hinterhufe sitzen, so vermeidet das Pferd gänzlich denselben zu belasten. Lahmheit zeigt sich bisweilen auch auf die Art, dass das Pferd beständig das Geweicht von einem Fuss auf den anderen verlegt. Besonders charakteristisch sind aber die Symptome der Ellbogen- und Schulterlähme. Bei ersterer wird der Unterarm gestreckt und die Vorderfusswurzel gebogen; bei letzterer ist sowohl die Zehe als das ganze Bein nach rückwärts gerichtet. Bei der rheumatischen Hufentzündung (Rehe) steht das Pferd mit vorgestreckten Vorderbeinen, um die Hufe so viel als nur möglich zu entlasten. Pferde, die an Strahlbeinlahmheit leiden, pflegen beinahe den ganzen Tag zu liegen. Geringe Spatlahmheit, sowie Hahnentritt können, wie bereits erwähnt, ziemlich sicher beobachtet werden, wenn das Pferd veranlasst wird, im Stande von einer Seite zur anderen überzutreten oder sich ganz umzudrehen. Man wird dann bemerken, dass das Tier sein Gewicht schneller auf das eine als auf das andere Hinterbein überträgt. Letzteres ist in diesem Falle der Sitz der Lahmheit. Die Lahmheit muss schon sehr bedeutend sein, wenn das Pferd sie während der Schrittbewegung zeigen soll. Langsamer Trab auf hartem, aber ebenem und steinfreiem Boden wird jedoch die verdächtigen Symptome bald herauspressen. Das Pferd wird hierbei an langen Zügeln geführt; man gestatte dem Knecht nicht, irgendwie auf die Haltung des Tieres einzuwirken. Der Trab, der kaum langsam genug sein kann, beginne sofort, nachdem das Pferd den Stall verlassen. Der musternde Fachmann stellt sich in einer Entfernung von ungefähr 20 Metern vor dem Pferde und links von demselben auf, um genau beobachten zu können, ob das Tier nicht etwa, sei es auch nur einen noch kurzen Moment, einen Fuss länger als die Anderen belastet und beim Gehen mit dem Kopfe nickt. Sollte dies der Fall sein, so kann mit Sicherheit angenommen werden, dass der Fuss, der schneller erhoben wird, mit irgend einem Leiden behaftet ist und dass das Pferd, um sein Gewicht so viel als möglich auf den gesunden Fuss zu übertragen, nicht, wenn es diesen niedersetzt. Eine Ausnahme von dieser Regel findet nur dann statt, wenn das Pferd hinten sehr lahm geht, z.B. auf dem rechten Hinterfuss. In diesem Falle wäre es nämlich auch möglich, dass das Nicken gleichzeitig mit dem Erheben des rechten Vorderfusses stattfände, nachdem hierdurch eine Entlastung der Hinter- und eine vermehrte Belastung der Vorderhand bewirkt wird. Ist das Pferd vorne sehr lahm, pflegt es bei jedesmaligem Niedersetzen des kranken Fusses mit dem Kopfe in die Höhe zu schnellen, um so das Gewicht auf die Hinterhand zu übertragen. Je grösser der Schmerz ist, desto energischer gestaltet sich diese Bewegung des Kopfes, desto nachdrücklicher geschieht auch das Auftraten mit dem gesunden Vorderfusse. Ein Pferd, das auf beiden Vorderfüssen lahm ist, macht dagegen ganz kurze trippelnde Schritte - der Engländer sagt: „es geht wie eine Katze auf heissen Ziegeln" - und die Bewegung des Körpers sind schwankend. Man wird in solchen Fällen gut tun, das Tier ein wenig auf weichem Grasboden traben zu lassen. Zeigt sich hierbei eine merkbare Besserung in der Bewegung, so war der Verdacht berechtigt. Nachdem der grössere Teil des Körpergewichts von den Vorderfüssen getragen wird, lässt sich das längere Verweilen auf dem gesunden Fusse bei Lahmheit in einem Hinterfuss nur dann deutlich wahrnehmen, wenn der Schmerz beim Auftreten sehr bedeutend ist. Dagegen wird sich das Pferd aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Art Linderung verschaffen, dass es das schmerzende Glied weniger beugt. Dies kann aber nicht geschehen, ohne dass die Hüfte auf der kranken Seite bei jedem Schritt gehoben wird. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Kruppe des Pferdes, nachdem dasselbe vorbeigetrabt, auch von hinten zu beobachten, eine Vorsichtsmassregel, die umso weniger ausser Acht zu lassen ist, als die bei Kreuzlahmheit entstehende schwankende, schleppende Bewegung des Hinterteils sonst leicht unbeachtet bleiben könnte.
Ein weiteres charakteristisches Anzeichen ist, dass sich das lahme Pferd beim Gehen der gesunden Seite zuneigt. Bei einer Lahmheit links wird sich der Körper des Pferdes also nach rechts hinüberneigen und umgekehrt. Nachdem das Pferd ungefähr 20 - 30 Meter vorbeigetrabt, lässt man es schnell nach einer Seite, z.B. der rechten, wenden und gibt nun genau acht, wie es sich hierbei seines rechten Hinterfusses bedient. Das nächste Mal geschieht die Wendung nach links, damit der linke Hinterfuss ebenfalls beobachtet werden kann. In dem Moment, wo das Pferd vorbeitrabt, bietet sich auch die Gelegenheit, nachzusehen, ob die Trabaktion auf beiden Seiten ganz gleich ist. Wie die sog. Spatprobe vorgenommen wird, ist bereits geschildert worden. Bevor wir das Pferd nun wieder in den Stall zurückführen lassen, werden wir noch zu untersuchen haben, ob sich beim Rückwärtstreten kein auf Kreuzlähmung oder Lendenlahmheit bedeutender Anstand ergibt. Hat das Pferd während der hier beschriebenen Untersuchung keine Symptome von Lahmheit gezeigt, so wird es in den Stall zurückgeführt, wo man es einige Stunden ruhig stehen lässt, um es dann zum zweiten Mal herauszunehmen und noch einmal gründlich zu mustern. Erst wenn das Pferd auch in dieser zweiten Prüfung bestanden, brauchen wir uns, was das Gangwerk betrifft, nicht weiter zu sorgen.
Bevor ich die Beschreibung der auf Entdeckung von Lahmheit gerichteten Untersuchung abschliesse, glaube ich, dem Leser noch einige Anweisungen für zweifelhafte Fälle geben zu müssen. Ein Pferd, das vorne lahm ist, hält gewöhnlich die Fessel des angegriffenen Fusses steiler als die anderen. Eine Ausnahme von dieser Regel tritt jedoch bei Hufentzündungen ein, denn von diesem Leiden betroffene Pferde verlegen das Gewicht auf die Fersen. Hat die Lahmheit ihren Sitz in der Hinterhand, so wird die Hüfte auf der kranken Seite höher als auf der gesunden erhalten. Dies zur Beachtung in solchen Fällen, wo man nicht im Klaren darüber ist, auf welcher Seite das Pferd lahm geht. Gilt es dagegen etwa entstandene Zweifel bezüglich der Frage, ob die Lahmheit ihren Sitz in der Vorder- oder in der Hinterhand hat, zu zerstreuen, so gibt es kein besseres Mittel als die Hüftlinie zu beobachten, denn wie bereits erwähnt, hat jede Lahmheit in der Hinterhand zur Folge, dass die betreffende Hüfte während der Bewegung bei jedem Tritte nach aufwärts zuckt. Recht schwierig kann es bisweilen auch sein, zu entscheiden, ob die Lahmheit im Beine oder in der Schulter sitzt. Neunmal unter zehn ist ersteres der Fall, jedoch liegt es natürlich nicht ausser dem Bereich, dass ein schulterlahmes Pferd das Lahmgehen auf tiefem, weichem Boden mehr als auf hartem markiert, während das Gegenteil bei solchen Pferden stattfindet, deren Lahmheit von einem Fussleiden herrührt.
Ausserdem führt das schulterlahme Pferd den kranken Schenkel auf eine steife, zögernde, schleifende oder mähende Art. Eine gute Methode, Lahmheit in den Vorderbeinen zu konstatieren, ist auch, das Pferd eine geringe, aber steile und harte Anhöhe heruntertraben zu lassen. Sitzt das Übel wirklich in einem der Vorderbeine oder in beiden, so muss die Lahmheit hierdurch deutlicher zum Vorschein gebracht werden. Abnorme Wärme an der Krone, der Hufwand oder der Sohle, sowie stark pulsierende Schienbeinarterien sind sichere Anzeichen eines Hufleidens, weshalb in zweifelhaften Fällen die Temperatur des Hufes und der Sohle stets genau zu untersuchen ist. Da indessen nicht jedermann ein so feines Gefühl in der Hand hat, dass er imstande wäre, kleine Temperaturunterschiede mit derselben wahrzunehmen, empfiehlt es sich, dünnen Lehmbrei auf die verdächtige Stelle zu streichen. Dieser Brei trocknet schneller an solchen Körperteilen, in denen die Entzündung eine höhere Wärme entwickelt hat und geben somit die lichteren Flecke den Sitz des Übels an. Sollte das Pferd, obwohl kein Hufleiden an demselben konstatiert werden konnte, auf hartem Boden stärker lahmen als auf weichem, so ist Grund zu der Annahme vorhanden, das das Tier z.B. mit Spat, Überbein, Schale oder dgl. behaftet ist. Jede Lahmheit, die von den Muskeln, Sehnen oder Bändern ausgeht, nimmt mit bei der Trabbewegung auf weichem Boden zu. Zeigt sich dies an einem Hinterbein, so können wir in den meisten Fällen versichert sein, dass das Leiden in einer Spat-Austreibung wurzelt. Rheumatische Lahmheit entsteht und verschwindet gleich plötzlich und wechselt häufig ihren Sitz. Von Lahmheit begleite Leiden in Lende oder Kreuz werden bisweilen übersehen, wenn das Pferd nur gerade ausgeht, sowie wir aber das Tier rückwärts treten lassen, verrät uns die steife, schwankende Bewegung allsogleich dessen vollständige Dienstuntauglichkeit. Das zur Musterung vorgeführte Pferd lasse man auf hartem Boden traben, auf weichem galoppieren. Bei letzterer Gelegenheit wird auch der Atem geprüft. Da man aber hierzu sowohl sehen als hören muss, ist dem betreffenden Knechte einzuschärfen, nicht zu weit mit dem Pferde davonzurennen oder zu reiten. Besser noch als das Tier selbst zu reiten, ist, dasselbe an die Longe zu nehmen, wo man dann, besonders wenn hierzu weicher Sandboden gewählt wird, jeden Atemzug hören kann. Von allen den Proben, denen ein Pferd behufs Untersuchung der Atmungsorgane unterzogen werden kann, ist jedoch die zuverlässigste, entweder einspännig oder zweispännig scharf bergauf oder in tiefem Sande zu fahren. Kein Roarer, auch wenn sein Übel sich noch im ersten Entwicklungsstadium befinden würde, kann hierbei den verräterischen schnarchenden oder pfeifenden Ton unterdrücken. Leider ist die Methode nur bei schon gefahrenen Pferden anwendbar. Die Kommission, die von der französischen Gestütsverwaltung beauftragt ist, die von Staats wegen zum Ankauf vorgeschlagene Hengste auf ihren Gesundheitszustand zu untersuchen, ist verpflichtet, jeden Hengst je nach Wunsch des Besitzers entweder longieren oder reiten zu lassen. Zur Prüfung der Atmungsorgane wird stets eine Anhöhe gewählt, deren Kamm den Standpunkt der Kommission bildet. Die erste Obliegenheit der Kommission ist, zu konstatieren, ob das betreffende Pferd im Übrigen gesund ist oder nicht und ob der Kehlriemen nicht zu fest geschnallt ist. Darauf erhält der Reiter den Befehl, die Anhöhe zuerst im Trab und dann im Galopp hinaufzureiten, in demselben Moment aber, wo er bei der Kommission anlangt, plötzlich zu parieren und die Zügel auf den Hals des Hengstes zu legen. Gibt das Pferd nun keinen verdächtigen Laut von sich, so wird das Experiment der grösseren Sicherheit wegen in derselben Weise wiederholt. Dass es bisher keinem Roarer gelungen, unentdeckt durch die Prüfung hindurchzuschlüpfen, glaube ich den Franzosen immerhin. Bisweilen lässt das Pferd, wenn es scharf pariert wird, ein sonores hohl klingendes Geräusch hören, das nicht unbedingt als Roaren, aber jedenfalls als verdächtig zu bezeichnen ist. In solchen Fällen wird das Tier einer weiteren Prüfung unterzogen, indem man es an der Longe galoppieren lässt. Mit Bezug hierauf sei erwähnt, dass der Galopp, gleichviel welchem Schlage das Pferd angehört, bei derartigen Prüfungen als die einzige anwendbare Gangart anzusehen ist. Roart das Pferd nicht, nachdem es ungefähr 10 Minuten an der Longe galoppiert hat, so versucht man es durch eine plötzliche drohende Gebärde dazu zu bringen, seinen Satz nach rückwärts zu machen. Diese Bewegung wird dem Roarer aller Wahrscheinlichkeit nach einem schnarchenden Laut abpressen, und obgleich viele Tierärzte der Ansicht sind, dass solches Schnarchen keineswegs als Zeichen von Roaren anzusehen ist, glaube ich doch, dass die meisten Fachmänner Anstand nehmen würden, einem Pferde, das diesen Laut von sich gegeben, ein schriftliches Gesundheitsattest auszustellen. Damit soll durchaus nicht bestritten werden,, dass bei nervösen Pferden durch plötzliche drohende Bewegungen mit dem Stocke ein halbunterdrückter schnarchender Ton herausgelockt werden kann; das charakteristische, entschiedene Schnarchen des Roarers ist aber stets ein bedenkliches Anzeichen, auch wenn an dem Tiere bei den vorhergegangenen Galoppproben kein hörbares Atmen wahrgenommen worden sein sollte. Aus diesem Grunde ist auch das besonders in England bei den öffentlichen Pferdeauktionen sehr beliebte empirische Verfahren, das zur Musterung vorgeführte Pferd, nachdem man es gegen die Wand gestellt und ihm den Kopf hoch genommen, mit dem Stock oder durch einen Rippenstoss zu erschrecken, keineswegs so unvernünftig, als es wohl den Anschein hat. Nur muss der betreffende zwischen dem verdächtigen und dem unbedenklichen Schnarchen unterscheiden können. Leider lässt sich dieser Unterschied nicht beschreiben; die Erfahrung allein lehrt, worin derselbe besteht. Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, dass es Pferde gibt, die beim Galoppieren ganz normal atmen, aber beim ersten Sprung über ein Hindernis sich als brüllende Roarer entpuppen. Solche Tiere gehören jedoch zu den Ausnahmen. Einige Pferde, besonders Hengste, atmen in aufgeregten Zustande sehr hörbar, ohne deshalb irgendwie an Atmungsbeschwerden zu leiden; auch gibt es bei einigen Pferden eine bei jedem Galopp hervortretende Hartschnaufigkeit, die, obgleich von sehr leistungsfähigen und gesunden Atmungsorganen zeugend, Ähnlichkeit mir Roaren hat, jedoch nur darin besteht, dass taktmässig im Sprung nach vorwärts die Luft in harten schnaubenden Tönen ausgestossen wird, während das Schnarchen des Roarers durchweg beim Einatmen hörbar wird. Nach dem Ergebnis mehrfach vorgenommener Obduktionen beruht das eigentliche Roaren beinahe immer in einer, meist linksseiteigen Nervenlähmung (Lähmung des nervus recurrens) und einem dadurch bedingten Schwund der Kehlkopfmuskulatur; jedoch wird es auch bei Verengerung der Nasenhöhle hörbar, ist aber dann mehr schnaubend oder Zischen, als bei ob genannter Muskellähmung. Inwiefern ein Roarer zu anstrengender Arbeit in beschleunigter Gangart zu benützen sein wird oder nicht, hängt von dem Grade des Übels ab. Es gibt nämlich Roarer, die ohne andere Angelegenheit als das musikalische Pfeifen Jagd geritten werden können, wohingegen andere schon in langsamem Zug zu ersticken drohen. Da indessen das Übel stetig zunimmt und nur - jedoch durchaus nicht mit Sicherheit - durch die von Dr. H. Möller angewendete und empfohlene Resektion des ganzen Gieskannenknorpels geheilt werden kann (siehe „Das Kehlkopfpfeifen der Pferde" von Dr. H. Möller), rate ich dem Leser, jedem noch so leistungsfähigen Roarer aus dem Wege zu gehen. In Schweden, Norwegen und Island gehören Roarer zu den grössten Seltenheiten, ebenso in Australien, Neu-Seeland und dem Kaplande, ja, dorthin ausgeführte Roarer sollen sogar von dem Leiden genesen. Interessant ist auch, dass die in Ermoor, Dartmoor und Wales gezogenen Ponies, wie überhaupt alle zur Ponyrasse gehörenden Pferde, beinahe nie Roarer werden. Dies dürfte vielleicht der gedrungenen Halsform der Ponies zuzuschreiben sein, denn häufig disponieren Pferde mit langen, dünnen Hälsen ganz besonders zum Kehlkopfpfeifen. Dämpfigkeit oder chronische Kurzatmigkeit ist gewöhnlich die Folge von durch chronischen Lungenkatarrh hervorgerufener krankhafter Veränderung der Lungen, bisweilen auch von Herzfehlern. Die Erscheinungen sind; beschleunigtes, angestrengtes Atmen mit unnatürlicher Erweiterung und Bewegung der Nasenlöcher, Erhebung der Rippen und Bildung einer rinnenartigen Vertiefung hinter denselben - die sog. Dampfinne - wellenförmiges, stossweise erfolgendes Flankenschlagen und ein eigentümliches, doppelschlägiges, d.h. in zwei Absätzen, der erste kurz, der zweite länger erfolgendes Ausatmen, wobei, wenn das Übel einen höheren Grad erreicht hat, der ganze Körper erschüttert wird und ein Ein- und Austreten des Afters (ersteres beim Aus-, letzteres beim Einatmen) stattfindet. Hiermit ist in der Regel ein kurzer, kraftloser, dumpfer Husten verbunden. Die Atemnot steigert sich bei schneller und andauernder Bewegung ganz unverhältnismässig, die Tiere schwitzen leicht und es dauert stets eine längere Zeit bis sich das Atmen wieder beruhigt. Dass eine so deutlich ausgesprochene Krankheitsform schwerlich der Aufmerksamkeit des die Musterung besorgenden Fachmannes entgegen kann, wenn die Prüfung der Atmungsorgane auf die eben beschriebene Art vorgenommen wird, liegt auf der Hand. Indessen nimmt der Dampf oft einen sehr schleichenden Verlauf und es ist deshalb immer geraten, genau zu beobachten, ob längere Zeit vergeht, bis sich das Tier nach schneller, anstrengender Bewegung wieder beruhigt. Aus demselben Grunde lasse man das Tier husten. Dies wird auf die Art bewirkt, dass man die linke Hand auf das Genick des Pferdes legt und mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten einen leisen Druck am Kehlkopf ausübt. Die meisten Pferde - jedoch nicht alle - husten dann, gesunde laut, gedehnt, kräftig, Lungenkranke kurz, rau, trocken, wie Schwindsuchtspatienten. Wer nicht gelernt hat, zwischen diesen zwei Hustenarten zu unterscheiden - was durchaus nicht so leicht ist - kann aber ebenso gut an seinem eigenen Kehlkopf herumdrücken, denn ihm ist jeder Husten ein unverständlicher, krächzender Laut.