Arthrose ist eine entzündliche, nicht infektiöse Gelenkserkrankung. Arthrosen gehen mit einer Veränderung des stossdämpfenden Knorpels und/oder der gelenknahen Knochen einher. Durch die Veränderungen im Gelenk können auch andere gelenknahe Strukturen (Sehnen, Bänder, Schleimbeutel etc.) überbeansprucht werden und sich entzünden. Im Extremfall führen die Veränderungen im Gelenk auch zu einer mechanischen Einschränkung, welche sich durch die Einbusse der Bewegungsfreiheit des Gelenkes, bis hin zur Versteifung desselben zeigen kann.
Als Ursachen der Arthrosen kommen verschiedene Faktoren in Frage - die entgegen der häufigen Meinung: „Arthrose = Alterskrankheit" - jedoch schon bei jungen, heranwachsenden Pferden vorhanden sind.
1. Angeborene Entwicklungsstörungen und Gelenksdeformationen (Osteochondrose, Stellungsfehler usw.) 2. Jahrelanger falscher Hufbeschlag oder falsche Hufstellung 3. Bewegungsmangel (Boxenhaltung) insbesondere bei jungen Pferden im Wachstum 4. Falsche oder einseitige Gelenksbelastungen (extreme Belastungen im Sport- oder Freizeit- reiten)
verstärkt oder verschlechtert werden die Beschwerden durch weitere Faktoren:
1. Übergewicht des Pferdes 2. Übersehen der Lahmheit (vor allem bei Hinterhand-Lahmheiten) auch bei „Fachleuten" (Trainer, Tierärzte usw.) und demzufolge das Weiterbeanspruchen des Tieres 3. Mangelhafter Beschlag/Hufbearbeitung 4. Sattel (Arthrosen des Rückens) 5. Reitweise (Arthrosen der Halswirbelsäule)
Besteht der Verdacht auf Arthrose sollte das Pferd einem erfahrenen Pferdetierarzt vorgeführt werden. Eine umfassende Lahmheitsuntersuchung kann bereits erste Hinweise oder eine Diagnose bringen. Häufig wird jedoch eine Röntgen-Untersuchung oder ein weiteres Verfahren erforderlich sein. Eine bestehende Arthrose kann leider bis heute nicht rückgängig gemacht werden. Bei der Therapie kann lediglich darauf geachtet werden, dass die Erkrankung nicht weiter fortschreitet, und letztendlich auch medikamentös die Beschwerden gelindert werden. Häufig wird eine lokale Therapie - Injektion von entzündungshemmenden und knorpelunterstützenden Medikamenten - mehr bringen und weniger Schaden anrichten als oral verabreichte Medikamente. Orthopädische Hilfsmittel (Hufbearbeitung, Beschlag) sowie entsprechende Medikamente, kühlende Gels oder wärmende Salben können zudem positive Wirkung zeigen.
Zusammenfassend kann also gesagt werden:
a) Arthrose ist keine (reine) Alterskrankheit! Die Grundlagen werden häufig in jüngsten Jahren gelegt. b) Arthrosen sind nicht zwingend Sport bedingt! Verletzungen und Überbelastungen bei Sportpferden führen zwar häufig zu Arthrosen, es sind aber mindestens ebenso häufig Freizeitpferde betroffen, häufig werden diese aber erst viel später dem Tierarzt vorgestellt. c) Arthrose ist nicht heilbar (degenerative Erkrankung). Daraus zu schliessen, eine Therapie lohne sich nicht, ist jedoch falsch und zweifelhaft was das Tierwohl anbelangt. Häufig können therapeutisch gute Erfolge erzielt werden, am besten mit einer Kombination aus Schulmedizin, Komplementärmedizin (Akupunktur/Chiropraktik etc.) und flankierenden Massnahmen (Hufbeschlag/bearbeitung, Sattler, Reiter etc.). d) Die Therapie erfolgt individuell. Zuerst muss eine präzise Diagnose vorangehen; „blinde Therapien" mit Entzündungshemmern ist keine Lösung, weil häufig die Wirkung unbefriedigend ist, und Nebenwirkungen zu erwarten sind. e) Ein Arthrose-Patienten bleibt häufig ein „Pflegefall". Das bedeutet nicht, dass er nicht Höchstleistungen erbringen kann, der Besitzer muss sich aber darauf einlassen, dass regelmässige medizinische Begleitung erforderlich sein wird. Der entsprechende finanzielle Aufwand sollte vor der Anschaffung des Pferdes eingeplant sein… f) Vieles kann getan werden um einer Arthrose vorzubeugen, angefangen beim Kauf des richtigen Pferdes (Akten mit Röntgenbildern!) weiter über die korrekte Hufbearbeitung, den passenden Sattel und die pferdegerechte Reiterei.
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